Landau / Kandel
Hausarzt: „Das ist doch ein Witz“
Was ist passiert? Im Landauer Impfzentrum hat eine Impfärztin ein von Dambach ausgestelltes Attest nicht beachtet. Dambach hatte festgehalten, dass seine Patientin Mareike Müller (Name geändert) für ihre Corona-Schutzimpfung nicht das Vakzin von Astrazeneca erhalten solle. Die Über-60-Jährige leidet unter anderem an einer Autoimmunerkrankung und nimmt aus anderen Gründen Hormone ein, die beispielsweise auch Frauen in der Menopause verschrieben bekommen können. Diese verbreiteten Hormonpräparate sind unter anderem ein Grund dafür, dass Frauen unter 60 das Astrazeneca-Vakzin nicht bekommen sollen. Die RHEINPFALZ hat über den Fall berichtet: Die Frau ging unverrichteter Dinge wieder nach Hause, weil sie mehr Vertrauen in ihren Hausarzt als in die Impfärztin hatte.
„Ich kann diese Entscheidung nicht verstehen“, sagt Dambach. Denn: In den Attesten werde keine Detaildiagnose festgehalten. Die Entscheidung des Arztes, der den Patienten am besten kennt, werde ohne Rücksprache einfach aufgehoben. „Damit bin ich einfach nicht einverstanden“, betont der hausärztliche Internist, Geriater (Altersmediziner) und Diabetologe. Natürlich sollten die Ärzte im Impfzentrum diese Atteste prüfen und hinterfragen – nicht allen Ärzten sei leider vorbehaltlos zu vertrauen. Es gebe ja auch Impfgegner und Querdenker unter den Ärzten.
„Ganz, ganz leicht geringes Risiko“
Es gehe ihm auch nicht darum, den Impfstoff der britisch-schwedischen Firma schlecht zu machen, betont Dambach. Das sei ein gutes und sehr wirksames Präparat, das Dambach in seiner Praxis auch seinen Patienten verabreicht. Aber: Im Fall Müller habe er den Biontech-Impfstoff verordnet, da es eben mit diesem Impfstoff ein „ganz, ganz leicht“ geringeres Risiko für seine sowieso schon nicht gesunde Patientin gebe. Dambach belegt dies auch mit einem Artikel aus der April-Ausgabe des Fachblatts Arzneimittelbrief.
Dass diese Empfehlungen vom Hausarzt einfach von den Impfärzten in den Wind geschlagen werden können, ist aber nicht das einzige, das Dambach am derzeitigen Verlauf der Impfkampagne stört. Da ist die Präparate-Verteilung: Er und eine Kollegin seien die beiden impfenden Ärzte in Kandel. Zusammen hätten sie in der vergangenen Woche ein einziges Impfset erhalten. Inhalt: je einmal Astrazeneca (zehn Dosen) und Biontech (sechs Dosen). Die beiden hätten sich das aufgeteilt: Er habe den Stoff von Astrazeneca genommen, sie den von Biontech. Nur: Er habe rund 150 Patienten, die geimpft werden wollen und auf ihren Corona-Schutz warteten. 60 davon seien zu priorisieren. „Wie soll ich die impfen? Das ist doch ein Witz!“ Die niedergelassenen Ärzte arbeiteten sich die Füße wund, machten pro Patient manchmal bis zu einer Stunde Impfaufklärung für „kaum Geld“ – und dann komme kaum Impfstoff.
Immerhin: In dieser Woche sollen die Hausärzte bundesweit mehr Impfstoff zur Verfügung gestellt bekommen, und dabei ausschließlich das Vakzin von Biontech, berichtete das Ärzteblatt am Montag vergangener Woche.