Landau Landeskirche schreibt Promotionsstipendium aus

Hans Stempel
Hans Stempel

Die evangelische Landeskirche wird den Einsatz des früheren Kirchenpräsidenten Hans Stempel für verurteilte Kriegsverbrecher und Täter des Nazi-Regimes überprüfen lassen. Sie schreibt dazu ein Promotionsstipendium aus.

Der ehemalige Landauer Pfarrer und Präsident der evangelischen Landeskirche der Pfalz geriet Ende Februar in der Öffentlichkeit in anhaltende Kritik: Die nach Hans Stempel benannte Straße solle umbenannt werden, lautete die Forderung. Die Stadtspitze lehnte dies ab, da sie erst der Kirche die Möglichkeit geben wollte, die Gründe von Stempels Handeln aufzuarbeiten. Der Auslöser war Stempels Engagement für den Verein „Stille Hilfe für Kriegsverbrecher und Internierte“, der sich für Nationalsozialisten in der Gefangenschaft einsetzte. Im Vorstand waren neben Stempel auch ehemalige Offiziere der SS, aber auch Opfer des Nazi-Regimes, wie der ehemalige katholische Pfarrer Johannes Neuhäusler. Der Verein stellte die Verurteilten als schuldlose Opfer einer Siegerjustiz dar. Nun treibt die Kirche die Aufklärung voran. Die Evangelische Akademie der Pfalz im Landauer Butenschoen-Haus schreibt ein auf drei Jahre befristetes Promotionsstipendium aus, das sich mit Stempels Einsatz für NS-Täter in Europa befassen soll. Dies teilt die Kirche mit. „Wir werden damit allen Parteien gerecht, auch der Familie Stempels und den Kritikern“, sagt Wolfgang Schumacher, der Pressesprecher der evangelischen Landeskirche der Pfalz. Der Stipendiat soll seine Stelle zum 1. Januar antreten und sich ausschließlich mit Hans Stempels Engagement nach 1945 befassen. Die Doktorarbeit betreuen wird Kirchenhistorikerin Irene Dingel, die seit 2005 das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz leitet, der Doktorgrad wird dann von der Evangelischen Fakultät der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz verliehen. „Wir stellen somit sicher, dass die Aufklärung auf höchstem wissenschaftlichen Niveau betrieben wird“, sagt Schumacher. Bei der Stadt stößt die Absicht der Kirche auf fruchtbaren Boden. Dies sei ein wichtiges Signal, sagt Bürgermeister Maximilian Ingenthron (SPD). Sie sei vor allem eine große Chance: So könne die Vita Stempels umfassend, unabhängig und unverstellt aufgearbeitet werden. Ingenthron hofft, dass die „Ergebnisse eine seriöse und verlässliche Einordnung und Beurteilung seiner Persönlichkeit und seines Wirkens“ ermöglichen. Bereits im Februar hatte die Stadtspitze mitgeteilt, dass sie erst die Ergebnisse der Aufarbeitung abwarten wolle, bevor über die Umbenennung der Straße weiter diskutiert werde.

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