Landau RHEINPFALZ Plus Artikel E-Dart-Liga leckt Corona-Wunden

Nimmt Maß: E-Dart-Liga-Sportwart Jürgen Kaufmann, der selbst für das Team „Black Widow“ spielt.
Nimmt Maß: E-Dart-Liga-Sportwart Jürgen Kaufmann, der selbst für das Team »Black Widow« spielt.

Das „Ally Pally“-Spektakel ist vorüber. Am Ende der Darts-WM steht der Titelgewinn von Michael Smith. Auch der Saarländer Gabriel Clemens hat für Furore gesorgt. Aber bleibt etwas übrig von dem Pfeile-Fieber? Auf einen positiven Effekt hofft die Landauer E-Dart-Liga.

Das Erreichen des WM-Halbfinals ist für Deutschlands besten Darts-Spieler „German Giant“ Gabriel Clemens ein sensationeller Erfolg. Damit hatten Experten im Vorfeld der 96 Spieler starken Darts-Weltmeisterschaft nicht gerechnet. Aber der gelernte Maschinenschlosser gewann im Alexandra Palace („Ally Pally“) in London ein Spiel nach dem andern. Erst in der Runde der letzten vier wurde er nach einem umkämpften Match gegen den späteren Champion „Bully Boy“ Michael Smith gestoppt, der im Finale einen Neun-Darter warf. Profitiert davon nur Gabriel Clemens?

Unter dem Strich steht für Clemens ein sattes Preisgeld von 100.000 Pfund (rund 112.000 Euro) und der erstmalige Sprung in die Top 20 der Weltrangliste. Smith, der sich im Endspiel gegen den zweimaligen Titelträger Michael van Gerwen aus den Niederlanden mit 7:4 durchsetzte, gewann 500.000 Pfund (565.000 Euro) und ist nun auch die neue Nummer eins der Darts-Weltrangliste. Die Darts-WM wirkte dabei manchmal wie eine Realityshow, bei der sich die Faktoren Unterhaltung und Sport nicht viel nehmen. Aus dem Kneipensport, der seinen Ursprung im 19. Jahrhundert in Großbritannien hat, ist inzwischen ein Massenphänomen geworden. Das Clemens-Halbfinale gegen Smith sahen bei Sport1 im Schnitt 3,31 Millionen Menschen, die gesamte Session mit dem zweiten Halbfinale im Schnitt 1,99 Millionen Zuschauer. Laut Sport1 wurde erstmals mit Darts die Marke von drei Millionen Zuschauern geknackt.

„Natürlich sind solche Erfolge von deutschen Spielern gut für den Dartsport“, sagt der Sportwart der Landauer E-Dart-Liga (LEDL), Jürgen Kaufmann. Er selbst spielt seit mehr als 30 Jahren Darts. „Ich habe aus Langeweile begonnen und dann hat mich die Begeisterung nicht mehr losgelassen. Wir werden sehen, ob wir durch die Clemens-Euphorie wieder mehr Zulauf bekommen.“ Zuletzt gibt es dafür erste Anzeichen: „Es sind wieder ein paar neue Teams dazu gekommen“, ergänzt die zweite Vorsitzende, Sandra Hasenöhrl. „Wir haben derzeit etwa 600 Mitglieder. Etwa 70 Prozent Männer und 30 Prozent Frauen.“ Sie berichtet weiter, dass sich der Landauer Verein nach schweren Corona-Jahren und Lockdowns, wo viele Kneipen geschlossen hatten, wieder etwas im Aufwind sieht. Jugendliche zahlen im Verein übrigens keinen Beitrag, auch werden beim Nachwuchs die Kosten für Turniere vom Verein übernommen. Für Erwachsenen beträgt der jährliche Beitrag 15 Euro. Besonders freut sich der Verein auch über den jüngsten Erfolg von Sina Hilzendegen, die kürzlich deutsche E-Dart-Meisterin wurde. Beispielsweise auch der 1998 geborene erfolgreiche Oggersheimer Dartspieler Marcel Gerdon hat schon in der LEDL trainiert. Inzwischen ist er ein deutscher Spitzenspieler.

Profis versenken regelmäßig ihre drei Pfeile in der Triple-20 (180 Punkte), für Amateure gehört viel Glück dazu oder es bleibt g
Profis versenken regelmäßig ihre drei Pfeile in der Triple-20 (180 Punkte), für Amateure gehört viel Glück dazu oder es bleibt gar ein Wunschtraum.

