Bildungssymposium abgesagt RHEINPFALZ Plus Artikel Esoteriker wollen Schule in Landau gründen

Die Initiative habe für die Schule ein Grundstück in Godramstein im Blick. Doch ob sie es kriegt, ist sehr fraglich.
Die Initiative habe für die Schule ein Grundstück in Godramstein im Blick. Doch ob sie es kriegt, ist sehr fraglich.

Eine „Freie Schule“ wird geplant, doch die Spur führt zu esoterischen Angeboten und einer Szene, die der Verfassungsschutz im Blick hat. Was steckt dahinter?

Schulen, und das ist klar, haben nicht nur Fans. Viele Menschen haben schlechte Erinnerungen an ihre Schulzeit, andere gute. Da kommt für einige Menschen über 25 Jahre nach der Gründung der Montessori-Schule die geplante Neugründung einer weiteren „Freien Schule“ in Landau gerade recht. Doch seit der vergangenen Woche tobt eine Debatte in der Stadt: Ist eine Schulgründung per se etwas Gutes? Oder sollte man genauer auf die Menschen schauen, die hinter dieser Initiative stecken?

Denn die Journalistin Kim Pflanzer hat in einem Beitrag auf dem Online-Netzwerk „Bluesky“ aufgezeigt, wer hinter der Gründung der Freien Schule Landau steckt. Pflanzers Name ist ein Pseudonym, sie ist eigentlich eine Kennerin der rechtsextremen Szene in der Pfalz und möchte aus Sicherheitsgründen nicht, dass ihr richtiger Name bekannt wird. Nach ihren Recherchen steckt hinter der Schulgründung der Campus Neuland in Landau mit Sitz im Lazarettgarten – und dieser ist nicht nur tief in esoterischem Gedankengut verwurzelt, sondern verbreitet zudem auch Verschwörungsmythen und Gedanken der Anastasia-Bewegung, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft wird.

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Gedanken rechter Öko-Sekte verbreitet

Der Campus Neuland bietet unter anderem Veranstaltungen an wie „Morphokybernetik“, in der dem zahlenden Kunden unter anderem beigebracht werden soll, wie man das „morphokybernetische Energie- und Therapiefeld“ nutzen kann, um beispielsweise 80 bis 100 Kilogramm mit einer Hand leicht anheben zu können. Ein weiteres Beispiel: Im Oktober 2025 gab es eine Veranstaltung „Sehen ohne Augen“. Der Campus hängt sowohl von der Adresse als auch personell eng zusammen mit dem Gesundheitszentrum Panakeia. Und hier wird es schwieriger.

Pflanzers Recherchen zufolge verbreitet die Betreiberin des Panakeia-Blogs dort auch Inhalte, die zum „Manifest der Neuen Erde“ der rechten Öko-Sekte Anastasia gehören. Als Inspirationsquellen nennt sie die ehemalige „Kinderprophetin“ Christina von Dreien, die unter anderem verbreitet, dass durch „Lichtarbeit“ den Menschen der Aufstieg in eine höhere Existenzform bevorstehe, oder den Verschwörungsideologen Daniele Ganser.

„Wissenschaftsfern bis wissenschaftsleugnend“

Vor der Schulgründung hätte am vergangenen Samstag ein „Bildungssymposium“ in der Kinck’schen Mühle in Godramstein stattfinden sollen. Es wurde abgesagt. Nach der Veröffentlichung Pflanzers begannen nicht nur die RHEINPFALZ zu recherchieren, sondern auch die VRM-Verlage mit Sitz in Mainz. Grund war die angekündigte Teilnahme der emeritierten Bildungswissenschaftlerin Margarete Imhof (Uni Mainz). Nach den Presseanfragen sagten sowohl die Professorin für Psychologie in den Bildungswissenschaften als auch der Leiter der Landauer IGS, Ralf Haug, ihre Teilnahme ab.

Die Verwaltung habe keinen Einfluss auf eine mögliche Schulgründung in freier Trägerschaft.

