Landau CDU: Hausärzte sterben aus

Die zur Zeit noch gute Situation bei der ärztlichen Versorgung und der Pflege alter und kranker Menschen in der Stadt Landau und im Kreis Südliche Weinstraße wird sich in den nächsten zehn Jahren dramatisch verschlechtern, wenn keine Wege zur Überwindung des Problems gefunden werden.
Das stellten Christine Schneider, Landtagsabgeordnete aus Edenkoben, der Landauer Sozialdezernent Thomas Hirsch und Erwin Rüddel, Mitglied des Bundesfachausschusses für Gesundheit und Pflege des Deutschen Bundestages (alle CDU), zum Abschluss einer Gesprächsrunde mit Vertretern der Ärzteschaft, von Pflegeeinrichtungen und Sozialstationen fest. Im Bereich Landau/SÜW der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz bestehen nach Angaben Schneiders derzeit 161 Einzelpraxen, in denen 180 Ärzte arbeiten. 36 Prozent der Hausärzte und um die 26 Prozent der Fachärzte seien heute 60 Jahre und älter und müssten in absehbarer Zeit ersetzt werden. Daher sei der demografische Wandel hinsichtlich der ärztlichen Versorgung und auch in der Pflege eines der großen Themen der Gegenwart, sagte Schneider. Die Politiker informierten sich bei ihrem Zusammentreffen mit Krankenhaus- und niedergelassenen Medizinern sowie Pflegeverantwortlichen über die Lage und hörten sich Vorschläge an, was getan werden könne. „Wir bekommen am Schluss die Probleme, wenn die Weichen nicht rechtzeitig gestellt werden“, betonte Hirsch. Der Bedarf an Fachkräften auf medizinischem und pflegerischem Gebiet sei aus eigener Kraft nicht mehr zu stemmen, deshalb müssten die gesetzlichen Rahmenbedingungen geändert werden. Rüddel sagte, 80 Prozent der deutschen Hausärzte gäben in den nächsten zehn Jahren altersbedingt ihre Praxen auf, fänden immer schwerer Nachfolger. Nur zehn Prozent der Medizinstudenten wollten jedoch Hausarzt werden, eigentlich müssten es 40 Prozent sein. 65 Prozent der Medizinstudierenden hätten das Ziel, künftig im Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Zur Lösung des Problems ist es nach Darstellung Rüddels erforderlich, dass künftig 20 Prozent mehr Mediziner als heute ausgebildet werden. Die Universitäten müssten ein anderes Auswahlverfahren praktizieren und bei der Aufnahme nach Befähigung und nicht nach Noten der Studierwilligen entscheiden. Für ihn ist es unerlässlich, dass junge Ärzte in Krankenhäusern und Praxen die gleiche Vergütung erhalten. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollten in medizinisch überversorgten Gebieten vor der Schließung stehende Praxen kaufen und dicht machen. Um Ärzte aufs Land zu locken, fordert er in Zukunft eine bessere Bezahlung der Landärzte und eine personelle Unterstützung in ihren Praxen durch speziell ausgebildete Helferinnen und Gemeindeschwestern, die sie von Routineaufgaben entlasten. (güw)