Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Führungswechsel im Hospiz: Schilling will „offenes Haus“

Nieske Schilling (links) übernimmt von Alice Ferlinz die Leitung des Hospizes.
Nieske Schilling (links) übernimmt von Alice Ferlinz die Leitung des Hospizes.

Niemand denkt gern an den Tod. Vor allem, wenn er mit Schmerzen, Angst, Überforderung und Einsamkeit verbunden ist. Diese Sorgen kann das Landauer Hospiz nehmen, das sich liebevoll um Menschen auf dem letzten Lebensweg kümmert. Alles kann man dort bekommen – nur eines nicht.

Das Leben schön machen, auch wenn es dem Ende entgegengeht. Die Tage lebenswert machen, auch wenn sie abzählbar werden. Rückschau halten, letzte Dinge klären können, sich verabschieden, sich versöhnen. Abschließen mit dem eigenen Leben, abschließen mit anderen. All das ist wichtig, es braucht Zeit und einen würdigen Raum, und es braucht einen freien Kopf und einen Körper frei von Schmerzen, frei von Angst. Es braucht ein Hospiz. Nicht für alle, wohl aber für viele Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr daheim sein können.

In Landau gibt es seit zweieinhalb Jahren einen solchen Ort, das Hospiz auf dem Gelände des Bethesda. Ein lichtdurchflutetes Haus der Ruhe mit neun Zimmern plus einem weiteren für Angehörige. „Ein lebensfreundlicher Ort am Ende des Lebens, ein gastfreundliches Haus.“ So hat es Dietmar Kauderer umschrieben, Vorstandsmitglied der Diakonissen Speyer, die Träger der Einrichtung sind.

Nicht überall gibt es eine Sterbekultur

Jetzt hat es dort einen Führungswechsel gegeben: Alice Ferlinz hat die Einrichtung mit aufgebaut, dazu beigetragen, ein Team zu bilden aus Pflegekräften, Ärzten, Therapeuten Ehrenamtlichen, Seelsorgern und den Gästen Wärme, Geborgenheit und Sicherheit in den letzten Lebenstagen zu bieten. Einen „Ort des Lichts, des Muts, der Hoffnung, Liebe und Dankbarkeit“, wie sie sagte. Einen Ort, an dem der „Übergang über die Schwelle in ein anderes Dasein“ gelingen könne. Jetzt stellt sie sich neuen Aufgaben, bleibt aber ganz in der Nähe: Sie wird im Bethesda Eingliederungshilfe für Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen leisten.

Ihre Nachfolgerin ist Nieske Schilling (30), gebürtige Landauerin, die ihr Studium des Managements im Gesundheitswesen in Berlin mit einer Masterarbeit über die palliative Versorgung von Menschen in Pflegeheimen geschrieben und dabei gemerkt hat, dass das Leben überall zu Ende gehen kann, es aber längst nicht überall eine Sterbekultur gebe. „Durch die Hintertür raus mit dem Bestatter“ – das sei nicht ihre Vorstellung von einem würdigen Ende. Schilling ist auf Umwegen, wie sie sagt, zum Ambulanten Hospizzentrum in Landau gekommen, hat dort Ehrenamtliche qualifiziert, was sie unbedingt auch weiter tun will, und einen Kinder- und Jugendhospizdienst aufgebaut.

Eine Vision vom würdigen Ende

Im Hospiz sei eine Vision umgesetzt worden. „Genau so hatten wir es uns gewünscht“, sagte Oberbürgermeister Thomas Hirsch zum Hospiz, das er angeregt und zusammen mit den Diakonissen umgesetzt und als Vorsitzender des Fördervereins nicht zuletzt auch finanziell ermöglicht hat. Es sei ein Beitrag zur sozialen Infrastruktur der Stadt und der Region. Bisher sind nach seinen Angaben 1,25 Millionen Euro an Spenden für das Hospiz eingegangen. Auch künftig werden Spenden benötigt, weil die Krankenkassen zwar den Aufenthalt der Patienten bezahlen, aber die Hospize ganz bewusst nicht völlig ausfinanzieren, weil das Sterben kein Geschäftsmodell sein darf. Spenden kommen von Unternehmen, von Privatleuten und immer wieder auch von den Familien, Freunden und Bekannten Verstorbener, wenn bei der Beisetzung um Unterstützung für das Hospiz geworben wird. Die öffentliche Aufmerksamkeit müsse immer wieder gesucht werden, so Hirsch. „Es gibt so viele Menschen die Unterstützung brauchen“, betonte Dieter Lang, Leiter des Bethesda, auf dessen Campus im Norden der Stadt der moderne, lichtdurchflutete Hospizbau entstanden ist.

Warum assistierter Suizid kein Thema ist

Nur eine Unterstützung wird es im Hospiz nicht geben: den assistierten Suizid, die Beihilfe zur Selbsttötung, die das Bundesverfassungsgericht vor zwei Jahren als zulässig erachtet hatte, weil das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben Ausdruck des allgemeinen Persönlichkeitsrechts sei. Die Frage danach sei gelegentlich ans Team herangetragen worden, sagte Ferlinz. Es sei jedoch die Haltung der Diakonissen Speyer, dass man beim Sterben begleiten, aber nicht aktiv dazu beitragen wolle. Wichtiger noch: Bei einer guten Unterstützung auf dem letzten Lebensweg und wenn man den Menschen ihre Ängste nehme, trete der Wunsch nach dem assistierten Suizid auch in den Hintergrund, so Kauderer.

Das Landauer Hospiz deckt nach Ferlinz’ Einschätzung den Bedarf in der Region sehr gut ab. „Wir sind gut ausgestattet.“ Falls doch einmal mehr Raum benötigt werde, so sei das Landauer Haus so gut mit seinen Partnereinrichtungen in Bad Dürkheim und Speyer vernetzt, dass es eine Lösung gebe. „Man kann die Versorgung bekommen, die man braucht“, versicherte Kauderer.

Nieske Schilling nennt als Ziel, das Hospiz, das nicht nur über freundlich eingerichtete Zimmer verfügt, sondern auch über ein großes Wohnzimmer mit Sofa (Fernseher, Kaffeemaschine und, und, und), langem Esstisch und einer sonnigen Terrasse, zu einem offenen Haus zu machen, einem Ort, der auch Begegnungen ermöglicht. Wenn Corona endlich vorbei ist.

Spendenkonten

Förderverein „Ein Hospiz für Landau-SÜW“ zur Unterstützung des stationären Hospizes in Landau:

  • VR-Bank Südliche Weinstraße-Wasgau IBAN DE93 5489 1300 0000 4414 06
  • VR-Bank Südpfalz: IBAN DE55 5486 2500 0002 730073
  • Sparkasse Südpfalz: IBAN DE31548500101700808080

Förderverein Ambulante Hospizarbeit Landau/SÜW zur Unterstützung des Ambulanten Hospizzentrums Südpfalz, inklusive des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes:

  • VR-Bank Südpfalz: IBAN: DE84 5486 2500 0001 7604 24
  • Sparkasse Südpfalz: IBAN: DE28 5485 0010 0000 0062 54
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