Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Der Ruderclub in den Uferschen Höfen: Ein Raum für Coworking und Events aller Art

Catjana Bechtle ist der Käpt’n des Ruderclubs. Hier im großen Event-Raum mit Küche.
Catjana Bechtle ist der Käpt’n des Ruderclubs. Hier im großen Event-Raum mit Küche.

Ob Yoga, Weintasting oder Firmentagung – der Ruderclub Landau bietet für alles einen Raum der Möglichkeiten. Das neue Domizil in den Uferschen Höfen ist zudem ein Anlaufpunkt für Coworker. Und auf gerade mal zwei Quadratmetern wird bald noch ein ganz besonderer Arbeitsraum entstehen.

Wer Platz zum Arbeiten oder einen Raum für Veranstaltungen aller Art braucht, der findet seit Kurzem im Ruderclub eine passende Anlaufstelle. Dieser hat im Juni seine Türen in den Uferschen Höfen geöffnet, jenem neuen Quartier im Herzen Landaus, das Altbau-Flair mit nachhaltigen Modernisierungskonzepten verbindet und ein Tummelplatz für kreative Köpfe ist. Und so gehen auch im Ruderclub Yoga-Lehrerinnen, Programmierer und Fotografen ein und aus. Der Käpt’n des Ganzen ist Catjana Bechtle, die gar nicht hier aus der Ecke kommt. Der Wein hat die 32-Jährige in die Pfalz und zum „Rudern“ gebracht. Und das kam so.

Ursprünglich kommt Bechtle aus Pforzheim und ist Fotografin und Social-Media-Managerin. Ihr Freund habe nach vielen Jahren in der Industrie beruflich etwas anderes machen wollen und studiere jetzt Weinbau in Neustadt. Deswegen leben die beiden seit 2,5 Jahren in der Pfalz, genauer gesagt in Edenkoben. Durch ihren Job könne sie zwar vieles von zu Hause aus machen, „aber ich brauche Netzwerke, eine Community, Menschen um mich herum“, erklärt die junge Frau, wie sie aus ihren eigenen Bedürfnissen heraus die Idee für einen Coworking und Event Space entwickelte. Und dann kam der Wein ein zweites Mal ins Spiel. Ein befreundeter Winzer habe sie auf die Uferschen Höfe gebracht, die sie davor gar nicht kannte. „Ich habe mich mit Geschäftsführer Peter Siebert getroffen, und wir haben beide gleich gedacht, dass dies perfekt ins Konzept passt.“

180 Quadratmeter zum Coworken

In den Uferschen Höfen tragen alle Gebäude hanseatische Namen. So war denn auch der Name für den neuen Arbeits- und Veranstaltungsclub schnell gefunden, der übrigens im „Bootshaus“ Anker gelegt hat. „Alle hier möchten dasselbe: einen inspirierenden Ort zum Arbeiten beziehungsweise Rudern und um sich herum eine Community aus Machern. So gesehen sitzen alle in einem Boot und bilden damit einen Club von Menschen, die auf derselben Wellenlänge schwingen“, erklärt Bechtle.

Im Coworking-Bereich stehen bis zu 20 Arbeitsplätze zur Verfügung.
Im Coworking-Bereich stehen bis zu 20 Arbeitsplätze zur Verfügung.

Jenen Selbstständigen, Pendlern, kreativen Freelancern und kleinen Teams steht ein 180 Quadratmeter großer Raum zur Verfügung, der bis zu 20 Arbeitsplätze bietet. Man bucht keinen festen Tisch, sondern es gilt das Prinzip: „Wer zuerst kommt, rudert zuerst“, meint Bechtle schmunzelnd. Die Coworker wählten ihren Platz auch nach den individuellen Tagesbedürfnissen aus, ob auf einem Sitzball in einer abgeschiedenen Ecke oder in zentraler Lage stehend an einem höhenverstellbaren Tisch – der hell und funktional eingerichtete Raum bietet viele Möglichkeiten. Wer Meetings oder Konferenzen hat, kann das „Beiboot“ – einen separaten Besprechungsraum – hinzubuchen. Seinen Laptop bringt jeder selbst mit. Im Ruderclub stehen dann High-Speed-W-Lan, Drucker, zwei größere Bildschirme, ein paar Büromaterialien und eine große Küche zur Verfügung.

