Landau RHEINPFALZ Plus Artikel In Windeseile durch die Stadt

Es scheint, als werde mehr gerast in Landau. Woran liegt das?
Es scheint, als werde mehr gerast in Landau. Woran liegt das?

Am Wochenende regierte der Bleifuß in Landau. Am Samstag ist ein Porschefahrer durch eine Spielstraße gerast, am Sonntag ein junger Mann durch Landaus Süden gefegt. Treten die Leute seit Beginn der Corona-Pandemie das Pedal häufiger durch?

Das Gaspedal sitzt locker in Landau: Bereits am Samstag raste ein Porschefahrer mit geschätzten 100 Stundenkilometern durch die Georg-Friedrich-Dentzel-Straße, am Sonntag folgte direkt der nächste Raser. Ein Mann Mitte 20 ist gegen 19.45 Uhr auf der Weißenburger Straße in einem schwarzen Audi A4 von der Polizei beim Rasen in der Stadt gesehen worden. Dort hat er den Beamten zufolge an der Kreuzung Weißenburger Straße/Eutzinger Straße mit stark erhöhter Geschwindigkeit gefährlich überholt. Anschließend flüchtete der Mann über die Zweibrücker Straße. Die Polizei sucht noch nach Zeugen, die Hinweise auf Kennzeichen oder Fahrer geben können.

Porschefahrer: Es droht Haft

Im Fall des Porschefahrers sind die Polizisten schon weiter. Man habe den Halter des Porsche Taycan bereits ermittelt, sagt Michaela Mack, Sprecherin der Landauer Polizeiinspektion. Gegen den Fahrer des E-Sportwagens wird nun wegen eines illegalen Fahrzeugrennens ermittelt. „Es müssen nicht mehrere Fahrer gegeneinander antreten“, sagt Mack, es reiche bereits ein Fahrzeug aus, damit eine solche Fahrt als Rennen gewertet werden könne. Wer im Straßenverkehr „sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“, heißt es im Paragrafen 315 d des Strafgesetzbuchs, „wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Das hat der noch unbekannte Fahrer laut Mack nach Ansicht der Polizei getan. Er befand sich in einem verkehrsberuhigten Bereich. Knapp 100 Menschen waren in der Nähe – sowohl auf dem Spielplatz als auch auf den großen Grünflächen auf dem früheren LGS-Gelände. Es gibt mehrere Zeugen des Vorfalls, die unterschiedliche Geschwindigkeiten schätzen: von 80 bis zu 120 Stundenkilometern sei die Rede gewesen, berichtete ein Polizeisprecher am Sonntag der RHEINPFALZ. Man habe für die Meldung die goldene Mitte gewählt.

Polizei: In Südpfalz wird nicht mehr gerast als sonst

Diese beiden Raser sind nicht allein: Es gab noch zwei weitere Vorfälle zu Corona-Zeiten. Bereits Anfang und Mitte April ist ein Raser im Landauer Stadtgebiet aufgefallen. Ein 20-Jähriger war mit seinem getunten Mercedes AMG mit bis zu Tempo 150 am 18. April erwischt worden. Bereits am 1. April war derselbe junge Mann mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit im Horst und in der Nähe der Horstbrücke unterwegs gewesen. Folge: Die Polizei hat das Auto beschlagnahmt.

Das sind vier Raser-Vorfälle in weniger als sieben Wochen. Als die meisten Geschäfte noch geschlossen waren und die Devise „Bleibt zuhause“ noch voll galt, waren auch die Straßen deutlich leerer. Nutzen einige Autofahrer also die recht freien Strecken, um mal das Gaspedal ordentlich durchzutreten? Das berichten Medien landauf, landab, von Brandenburg bis Bayern – aber in der Südpfalz ist dies laut Polizei nicht der Fall. Es gebe keine Häufung solcher Verkehrsdelikte, sagt Sprecherin Mack. Auch Michael Baron, Dienststellenleiter der Edenkobener Polizeiinspektion, berichtet von keinen Auffälligkeiten. Auch ihm sei nicht aufgefallen, dass die Anzahl der Vorfälle während der Pandemie angestiegen wäre. Die in Edenkoben stationierten Beamten sind auch für die A 65 zuständig.

Engländer müssen happige Geldstrafen berappen

Die Edenkobener waren es auch, die mit dem wohl spektakulärsten Autorennen in jüngerer Vergangenheit zu tun hatten: Im Juni 2018 haben sich drei Engländer auf der A 65 zwischen Kandel und Edenkoben mit hochpreisigen Sportwagen ein Autorennen geliefert. Die Beamten haben die Raser vor der Abfahrt Edenkoben gestellt. Das Verfahren ist bereits abgeschlossen. Die Strafbefehle, die die Landauer Staatsanwaltschaft beantragt hatte, wurden zu diesem Fall gegen zwei Beschuldigte im Februar 2019, gegen den dritten im Juni 2019 rechtskräftig. Das Trio habe „empfindliche Geldstrafen“ zwischen rund 5000 und 10.000 Euro bezahlen müssen, sagt Landaus Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig. Dazu wurde ihnen die Fahrerlaubnis für acht bis zehn Monate entzogen. Die Wagen sind alle wieder freigegeben worden. Bei zwei der Sportwagen hatte das Landgericht eine Rückgabe angeordnet, das dritte Auto wurde freigegeben, weil der Fahrer nicht dessen Eigentümer war.

Polizeisprecherin Mack bietet eine Erklärung für die gefühlte Häufung von Autorennen oder Rasens in Innenstädten an: Es könne sein, dass solche Taten derzeit einfach mehr Beachtung fänden – der entsprechende Paragraf 315 d sei erst seit 2017 in Kraft. Vielleicht liege das Augenmerk schlicht deshalb mehr auf den Temposündern.

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