Landau
Gutachten zu Strecken-Reaktivierung dauert noch
Seite Anfang des Monats gelten neue Bewertungskriterien für die Reaktivierung von Bahnstrecken. Darauf haben sowohl der Bundestagsabgeordnete Thomas Hitschler (SPD) als auch sein CDU-Kollege Thomas Gebhart hingewiesen, die sich neue Chancen für zwei Bahnlinien in der Südpfalz erhoffen. Künftig sollen bei einer Kosten-Nutzen-Berechnung ökologische Aspekte stärker berücksichtigt werden. Eine schnelle Lösung oder gar baldige Wiederinbetriebnahme sind aber trotzdem nicht in Sicht.
Für die Streckenreaktivierungen machen sich Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker aus allen Lagern stark. An den Strecken liegende Kommunen haben entsprechende Resolutionen verabschiedet. Der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd in Kaiserslautern teilt auf Anfrage mit, dass das Büro, welches die Reaktivierung der Strecken Landau - Germersheim und Landau - Offenbach/Herxheim durchgerechnet hatte – mit negativem Ergebnis –, nun einfach die neuen Kriterien ins vorhandene Datenblatt einpflegen werde. Trotzdem rechnet Fritz Engbarth, Pressesprecher beim Zweckverband, nicht mit ganz schnellen Ergebnissen. Das Planungsbüro müsse lernen, mit den neuen Kriterien zu arbeiten. Wann man mit einem Ergebnis rechnen könne, sei daher offen.
Letzte Bewertung war deutlich negativ
Fraglich ist auch, ob die neuen Maßstäbe wirklich so ökologisch abgefasst sind, dass ein positives Ergebnis herauskommt. Denn bei der letzten Bewertung im Dezember 2020 waren die beiden in den 1980er- und 1990er-Jahren stillgelegten Strecken bei Werten deutlich unter eins gelandet; eine Reaktivierung hatte sich also als unrentabel herausgestellt. Konkret: Die Gutachter hatten seinerzeit sogar schon mit einzelnen Öko-Faktoren gerechnet, aber selbst das ergab bestenfalls Nutzen-Kosten-Quotienten von 0,55. Doch erst ab Werten über eins gibt es Chancen auf eine Wiederinbetriebnahme. Die besser bewertete, also aussichtsreichere Strecke war die nach Germersheim.
Engbarth weist darauf hin, dass es zudem zwei weitere Strecken im südlichen Rheinland-Pfalz gibt, die für eine Reaktivierung infrage kommen: die Eistalbahn (Grünstadt – Enkenbach) und die vom Land wohlwollend betrachtete Glantalbahn (Homburg – Odernheim/Staudernheim bei Bad Münster am Stein).
Reaktivierung würde viele Millionen Euro kosten
Selbst bei einer positiven Bewertung würden aber nicht automatisch in kürzester Zeit wieder Züge nach Germersheim oder Herxheim rollen. Laut Engbarth ist ein Planrechtsverfahren für die fehlende Leit- und Sicherungstechnik nötig, also beispielsweise für Signale und Bahnübergänge. Aber auch Lärmschutz oder Ausweichstellen könnte nötig werden, damit sich auf den eingleisigen Strecken Züge begegnen können.
Auch finanziell sind für die Reaktivierung nicht nur Peanuts nötig: Laut der älteren Nutzen-Kosten Untersuchung müssten in die Strecke Landau – Germersheim je nach Ausbauvariante zwischen 53 und 82 Millionen Euro investiert werden, bevor der erste Zug wieder rollen kann. 90 Prozent davon würden als Zuschüsse fließen. Dazu kämen jährliche Betriebskosten von 2,6 bis knapp vier Millionen Euro. Das hört sich zunächst erschreckend an, relativiert sich aber weitgehend durch hohe Einsparungen beispielsweise bei den Schulbussen.
Bahn viel attraktiver als Bus
Für die Bahn spricht, dass sie deutlich schneller ist und von Landau nach Germersheim 24 statt der 45 Bus-Minuten braucht, dass sie komfortabler ist und deutlich mehr Fahrgäste anlocken kann. Die überholte Nutzen-Kosten-Untersuchung ging von einem Zugewinn zwischen 230 und 560 Fahrgästen pro Tag aus, je nachdem, ob der Zug nur zwischen den beiden Unistädten hin und her pendelt, oder ob er in das vorhandene Bahnangebot der Region eingebunden wird, also in die Stadtbahn Karlsruhe und die S-Bahn Rhein-Neckar, und neue Direktverbindungen schafft.
Das Konzept einer Südpfalzbahn, mit dem Lukas Hartmann (Grüne) in den Oberbürgermeisterwahlkampf gezogen war, bezeichnet der Zweckverband als interessant. Er will abwarten, ob auch der neue OB diese Pläne weiterverfolgt. „Dann sollten wir uns an einen Tisch setzen. Wir sind offen für alles.“