Sie habe sich in der Vorbereitung die Selbstdarstellung des Campus Neuland und von Panakeia angesehen, sagt Imhof der RHEINPFALZ. Diese erscheine ihr wissenschaftsfern bis wissenschaftsleugnend. Deshalb habe sie keine Basis für eine Teilnahme gesehen. Haug verweist auf die Aussage Imhofs, mit der er telefoniert habe, und betont weiter, dass er exklusive Privatschulen nicht möge. Er bevorzuge gut finanzierte staatliche Schulen. „Ich beteilige mich nicht an einer elitären Geschichte.“ Nach den beiden Absagen war am Freitag dann auch das geplante Bildungssymposium Geschichte.

Wunsch: Schule soll in Stadtdorf entstehen

Dabei war der Ort, Godramstein, wohl nicht zufällig gewählt. Die Stadtverwaltung berichtet auf Anfrage, dass die Initiative eine städtische Fläche in diesem Landauer Stadtdorf als Schulstandort in den Blick genommen habe.

Der Stadtvorstand – gebildet von Oberbürgermeister Dominik Geißler, Bürgermeister Lukas Hartmann und Beigeordneter Lena Dürphold – hat sich am Montag über die Schulgründung beraten. Das Gremium „hat einstimmig beschlossen, dass die Stadt Landau keinerlei Kooperationen mit den Initiatorinnen und Initiatoren der geplanten Schulgründung beziehungsweise dem beschriebenen Umfeld eingehen wird. Dies betrifft insbesondere die Bereitstellung städtischer Flächen sowie die Schaffung planungs- oder baurechtlicher Voraussetzungen für ein entsprechendes Vorhaben“. Heißt: Das Wunschgrundstück steht wohl nicht zur Verfügung. Auch sehe die Stadtverwaltung keinen Bedarf für eine weitere Schule in Landau.

„Keine Grundlage für Zusammenarbeit“

„Der Stadtvorstand ist sich einig, dass die Stadt Landau für Demokratie, Offenheit, Vielfalt, wissenschaftsbasierte Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt steht. Vor diesem Hintergrund sehen wir keine Grundlage für eine Zusammenarbeit mit Akteurinnen und Akteuren, denen eine Nähe zu wissenschaftsfeindlichen, verschwörungsideologischen oder demokratiekritischen Positionen zugeschrieben wird.“ Aber: Die Verwaltung habe keinen Einfluss auf eine mögliche Schulgründung in freier Trägerschaft.

Pflanzers Recherchen zufolge verbreitet die Betreiberin des Panakeia-Blogs dort auch Inhalte, die zum „Manifest der Neuen Erde“ der rechten Öko-Sekte Anastasia gehören.

Die privaten Schulen dürfen nur mit Genehmigung des zuständigen Ministeriums eröffnet werden, informiert Eveline Dzendziol, Sprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier. Entgegennahme und Prüfung der Unterlagen wie auch eine pädagogische Bewertung seien hingegen Aufgaben der ADD. Man könne auch eine Empfehlung abgeben.

Schule aus Völkersweiler involviert

Dzendziol bestätigt, dass vor einigen Wochen ein Antrag „auf Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer weiterführenden Schule (Integrierte Gesamtschule) in freier Trägerschaft gestellt“ worden ist. Aber nicht vom Campus Neuland oder den beteiligten Personen, sondern vom Verein Freie Bauernhof-Waldschule Südpfalz, der die gleichnamige Schule in Völkersweiler trägt. Laut Vereinsregister bestehen auf der Vorstandsebene keine Überschneidungen mit den handelnden Personen des Campus Neuland. Der Trägerverein hat bislang nicht auf Anfragen der RHEINPFALZ reagiert.

Franz Schoppe vom Campus Neuland, der als Mit-Veranstalter die Redaktion um eine Ankündigung des abgesagten Bildungssymposiums gebeten hatte, möchte sich derzeit nicht gegenüber „den Medien“ äußern, sagt er zur RHEINPFALZ. Mittlerweile wurde die Homepage der Freien Schule überarbeitet. Der Name Franz Schoppe sowie weitere Namen sind von ihr verschwunden. Auch ist nur noch von der Gründung einer Grundschule die Rede. Wie es mit dem Projekt weitergeht, steht also in den Sternen.

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