„Kajüte“: Telefonzelle und Podcast-Studio

Überall gilt das Prinzip des „Fair Use“, also fairer Gebrauch. Heißt, alles soll nur im Sinne der gegenseitigen Rücksichtnahme genutzt werden, wie Bechtle das Konzept erklärt. Ein paar Seiten für den Job ausdrucken, geht absolut klar, die 80-seitige Masterarbeit in dreifacher Ausführung gehört hingegen nicht dazu. Gleiches gilt für die Küche, in der man sich frei bei Kaffee, Tee und Wasser bedienen und sich mitgebrachtes Essen warm machen kann. Aber eben so, dass man keine dreistündige Küchenparty daraus macht und die anderen weiterhin in Ruhe arbeiten können.

Wer ungestört telefonieren möchte, kann sich in die Telefonzelle zurückziehen. Der Mini-Raum wird bald noch eine weitere Bestimmung bekommen. Wenn die Wände schallgedämmt sind und die Technik installiert ist, verwandelt er sich in ein kleines Podcast-Studio. Mikro und Mischpult hat Bechtle bereits dafür angeschafft. Dann könne jeder, der eigene Audio-Sendungen produzieren will, die „Kajüte“ für Aufnahmen buchen, kündigt die 32-Jährige an.

Eventraum für Yoga, Küchenpartys und Firmentreffen

Aktuell habe der Ruderclub 18 Mitglieder, berichtet Bechtle, die darauf setzt, dass sich die Nutzeranzahl noch erhöht, sobald sich der neue Coworking Space herumgesprochen hat. Drei „Membership“-Varianten stehen dafür zur Verfügung, von der kleinen mit einem Tag Nutzung pro Woche bis zur großen mit drei bis fünf Tagen. Preislich liegen diese zwischen 90 und 280 Euro pro Monat. Zudem gibt es eine „Virtual Office Membership“. Damit bekommt man neben einem Coworking-Tag pro Monat die Möglichkeit, die Adresse des Ruderclubs als Geschäftsadresse zu nutzen und sich Briefe dorthin zustellen zu lassen. „Das ist etwas für Selbstständige, die ihre Privatadresse nicht öffentlich machen wollen“, erklärt Bechtle.

Einen ordentlichen fünfstelligen Betrag habe sie bereits in die Ausstattung des Ruderclubs investiert. Viel steckt davon auch im Inventar des Event Space – einem 65 Quadratmeter großen „Raum der Möglichkeiten“. Mit seiner hohen Decke, roll- oder verrückbaren Möbelstücken und einer vollausgestatteten Küche wird dieser bereits für eine große Bandbreite an Veranstaltungen gebucht. „Hier finden regelmäßig Yogakurse statt, bald haben wir einen veganen Backkurs, aber auch geschäftliche Treffen sind möglich.“ So reicht die Einrichtung von Yogamatten über Sitzmöbel bis zu einem großen Präsentationsbildschirm und Whiteboard.

Kursangebote zum selbst zusammenstellen

Gerade arbeitet die junge Wahl-Pfälzerin daran, einen „DIY-Eventkalender“ ans Laufen zu bringen. Damit könne sich jeder nach dem „Do it yourself“-Prinzip (Mach es selbst), seine Veranstaltung individuell zusammenstellen. Bechtle kooperiert dafür mit verschiedenen Dienstleistern aus dem Landauer Raum, die beispielsweise Weinproben, Töpferkurse, Design-Workshops oder Balsamico-Tastings anbieten. „Man kann dann den Raum buchen und gleich noch eine oder mehrere der Veranstaltungen dazu.“ Das bringe den Dienstleistern mehr Bekanntheit und den Veranstaltern Zeitersparnis bei der Organisation, sieht Bechtle darin eine Win-win-Situation. Knapp zehn Partner habe sie bereits im Pool. Bald ist Premiere: Eine zehnköpfige Gruppe habe den Event Space für eine Veranstaltung gebucht und gleich noch einen Malkurs dazu.

Netzwerken, Menschen zusammenbringen, Start-ups und Einzelunternehmer unterstützen: Die Social-Media-Managerin kennt die Bedürfnisse der mobilen Arbeitsgeneration aus ihrem eigenen Berufsleben und will mit dem Ruderclub dafür den passenden Ankerpunkt schaffen. „Ich möchte die kleinen Leute mit ihren Ideen in die Welt bringen.“

Info

Ruderclub, Husarengasse 6, Landau, www.ruderclub-landau.de

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