Landau
Ingenthron will Hindenburgstraße umbenennen
Maximilian Ingenthron will nun endlich Nägel mit Köpfen machen und die Hindenburgstraße umbenennen. Ob’s dem Wahlkampf des SPD-Oberbürgermeister-Kandidaten geschuldet ist, dass jetzt wieder Bewegung in die Sache kommt? Schließlich hat der Stadtrat schon am 17. März 2020 auf Antrag der Linken beschlossen, Paul von Hindenburg, früherer Reichspräsident und Steigbügelhalter Hitlers, die von den Nationalsozialisten 1933 verliehene Ehrenbürgerwürde zu entziehen. Oberbürgermeister Thomas Hirsch hatte damals angekündigt, bis Ende 2021 alle Straßennamen kritisch durchzusehen, ob sogar mehr als nur diese eine umstrittene Straße andere Namen bekommen sollten.
„Die Akten liegen auf dem Tisch“, sagt Bürgermeister Maximilian Ingenthron im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Man wisse genug, um über die Umbenennung zu entscheiden. Er hat auch einen Namensvorschlag parat: „Am Tiergarten“ wäre beispielsweise „eine schöne Lösung“. Denn die Straße, die als eine der Hauptverkehrsachsen der Stadt gilt, führt am Zoo vorbei.
Frauen vor?
Das dürfte eine spannende Diskussion werden, denn der Stadtrat hat sich auf Anregung der Grünen 2016 in einem Grundsatzbeschluss festgelegt, bei der Verwendung von Personennamen für Straßen und Plätze in Landau Frauen verstärkt zu berücksichtigen. Die Grünen hatten vorgerechnet, dass von den 537 Straßen nur zehn nach Frauen benannt waren. Im Nachgang zur Aberkennung der Ehrenbürgerwürde Hindenburgs hatte jemand ein Straßenschild in der Hindenburgstraße mit einem eigenen Vorschlag überklebt: Rosa-Luxemburg-Straße.
SPD-Stadtratsmitglied Hans-Jürgen Blinn hat im März 2020 in einer Stellungnahme an die RHEINPFALZ bekräftigt, dass auch Richthofen und Boelcke, nach denen Straßen im Landauer Fliegerviertel benannt sind, den Anforderungen, die an Paten für Straßennamen gestellt würden, nicht gerecht würden. Denn das komme nur für Menschen infrage, die sich im Sinne des Grundgesetzes für ein friedliches und humanistisches Zusammenleben in einem auf Ausgleich ausgerichteten Gemeinwesen eingesetzt hätten. Blinn unterstütze damals den Vorschlag von RHEINPFALZ-Leserbriefschreiberin Birgit Heid, die Hindenburgstraße beispielsweise nach Bertha von Suttner zu benennen. Die österreichische Schriftstellerin hatte 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis bekommen. Man könne aber auch an Marie Juchaz denken, jene Sozialreformerin und Frauenrechtlerin, die 1919 die Arbeiterwohlfahrt gründete, hatte Blinn im März 2020 argumentiert.
Weiterer Klärungsbedarf
Klärungsbedarf sieht Ingenthron auch noch bei der Kohl-Larsen-Straße, die nach einem „Forscher mit völkischem Hintergrund“ benannt sei, so Ingenthron. In einem RHEINPFALZ-Beitrag mit dem Titel „Der Forscher mit der Nilpferdpeitsche“ hatte im Dezember 2019 der emeritierte Professor Gerhard Hauck aus Landau diese Namensgebung kritisiert. Ingenthron erinnert daran, dass Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer beauftragt sei, alle Straßennamen auf problematische Namensgeber zu überprüfen.
Auf mehr Informationen durch eine wissenschaftliche Forschungsarbeit hofft Ingenthron im Fall der Hans-Stempel-Straße. Dass dieser kein würdiger Namensgeber sei, hatte der pensionierte Staatsanwalt Burkhard Denger schon 2017 betont. Vor einer Entscheidung wollte die Stadt eine von der Protestantischen Kirche auf den Weg gebrachte Promotion abwarten. Das Ergebnis sei überfällig, so Ingenthron. Eine Umbenennung werde vermutlich nötig sein.
Am Freitag hatte Ingenthron bereits erklärt, dass auch der Karl-Wetter-Platz vor der Marienkirche auf den Prüfstand müsse, weil dem aus Landau stammenden Kardinal vorgeworfen wird, Missbrauchsfällen im Bistum München und Freising nicht nachgegangen zu sein.