Landau
An Frauen führt (k)ein Weg vorbei
„Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern. Nichts hindert mich, weiser zu werden.“ Das hat einmal ein Mann gesagt, nach dem in Landau eine Straße im Quartier Vauban benannt ist und bei der eine Umbenennung bisher noch kein Thema war: Konrad Adenauer. Wahrscheinlich wäre es an der Zeit, dass der Stadtrat sich diesen Spruch zu Herzen nimmt. Denn der – eigentlich völlig richtige! – Grundsatzbeschluss von 2016, Straßen nun vornehmlich nach Frauen zu benennen, ist offenkundig nicht haltbar. Nach Mörzheim, wo man sich Gustav Gulden als Namensgeber auserkoren hat, hat nun auch Mörlheim eigene Vorstellungen mit Ritter Stephan von Mörlheim. Der war definitiv keine Frau, doch zur Ehrenrettung der vermeintlichen Macho-Mörlheimer muss man anmerken, dass sich hinter Ortsbeiratsmitgliedern mit den Vornamen Karin, Diana, Melanie, Sandra und Ulrike aller Lebenserfahrung nach keine Männer verbergen.
„Ausnahme wichtiger als Frauen“
Trotzdem ist die Aufregung im Hauptausschuss groß, der sich mit dem einstimmigen Beschluss des Mörlheimer Ortsbeirats befassen muss. „Wir senden die falsche Botschaft: Die Ausnahme ist wichtiger als Frauen“, schimpft Lea Saßnowski (Grüne) und spricht von einem immensen Kollateralschaden, wenn schon wieder ein Mann als Namensgeber vorgezogen würde.
Wolfgang Freiermuth (FWG) widerspricht: Der Schaden wäre größer, wenn die Meinung des Ortsbeirats beiseite gefegt würde. Sagt ein Mann, der in beiden Gremien sitzt, im Zweifel aber immer eine Lanze für den Ortsbeirat (in seinem Fall Mörzheim) bricht, und dem das Bauchgefühl vor Ort allemal wichtiger ist als eher theoretische Erwägungen im Rat. Folglich hat Freiermuth, haha, auch eine Lanze für den Ritter gebrochen.
Altlast der Eingemeindung
Ralf Eggers (männlich, CDU) sieht das ähnlich: Laut Eingemeindungsvertrag habe der Ortsbeirat das Vorschlagsrecht für Namen. Dass die Mütter (gab es sie?) und Väter der Eingemeindungsverträge mutmaßlich aus gutem Grund nicht „Entscheidungsrecht“ in den Vertrag geschrieben haben, hat er nicht thematisiert.
Den sinnvollen Grundsatzbeschluss zu retten, zugleich aber den Ortsbeirat nicht vor den Kopf zu stoßen, hat Magdalena Schwarzmüller (SPD) mit einem Kompromissvorschlag versucht. Weil hinter jedem erfolgreichen Mann bekanntlich eine starke Frau steht (nicht Adenauer, die Quelle ist unbekannt), schlägt sie Stephan-und-Eva-von Mörlheim-Platz vor. Man möchte an dieser Stelle eigentlich nur noch mahnend einwerfen, die lieben Kinder nicht zu vergessen, also: Stephan-und-Eva-von-Mörlheim-mit-Gerlinde, Gottlieb, Gieselher, Friedegunde und Brunhild-Platz.
Kreuzzug war Krieg
Unfassbar respektlos findet es Jenni Follmann (Grüne), noch mal einen Mann als Namensgeber vorzuziehen. Die Frau mit zu benennen, helfe vielleicht aus dem Dilemma, aber offenbar seien Männer immer noch wichtiger als Frauen. Sie appelliert dringend an alle Stadt- und Ortsbeiräte, mal die Dorfchroniken und Geschichtsbücher nach Frauen durchzusehen.
Daniel Emmerich (Linke) hat mit Ritter Stephan noch ein anderes Problem: An einem Kreuzzug teilgenommen zu haben, sei nichts Ehrenwertes, sondern Kriegsführung aus religiösen und territorialen Gründen. Dass der Ritter nach glücklicher Heimkehr das Kloster Eußerthal gegründet hat, kann Emmerich nicht versöhnen. Heute reagieren wir auf angebliche Heilige Kriege ja auch deutlich skeptischer – hoffentlich nicht nur, wenn sie Dschihad genannt werden.
Und was folgt jetzt daraus? Nichts. Oberbürgermeister Thomas Hirschs Warnung, Straßen am besten gar nicht mehr nach Menschen zu benennen, weil künftige Generationen oft einen ganz anderen Blick auf die Namensgeber hätten, bleibt folgenlos. Beschlossen ist nur, den Ortsbeirat zu bitten, das Thema nochmals zu behandeln. Unwahrscheinlich, dass dabei etwas anderes rauskommt.
Blumenviertel sind so Sixties
Eine Bitte nur seitens der Redaktion: Pommern und Schlesien kann heute niemand mehr wirklich verorten. Bitte auch keine Blumen-Namen mehr, die sind so Sixties. Ein Maler- und ein Burgenviertel haben wir schon, mal ganz davon abgesehen, dass in Burgen Ritter wie Stephan von Mörlheim gehaust haben. Und möglichst auch keine Rebsorten, denn mit Riesling- und Burgunderweg sind wir auch schon lange durch. Die neuen Piwi-Sorten bieten zwar neue Chancen, aber Regent, Baron und Reberger klingen so männlich, Johanniter ist zu religiös, und VB 91-26-29 nicht einprägsam genug. Bliebe noch das Mannheimer Schachbrettmodell mit Buchstaben-Zahlen-Kombinationen, aber U6 und F7 hören sich primär nach Schiffeversenken an. Man kann es also drehen und wenden wie man will: An den Frauen führt kein Weg mehr vorbei.