Am Rande
Impfpflicht ein Eingriff in Gottes Schöpfung?
Wir haben wieder Post von Impfgegnern bekommen, genauer: von einer nicht nur besorgten, sondern „sehr besorgten Bürgerin“, die dringend um Abdruck bittet, bevor der Bundestag am Donnerstag abermals über die Impfpflicht berät. Die Frau ist so besorgt, dass sie nicht einmal ihren Namen nennen kann.
Verstehen kann man es. Die intellektuellen Fehlleistungen sind beachtlich. Unter anderem liegt dem dicken Packen ein „Beschwerdebrief wegen Desinformation“ bei. Darin heißt es, dass Print- und Online-Medien in Deutschland mit ihrer Berichterstattung gegen den Pressekodex verstoßen hätten, also gegen die Richtlinien für saubere journalistische Arbeit. Kleiner Tipp: Schicken Sie das an den Deutschen Presserat. Das ist die Selbstkontrolle der Print- und Onlinemedien in Deutschland. Der Presserat tritt für die Einhaltung ethischer Standards im Journalismus ein, prüft Beschwerden und gibt bei Bedarf „Hinweise“ als mildeste Form der Kritik, spricht Missbilligungen aus oder erteilt öffentliche Rügen mit Abdruckverpflichtung. Beim jetzigen Adressaten, dem Deutschen Journalisten-Verband, wird man nicht viel ausrichten. Das ist eine Journalisten-Gewerkschaft.
Erfrischend neu ist ein Argument gegen eine Impfpflicht: Sie verstoße gegen die grundgesetzlich garantierte Glaubensfreiheit, weil sie „einen Eingriff in die Schöpfung Gottes“ darstellt. Klingt schlüssig und löst viele Probleme. Dann brauchen wir auch keine Krankenhäuser und vor allem keine Pflegekräfte mehr, die sich aufopferungsvoll um Infizierte kümmern.