Jugendschutzgesetz beachten

„Die Corona-Jahre waren keine leichte Zeit“, erzählt Sportwart Jürgen Kaufmann. Von mehr als 70 Mannschaften sind noch rund 50 übrig, die sich in vier Spielklassen (Kreisklasse und -liga sowie Bezirksklasse und -liga) messen. Gespielt wird an rund 25 Spielorten, darunter sind auch „Raucherkneipen“. Treten jugendliche Spieler an, auch davon gibt es in der E-Dart-Liga wieder einige, greift das Jugendschutzgesetz. Es gilt dann während des Spiels Rauch- und Alkoholverbot. Die Mannschaften sind angehalten, im Vorfeld zu klären, ob der Kneipenwirt bereit ist, diese Bedingungen zu erfüllen. Falls nicht, muss ein anderer Spielort gefunden werden oder es kann nur mit erwachsenen Spielern angetreten werden. „Das muss alles vorab geklärt werden“, betont der Sportwart.

Gespielt wird in der LEDL alle 14 Tage am Samstagabend. Vier gegen vier (plus zwei Auswechselspieler) im „best-of-three“-Leg-Modus mit Softdarts (Spitze aus Kunststoff) an E-Dart-Automaten. Oft sind auch noch Fans dabei. Die Spielvarianten sind 501 Double out oder 501 Master. Unter dem Strich sind es 16 Spiele am Abend. Wenn es bei den Checkouts , um genau auf Null zu kommen , nicht läuft, kann es mitunter ein langer Abend werden. Beim ersten Modus muss jede Runde (Leg) mit einem Treffer in die Doppelfelder (außen) oder ins Bullseye, dem bekannten roten Scheibenmittelpunkt enden. Bei der zweiten Variante kann ein Doppel- oder Dreifachsegment sowie das Bullseye zum Beenden der Runde genutzt werden. Preisgelder gibt es in der E-Dart-Liga keine zu gewinnen, dafür aber Pokale am Ende der Saison. Ambitionierte und geübte Spieler haben laut Sportwart einen Average zwischen 40 und 60 Punkten, manche auch mehr.

Bis zu 21 Gramm dürfen die Wurfgeräte der Spieler schwer sein, nach unten hin gibt es keine Beschränkung. Der Automat übernimmt das Zählen. Ein Satz ordentliche Pfeile gibt es ab rund 30 Euro, sagen die beiden Vorstände. Die andere Variante, die in der E-Dart-Liga nicht zum Einsatz kommt, sind Steel-Darts (Spitze aus Metall) wie sie Ambitionierte und auch die Profis der Professional Darts Corporation (PDC), die im „Ally Pally“ begeistert haben, spielen. Bei der WM zählen übrigens keine Automaten die Punkte, sondern so genannte „Caller“, die offiziellen Schiedsrichter. Unter ihnen ist auch die Darts-Kult-Stimme Russ Bray. Unverkennbar ist es, wenn er seinen „One Hundred and Eighty“-Ruf, 180 Punkte, zum Notieren für die Schreiber ins Mikrofon brüllt.

„Ab und zu spiele ich auch gerne Steel-Darts“, sagt Sportwart Jürgen Kaufmann. „Auch wenn das in unserer Liga nicht geht.“ Davon abgesehen gibt es Teams in der Südpfalz, etwa die „White Tigers“, die Dartmannschaft des SV Rot-Weiß Göcklingen, die sich diesen Pfeilen verschrieben haben. Seit der Saison 2018/19 geht eine Mannschaft der Tigers in der badischen Dartliga auf Punktejagd. Nach dem Neustart der Liga nach Corona stieg die Mannschaft in die Bezirksliga auf. Mittlerweile gibt es auch eine zweite Mannschaft in der Kreisliga.

„Zündschnur“ kürzer geworden

Die beiden Mitglieder des Vorstands stellen unterdessen fest, dass „die Zündschnur“ nach der Corona-Zeit bei einigen Spielern leider kürzer geworden ist. „Fairplay sollte wieder stärker in der Vordergrund rücken“, betonen Sandra Hasenöhrl und Jürgen Kaufmann unisono. Der Spaß stehe im Vordergrund. Der Vorfall in Insheim, wo es im vergangenen November bei einem Dartspiel zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen war, sei die Spitze des Eisbergs. Hintergrund war der Jubel über einen erfolgreichen Treffer, der laut Polizei die gegnerische Mannschaft zu Übergriffen verleitete. Involviert waren laut Polizei sieben Personen und es kam zu mehreren kleineren Sachschäden. Beide Teams sind laut LEDL-Sportwart nun zunächst für zwei Saisons gesperrt.

Im vergangenen Jahr feierte der Verein Landauer E-Dart-Liga 25-jähriges Bestehen. Gegründet wurde die Liga von einigen Dartsport-Begeisterten als reine Stadtliga. Im Jahr 2007 hat sich der Verein dem Deutschen Dart Sport Verband (DDSV) angeschlossen.

Info

Weitere Informationen zum Verein und zum Spielbetrieb gibt es unter www.edart-landau.de. Auch die „White Tigers“ haben einen Auftritt im Internet.

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