Landau
Einbahnstraßen-Überraschung: Viele wollen an Regelung festhalten
Die Stadtverwaltung Landau hat ein Alternativkonzept erarbeitet, wie der Verkehr am Weißquartierplatz und in der Ostbahnstraße geregelt werden kann, wenn auf die Einbahnstraßen verzichtet wird. Weil die Königstraße während des Ausbaus gesperrt war und der Ausweichverkehr nicht durch die Reduit- und Weißquartierstraße führen sollte, war die Verkehrsführung im Februar 2023 geändert worden. Statt sich über Einbahnstraßen durch das Quartier zu quälen, sollten die Autofahrer auf den Ostring ausweichen.
Das Konzept des Bauamtes, damals noch unter Federführung des Dezernenten Lukas Hartmann (Grüne), ging auf. Der Verkehr habe um 40 Prozent abgenommen, informierten Ralf Bernhard, Leiter der Straßenabteilung, und Bauamtsleiter Christoph Kamplade bei einer Bürgerinformation am Mittwochabend im Universum Theater. Oberbürgermeister Dominik Geißler (CDU) stellte klar, die Erreichbarkeit von Zielen stehe im Vordergrund, nicht die Durchfahrt durch die Innenstadt.
Neue Mehrheiten
Der Kniff mit den Einbahnstraßen ist zwar bei vielen Anwohnern gut angekommen, aber die Kritik von Verkehrsteilnehmern und Gewerbetreibenden in dem Gebiet hat nicht abgenommen. Die Kommunalwahlen haben im Sommer die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat verändert. SPD, CDU und FWG taten sich zusammen und forderten die Abkehr von den Einbahnstraßen. Bis Mai, so lautet der Mehrheitsbeschluss im Rat, soll es eine andere Möglichkeit der Verkehrsberuhigung geben.
Die neue Idee der Verwaltung beruht nun auf Fahrbahnverengungen und aufgeschraubten Teller-Hindernissen – bei gegenläufigem Verkehr. Die CDU ist damit nicht glücklich, weil Parkplätze in der Reduit- und Weißquartierstraße wegfallen würden. Laut Verwaltung müssen 19 bis 25 Stellplätze gestrichen werden, einige wegen der Fahrbahnverschränkungen, andere entlang der Weißquartierstraße auf dem Gehweg. Die CDU hat einen eigenen Vorschlag in die Diskussion gebracht. Der aber stand am Mittwoch gar nicht zur Diskussion, was im Publikum zunächst für Verwirrung sorgte. Der CDU-Vorschlag sei in der Sache diskussionswürdig, sagte Geißler, wäre aber so bis Mai nicht umzusetzen. „Dafür braucht es eine Planung.“ Frühestens Ende 2026 sei sie realisierbar.
Asphalt statt Pflaster
Die gut 90 Besucher im Universum nutzten die Gelegenheit, um mit den 14 Vertretern der Verwaltung ins Gespräch zu kommen. Im Foyer des Theaters konnten sie auf Zetteln Wünsche an großen Stellwänden anheften. Die Anzahl an Anwohnern und Gewerbetreibenden hielt sich in etwa die Waage. Je nach Betroffenheit fielen diese Wünsche auch aus. Während die einen – erstaunlich viele – die derzeitige Regelung gerne beibehalten möchten, wünschen sich andere modale Filter wie in der Wieslauterstraße, Asphalt statt des Kopfsteinpflasters, die Öffnung der unteren Königstraße und Tempo-30-Zonen inklusive Kontrollen. Klagen gab es über die Gebühren für die Kurzzeit-Parkplätze auf dem Weißquartierplatz, auch wenn eingeräumt wurde, dass es jetzt zumindest regelmäßig freie Parkplätze gebe.
Ein Besucher bedauerte, dass die Verwaltung über Poller diskutieren lasse, wo sie doch groß denken müsse. Was habe sie mit dem Platz vor, wohin solle die Entwicklung gehen? Das sei entscheidend. Eine Besucherin bezeichnete den Prozess als schrecklich: „Die Verwaltung rödelt, es kostet viel Geld, dann wird es Hindernisse geben, über die sich alle aufregen – und am Ende wünschen sich alle die Einbahnstraßen wieder zurück.“
Info
Bis 9. Februar kann man sich auf der Plattform www.mitredeninLD.de beteiligen. Alle eingehenden Beiträge werden als Stimmungsbild zusammengefasst und an die Gremien der Stadt gegeben.
