Landau „Hatte Freundin aus Germersheim“

Will sich in der Pfalz auch mit Wein eindecken: Cem Özdemir.
Will sich in der Pfalz auch mit Wein eindecken: Cem Özdemir.

Auf Einladung des Grünen-Bundestagsabgeordneten Tobias Lindner spricht der frühere Bundesvorsitzende Cem Özdemir morgen, 11 Uhr, in Edenkoben im Gutshof Ziegelhütte beim Neujahrsempfang der Südpfälzer Grünen. Hier erzählt der 53-Jährige über seine Bezüge zur Pfalz.

Wie reisen Sie an, als Top-Grüner bestimmt mit der Bahn, oder?

Ja, sicherlich, ich versuche bei Reisen so oft wie möglich die Bahn zu nehmen. Dabei ärgert mich allerdings, dass noch nicht jede größere Stadt an den Schienen-Fernverkehr angeschlossen ist. Das muss sich ändern. Wenn wir die Klimaziele bis zum Jahr 2030 erreichen wollen, dann müssen wir jetzt wirklich die Ärmel hochkrempeln. Wir brauchen eine Verkehrswende, die Bahn, Bus und Radverkehr fördert. Und die Bundesregierung muss endlich aufhören, Schutzzäune um den fossilen Verbrennungsmotor hochzuziehen. Wer den Trend zum emissionsfreien Auto verschläft, gefährdet Zehntausende Jobs in einem unserer wichtigsten Wirtschaftszweige. Was wissen Sie über Edenkoben und die Südpfalz? Dass man hier Europa im besten Sinne lebt: Die Südpfälzer wissen, wie man eine starke regionale Identität wahren kann und trotzdem ganz selbstverständlich über Grenzen hinweg zusammenarbeitet. Und natürlich, dass man hier ganz exzellenten Wein trinken kann. Haben Sie nach dem Empfang noch Zeit, sich in der Gegend umzuschauen? Hier gibt es beispielsweise vorbildliche Bachrenaturierungen. Diesmal leider nicht. Aber die Gegend ist mir vertraut, da ich früher eine Freundin in Germersheim hatte und mit ihr zusammen viel in der Region unterwegs war. Das berühmte Hambacher Schloss habe ich mir – als geschichtsinteressierter Bürger und Fan unserer Demokratie – natürlich nicht entgehen lassen. Werden Sie sich bei Ihrem Besuch hier für zu Hause mit Wein eindecken? Klar. Da ich mit dem Zug auch wieder abreisen werde und Platz im Gepäck habe, verlasse ich mich auf meinen geschätzten Kollegen Tobias Lindner. Er wird mir sicherlich einen guten Bio-Winzer empfehlen können. Welche Sorte bevorzugen Sie? Privat trinke ich oft den Malbec aus Argentinien, weil meine Frau von dort kommt und gerne mit einem Schluck aus der Heimat anstößt. Grundsätzlich bin ich offen für Neues und probiere gerne Unbekanntes. Sie waren früher einmal freier Pressemitarbeiter. An welche Geschichten können Sie sich erinnern? Spontan daran, dass ich immer versucht habe, viele Fotos unterzubringen, weil es dafür mehr Geld gab als für Zeilen (lacht). Nein, im Ernst, ich erinnere mich an viele Berichte über hitzige Debatten im Gemeinderat, über die Hasenzüchter oder über den Besuch eines Bundestagsabgeordneten. Als freier Mitarbeiter habe ich immer viel gelernt. Was ist Ihr Lieblingsplatz außerhalb der Pfalz und warum? Natürlich mein Stuttgarter Wahlkreis. Rund um den Marienplatz im Stuttgarter Süden sind viele nette Bars entstanden und es gibt eine hervorragende Pizzeria. Dort fühle ich mich zu Hause. Am Marienplatz startet auch die Zahnradbahn, die wir liebevoll „Zacke“ nennen und mit der man in wenigen Minuten aus dem Stuttgarter Kessel rauskommt und von oben eine tolle Aussicht auf den wohl schönsten Wahlkreis Deutschlands genießen kann. | interview: Michael Reuter

x