Landau
Diskussion über Straßennamen nimmt teils groteske Züge an
Es kommt weitere Bewegung in die Straßennamendebatte in der Stadt Landau. Der Landauer Stadtrat hat am Dienstagabend gegen die Stimmen der Grünen, der Linken und einer Vertreterin der FDP beschlossen, die Straße im Mörzheimer Neubaugebiet nach Gustav Gulden zu benennen. Das geht vor allem auf den Mörzheimer Sozialdemokraten Hannes Kopf zurück, der sich für den Juristen Gulden reingehängt hat. Bereits 2014 hatte der Rat auf seine Initiative hin den Namen fixiert, 2016 gab es den Grundsatzbeschluss, Straßen vorrangig nach Frauen zu benennen.
Nun, da die Straßenbenennung im Mörzheimer Neubaugebiet tatsächlich voranschreitet, wankte der Vorratsbeschluss aus dem vergangenen Jahrzehnt – aber nur ein bisschen. Die Grünen hatten dem Rat, aber vor allem der SPD, das (vergiftete) Angebot gemacht, die Straße nach der Sozialdemokratin Elisabeth Selbert, einer der Mütter des Grundgesetzes, zu benennen. Ein Vorschlag, den Kopf souverän konterte. Man solle sich in diesem Fall, der ja keine Ausnahme vom 2016 verabschiedeten Grundsatzbeschluss sei, da er ja zuvor gefasst wurde, auf einen Kompromiss einigen. In Mörzheim benennt man die Straße nach Gulden, was auch dem Wunsch des Mörzheimer Ortsbeirats entspricht, und dafür fasst man schon jetzt den Beschluss, im entstehenden Neubaugebiet Landau-Südwest eine große Straße nach Selbert zu benennen. Ein Angebot, das die Grünen sehr ungeschickt ablehnten.
Vorschlag löst Irritationen aus
Es gehe zunächst darum, am Prinzip festzuhalten, erklärte Fraktions-Co-Chefin Lea Saßnowski. Man habe immer Ausnahmen gemacht und so vermieden, Frauen durch Straßen- oder Platznamen zu ehren. Langsam sei mal Schluss. Dann präsentierte sie einen beachtenswerten Kompromissvorschlag: Man könne eine andere, nach einem Mann benannte Straße in Mörzheim nach Gulden benennen und die neue Straße nach Selbert. Damit verbessere sich das Verhältnis zugunsten von Frauen, und alles sei gut. Nun ja, nichts war gut.
Eine doch recht fassungslose Magdalena Schwarzmüller (SPD) fragte, ob man Anwohnern einer Mörzheimer Straße wirklich wegen eines Prinzips den mit einer Adressänderung verbundenen Aufwand machen wolle. Zudem, darauf wies neben Schwarzmüller auch Kopf hin, sei eine Namensänderung einer Straße ohne ausreichende Begründung juristisch angreifbar. Spätestens dann war es wenig verwunderlich, dass die Ratsmehrheit den Grünen-Vorschlag niederwalzte.
Bericht soll im März vorgestellt werden
Im Zuge der Debatte merkte Oberbürgermeister Thomas Hirsch an, dass sich für ihn persönlich die Frage stelle, ob man überhaupt noch Straßen nach Personen benennen sollte. Hirsch kennt die Ergebnisse des Berichts des Stadtarchivs zu den Namensträgern Landauer Straßen wohl bereits: Er sei am Montag im Stadtvorstand behandelt worden, sagt Stadtsprecherin Sandra Diehl. Vorgestellt werde er noch nicht, da Nacharbeiten nötig sind. Es fehlten die Hinweise zu möglichen Vorgehensweisen wie Umbenennung oder Hinweisschilder und eine Übersicht über das rechtliche Verfahren. Am 16. Februar soll das Thema im Beteiligungsrat behandelt werden. Im März werde der Bericht im Hauptausschuss vorgestellt. Es ist zu erwarten, dass zumindest die nach Paul von Hindenburg und Ludwig Kohl-Larsen benannten Straßen umbenannt werden.
Reichskanzler oder Luftschiff?
Zum Thema Hindenburg hat übrigens ein anonymer Leser einen Vorschlag gemacht, der eines gewissen Charmes nicht entbehrt. Man solle einfach behaupten, die Hindenburgstraße sei zur Erinnerung an das Unglück des gleichnamigen Zeppelins in den USA 1937 benannt worden. Damals starben 35 Menschen. Die Idee zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass sie günstig und wenig aufwendig ist – man könnte beispielsweise unter die Straßenschilder einfach ein Bild eines Zeppelins kleben. Schafft Klarheit. Zack, Debatte teilweise beendet.