Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Die Katharinenkapelle braucht Hilfe

Die Katharinenkapelle gehört der Stadt.
Die Katharinenkapelle gehört der Stadt.

In der Katharinenkapelle in Landau ist der erste Bauabschnitt zur Innensanierung beendet und das große Gerüst abgebaut. Dabei sind neue Erkenntnisse zur Geschichte des Baus aufgetaucht, aber auch neue Fragen. Nicht nur finanzieller Art.

Anders als geplant, muss die Katharinenkapelle noch geschlossen bleiben, obwohl der erste Abschnitt der Innensanierung beendet ist. Der Grund ist die Orgel, die noch nicht wieder aufgebaut ist, sondern in Teilen im Chorraum gelagert wird. Ob es überhaupt sinnvoll ist, sie weiter zu nutzen, darüber denken derzeit die Kirchengemeinden nach.

Denn die Orgel, die die Stadt 1997 bei der Sanierung der Festhalle aus dem kleinen Festhallensaal in die Katharinenkapelle gestellt hat, ist eigentlich zu groß und passt auch nicht zu dem teils romanisch, teils frühgotisch wirkenden Kirchlein, das zu den ältesten Gebäuden der Stadst gehört. Über dessen ursprüngliches Erscheinungsbild gibt es nun neue Erkenntnisse.

Hauptschiff hatte Gewölbedecke

Restauratorin Karen Keller aus Köln kann zwar nicht mit weiteren Funden der ursprünglichen Ausmalung aufwarten, wohl aber mit neuen Erkenntnissen zur Baugeschichte. Sie hat die Ergebnisse ihrer Arbeit in einem knapp 80 Seiten starken Gutachten festgehalten. Beispielsweise hat sie unter losen Putzschichten aus jüngeren Zeiten ungewöhnlich große Bereiche des ursprünglichen mittelalterlichen Innenputzes festgestellt. Der war mit der Kelle angeworfen und nur wenig geglättet, hat also eine recht lebhafte Oberfläche und soll so künftig erkennbar bleiben.

Zudem hat sie in den Arkadenwänden zwischen Haupt- und Seitenschiffen in einer Höhe von 4,27 Meter abgeschlagene Steine gefunden, auf denen einst Gewölbe ruhten. Das heißt, dass das Hauptschiff ursprünglich keine flache Decke hatte. Merkwürdig ist allerdings, dass die Trennwände nicht mit den Außenmauern verbunden sind und daher wohl auch nicht den allerersten Zustand von 1344 darstellen.

Festungsmodell zeigt frühen Zustand

Außerdem hat Keller anhand von Putzflächen und alter Ausmalung mit roten Streifen, die unter der Decke verliefen, auch noch festgestellt, dass die Seitenschiffe ursprünglich etwa 1,50 Meter niedriger waren und ihre Dächer steiler waren als heute. Die Außenmauern sind erst im 19. Jahrhundert weiter aufgemauert worden. Das deckt sich mit einer Darstellung der Kapelle im Festungsmodell im Stadtmuseum: Bei diesem Modell von 1740 überragt das Hauptschiff die Seitenschiffe stärker, als dies heute der Fall ist. Auch der erst 1850 abgerissene Kirchturm ist da noch zu sehen. Weil die Franzosen großen Wert darauf legten, ihr Festungsmodell stets aktuell zu halten, gibt es im Museum mehrere unterschiedliche Kirchlein, die das Aussehen zu verschiedenen Zeiten wiedergeben.

Auch wenn bei der Bau- und Nutzungsgeschichte etliches unklar ist, weiß man, dass der Bau ab dem 18. Jahrhundert unter anderem als Pulvermagazin, Gefängnis und Wachhaus, Weinkeller und Heulager diente, auch eine Wohnung enthielt und wohl mehrfach umgebaut worden ist. Irgendwann in dieser bewegten Geschichte sind beispielsweise die kleinen Kirchenfenster in den Seitenschiffen durch Toreinfahrten ersetzt worden, die abermals später wieder teilweise zugemauert und durch die heutigen großen Fenster ersetzt worden sind.

Fehler bei frühen Restaurierungen

Mehrere mehr oder weniger geglückte Restaurierungen haben im schlechteren Fall weitere Schäden an der Originalsubstanz verursacht, beispielsweise wenn Schlitze für Elektroleitungen mitten durch die alte Ausmalung geklopft oder falsche Materialien verwendet wurden. Im besseren Fall wurden mit dicken Mörtelschichten beispielsweise Steinquader und Pfeiler nachgebildet, die es so nicht gegeben hatte.

Die Frage ist nun, welche Phase der Kirchengeschichte wiederhergestellt werden soll. Da kommt insbesondere der mittelalterliche Zustand infrage, aber auch die Rekonstruktion aus den 1960er-Jahren. Als kleine Entscheidungshilfe hat Keller Farbfelder angelegt, die weiße Kalkputzflächen und rote Bögen zeigen, was dem ursprünglichen Aussehen entsprechen würde.

Wo soll das Geld herkommen?

Bernhard Scholten, der Vorsitzende des Fördervereins der Katharinenkirche, freut sich über die neuen Erkenntnisse, auch wenn der umfangreiche Bericht der Restauratorin ihn auch demütig macht. Denn nach bisheriger Schätzung sind wohl noch 130.000 bis 150.000 Euro für die weitere Sanierung nötig. 5000 Euro als Mutmacher hat kürzlich Udo Vogel von der Stiftung Hilfe in Not überbracht, die vor Corona die regelmäßigen Hans-Rosenthal-Galas in der Festhalle organisiert hat. Scholten plant zur Geldbeschaffung unter anderem eine neue Konzertreihe in und für die Katharinenkapelle. Der Förderverein will aber auch noch Förderanträge bei Stiftungen und öffentlichen Institutionen stellen. Er hofft, dass die Kapelle bis zum Stadtjubiläum 2024 saniert werden kann.

Was nun die Orgel angeht: Das Instrument ist nicht nur zu groß, sondern auch sanierungsbedürftig, was bis zu 6000 Euro verschlingen könnte, plus 1000 Euro für den Wiederaufbau. Deshalb prüfen die beiden Gemeinden – Altkatholiken und die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche – , ob sie die Orgel verkaufen und ein digitales Instrument anschaffen.

Spenden

Der Förderverein der Katharinenkirche bittet um Spenden auf seine Konten bei der

Sparkasse Südpfalz, DE77 5485 0010 0035 1162 68

VR Bank Südpfalz, DE07 5486 2500 0000 7406 91

BB-Bank, DE23 6609 0800 0007 6876 56

Blick in ein Seitenschiff während der Restaurierung
Blick in ein Seitenschiff während der Restaurierung
Resaturatorin Karen Keller zeigt einen der Steine auf denen einst Gewölbebögen ruhten.
Resaturatorin Karen Keller zeigt einen der Steine auf denen einst Gewölbebögen ruhten.
Das rot-weiße Farbfeld soll einen Eindruck davon vermitteln, wie die Kirche innen gestaltet werden könnte.
Das rot-weiße Farbfeld soll einen Eindruck davon vermitteln, wie die Kirche innen gestaltet werden könnte.
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