Landau / Klingenmünster RHEINPFALZ Plus Artikel Heftige Randale nach Fußballspiel: Messer soll im Spiel gewesen sein

Wegen des schlechten Wetters wurde das Spiel nicht auf dem Naturrasen in Wollmesheim, sondern auf dem Kunstrasenplatz in Landau-
Wegen des schlechten Wetters wurde das Spiel nicht auf dem Naturrasen in Wollmesheim, sondern auf dem Kunstrasenplatz in Landau-West ausgetragen. 50 Zuschauer verfolgten das Spiel. Auf dem Weg zu den Kabinen eskalierte die Situation.

Bei einem Fußballspiel in Landau kam es zu schweren Ausschreitungen. Rund ein Dutzend Polizisten war vor Ort, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Ein Spieler landete im Krankenhaus, auch ein Messer soll im Spiel gewesen sein. Was steckt dahinter?

Beim Thema Fußball kochen gerne mal die Emotionen hoch. Doch beim Spiel in Landau am 29. Oktober explodierte die Stimmung – wohlgemerkt im negativen Sinne. Nach dem Abpfiff kam es zu schwerer Randale, wie die Polizei Landau auf Anfrage der RHEINPFALZ bestätigt. Das Spiel der Herren A-Klasse von TuS Wollmesheim gegen die SG Klingenmünster-Göcklingen-Eschbach schloss mit einer 1:3-Pleite für das Heimteam. War die Niederlage zu viel für die Nerven der Fans? Oder warum eskalierte die Lage nach Spielende derart, dass es drei Streifenwagenbesatzungen brauchte, um die aufgeheizte Stimmung wieder zu beruhigen?

Für Uwe Kubiack aus Göcklingen endete der Tag im Krankenhaus. Offene Wunden am ganzen Körper, Kratzer übers Gesicht und ein blaues Auge habe er von der Schlägerei davongetragen, erzählt der 32-Jährige, der sich nach knapp einer Woche mit dem Vorfall an die Redaktion wandte. Die Polizei hatte im Nachgang keine Pressemitteilung zu der handfesten Auseinandersetzung veröffentlicht. Nach seiner Schilderung ging es schon auf dem Platz heiß her, nachdem er in der 54. Minute das 2:1 geschossen habe. Darauf habe ihn ein gegnerischer Spieler ins Gesicht geschlagen, was der Schiedsrichter aber nicht gesehen habe, sagt Kubiack. Auch anderen Teamkollegen sei ins Gesicht geschlagen worden, behauptet er, woraufhin es in der 90. Minute auch eine Rote Karte für Wollmesheim gegeben habe.

Vermummte Männer mit Messer

Nach dem Abpfiff sei er auf dem Weg zu den Kabinen von jenem Spieler und zwei oder drei Zuschauern aus dem Umfeld des Spielers zu Boden geschlagen und getreten worden, schildert Kubiack das Geschehen. Zwei weitere Zuschauer hätten sich mit einem T-Shirt vermummt und seien mit einem Messer auf ihn zugekommen. „Glücklicherweise sind sie in dem Gerangel nicht an mich rangekommen.“ Seine Teamkollegen seien dann hinzugekommen, um die Schläger von ihm abzubringen. Die Wollmesheimer Funktionäre hätten nur zugeschaut, seien aber nicht eingeschritten, wirft er ihnen vor.

Wenn man sich die andere Seite anhört, stellt sich die Situation anders dar. Das Derby-Spiel sei umkämpft, aber fair gewesen, auf dem Feld sei nichts Auffälliges passiert, meint Stefan Burckgard, Vorsitzender des TuS Wollmesheim. Nach dem Spiel hätten sich ein paar Leute in die Haare gekriegt. Sein Spieler habe den gegnerischen aber nicht angegriffen. Auch laut den bisherigen Ermittlungen der Polizei handelte es sich bei den mutmaßlichen Tätern um Männer aus Zuschauerkreisen. Burckgard betont, dass jene vereinsintern unbekannt seien. Wegen des schlechten Wetters wurde das Spiel nicht auf dem Naturrasen in Wollmesheim, sondern auf dem Kunstrasenplatz in Landau-West ausgetragen. Da kämen auch mal andere vorbei.

Wer hat wen geschlagen?

Der Kritik Kubiacks, dass von Wollmesheimer Seite nicht eingeschritten worden sei, hält Burckgard entgegen, dass seine Ordner den Pulk mit aufgelöst hätten. „Auch unsere Zuschauer und die Klingenmünsterer haben mit deeskaliert.“ Laut Polizei gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine Hinweise auf unterlassene Hilfeleistung. Es sei eben ein großer Tumult gewesen, so Burckgard, zuerst eine verbale Auseinandersetzung, dann auch körperlich. „Aber das war schwierig zu sehen. Ich weiß auch nicht, wer zuerst geschlagen hat“, so der TuS-Vorsitzende. Selbst aus Klingenmünsterer Kreisen ist zu hören, dass sich Spieler Kubiack nach dem Angriff der Zuschauer auf ihn auch handfest zur Wehr gesetzt haben soll.

