Mörlheim
Hexen bringen neuen Schwung in Straßennamen-Debatte
Na also, geht doch! Obwohl, nee, eigentlich doch nicht. Der rechte Wille war zwar da, doch die Umsetzung lässt noch ein kleines bisschen zu wünschen übrig. Aber egal, wir haben gelacht, und das ist in diesen Tagen ja wichtig.
Jedenfalls haben in Mörlheim die Hexen in der Mainacht den Dorfplatz umbenannt. Der soll bekanntlich nach Ritter Stephan von Mörlheim benannt werden, dem Gründer des Zisterzienserklosters Eußerthal. Doch da haben wessen Mühlen auch immer zu langsam gemahlen: Der CDU-Vorschlag aus dem Spätjahr 2018 ist noch immer nicht offiziell vollzogen und kollidiert mit dem schon 2016 gefassten Grundsatzbeschluss des Stadtrates, Straßen und Plätze fortan nach Frauen zu benennen, bis in etwa Gleichstand herrscht.
Zornesröte im Gesicht
Jetzt haben die Hexen Fakten geschaffen und den Platz in einer unvergleichlichen grammatikalischen Konstruktion in „Ritter Stephan von Mörlheim seiner Fraa ihrn Platz“ umbenannt. Das kommt einem RHEINPFALZ-Vorschlag vom Februar schon recht nahe (aber wir waren es nicht!), krankt aber daran, dass die Ehefrau des Stephan, Eva, nicht namentlich genannt wird. Wirklich wertschätzend ist das also nicht.
Lustig ist aber, dass sogar ein solcher gelungener Scherz etlichen Facebook-Nutzern die Zornesröte ins Gesicht treibt. Oberbürgermeister Thomas Hirsch (er hat selbst ein Alibi) hat das Foto mit dem Schild auf Facebook gezeigt und mit den nicht ganz ernst gemeinten Worten kommentiert, dass in Mörlheim eine faktische Vor-Entscheidung und pragmatische Lösung gefunden worden sei.
„Habt ihr keine anderen Sorgen?“
Das wird dann kommentiert mit „Die richtige Retourkutsche auf das Kasperletheater der Grünen und Linken“, aber auch mit der argumentativen Killer-Frage „Habt ihr keine anderen Sorgen?“ Die ist deshalb so toxisch, weil es natürlich immer irgendetwas gibt, das gerade wichtiger ist, zum Beispiel das Wetter, die Benzinpreise oder der Schnupfen der Nachbarin ihrer Katze, um im Mörlheimer Sprachduktus zu bleiben.
Ein anderer fragt, warum es gerade in Landau keine Anne-Frank-Straße gebe. Und damit hat er gar nicht so unrecht. Man weiß zwar bis heute nicht, ob Anne Frank jemals in Landau war, aber immerhin lebten ihre Großeltern hier. Das heißt nun nicht, dass dieser Denkanstoß umgesetzt werden müsse, aber richtig ist, dass eine positive Namensliste von Frauen, die einer Straßenbenennung würdig wären, hilfreich wäre. Bisher liegen da nur sehr wenige Vorschläge vor. Doch eine Vorab-Diskussion wäre allemal besser als langwierige Reparaturversuche im Nachhinein, wie man am Beispiel der Hindenburgstraße gerade erleben kann – und bei der gefühlt jede zweite Äußerung lautet „Habt ihr keine anderen Sorgen?“