So ermittelt die Polizei denn auch wegen „wechselseitiger Körperverletzung“. Es seien bislang drei Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, so Sprecherin Stephanie Walter: wechselseitig Spieler – Spieler sowie Zuschauer – Spieler. Geschädigte und Beschuldigte stünden namentlich fest. Einer der Geschädigten habe sich zunächst entfernt, habe aber ermittelt werden können. Als die Polizei mit rund einem Dutzend Beamten auf dem Sportgelände eintraf, seien die Beteiligten bereits voneinander getrennt gewesen, so Walter. Der Luft brannte aber wohl noch, und die Polizisten mussten für Ruhe sorgen. Die Polizei bestätigt, dass einer der vermummten Täter mit einem Messer bewaffnet gewesen sein soll. Diese Annahme stütze sich aber allein auf Zeugenhinweise, die Polizei habe vor Ort kein Messer sicherstellen können.

Was war Grund für Auseinandersetzung?

Ebenso wie Kubiack vermutet auch die Polizei einen fußballerischen Hintergrund für die Randale. „In der Endphase des Spiels kam es zu einem Platzverweis, was Auslöser für die Auseinandersetzung gewesen sein dürfte“, so Sprecherin Walter. Andere Vermutungen aus Beobachterkreisen gehen dahin, dass auch private Angelegenheiten dahinterstecken könnten. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen.

Beide mutmaßlich beteiligten Spieler scheinen nicht unbedingt die ruhigsten Gemüter zu haben. Der Wollmesheimer Spieler, der Kubiack angegangen haben soll, war nach Informationen der RHEINPFALZ zuvor bei einem anderen Südpfälzer Verein aktiv, bei dem er rausgeflogen war, weil er Ende vergangenen Jahres einen Schiedsrichter angegriffen hatte. Wegen jener Tätlichkeit verhängte der Südwestdeutsche Fußball-Verband (SWFV) eine viermonatige Spielsperre und danach eine Bewährungszeit bis Ende September 2023. Auch sein neuer Verein TuS Wollmesheim hatte im September für Schlagzeilen gesorgt, weil sieben Spieler für vier Wochen gesperrt waren, weil sie nach der 2:3-Niederlage beim FC Bellheim den Schiedsrichter nach dem Schlusspfiff angegangen beziehungsweise beleidigt haben sollen. Der Verein hält das Urteil für ungerechtfertigt und fechtet es an.

Sportgericht ermittelt

Kubiack sagt von sich selbst, seit Jugendtagen nichts mehr mit Schlägereien zu tun gehabt zu haben. Seine Frau und seine Kinder seien an dem Spieltag dabei gewesen und hätten alles mitansehen müssen. Allerdings kassierte er in dieser Runde nach einem Foulspiel selbst eine Rote Karte und eine Sperre für zwei Spiele. Er werde schon mal emotional und lauter, hört man aus seinem Verein, aber Prügeleien habe man nicht mitbekommen. In Klingenmünster spielt der 32-Jährige seit einem Jahr, seine spielerische Vergangenheit liegt hingegen in Landau. Dort spielte er einst für Südwest, für West und sogar für Wollmesheim.

Der Fall beschäftigt neben Polizei und Staatsanwaltschaft auch den Kreisausschuss Südpfalz des SWFV. Der Verein und die Spielgemeinschaft wurden aufgefordert, Stellungnahmen zu dem Vorfall abzugeben. Das Sportgericht ermittle aber noch, so Kreisausschussvorsitzender Karl Schlimmer vom SV Klingenmünster. „Wir haben noch Fragen“, sagt er auf Anfrage der RHEINPFALZ. So lange es sich um ein laufendes Verfahren handele, gebe es dazu keine Auskünfte. Er rechnet noch mit „ein paar Wochen“ bis zur Entscheidung.

„Wir distanzieren sich uns von jeglicher Gewalt“

Im Gespräch mit beiden Vereinen klingt durch, dass diese die Sache wohl lieber nicht groß ans Licht der Öffentlichkeit gebracht hätten. Wollmesheim-Chef Burckgard findet, dass es sich hierbei nur um eine zivilrechtliche Angelegenheit handele. „Das hat mit dem TuS Wollmesheim und mit der SG Klingenmünster nichts zu tun.“ Deren Vorsitzender Sebastian Löhlein will zu laufenden Verfahren keine Aussagen treffen. Er betont aber, dass sich die Spielgemeinschaft generell von jeglicher Form von Gewalt auf und neben dem Platz distanziere. „Wir stehen für die Werte Respekt, Vielfalt, Integrität und Solidarität.“ Auf gleicher Linie äußert sich auch Burckgard: „Wir sind ein weltoffener Verein und distanzieren uns von jeglicher Gewalt.“

Auf und neben dem Spielfeld soll es zu handfesten Auseinandersetzungen gekommen sein.
Auf und neben dem Spielfeld soll es zu handfesten Auseinandersetzungen gekommen sein.
x