Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Bethesda: Drei bedrückende Wochen als Team überstanden

Sind ein eingeschworenes Team (von links): Marina Schwartz, Martina Kipper und Alexandra Hahn.
Sind ein eingeschworenes Team (von links): Marina Schwartz, Martina Kipper und Alexandra Hahn.

Alexandra Hahn (28) und Martina Kipper (54) haben anstrengende Wochen hinter sich. So wie ihre Kolleginnen und alle Teams im Bethesda – und so wie die Bewohnerinnen der Wohngruppe, die sie betreuen. Ein Corona-Ausbruch hat ihnen schwer zu schaffen gemacht.

Hahn ist Heilerziehungspflegerin, Kipper Altenpflegerin, und sie kümmern sich unter anderem mit Marina Schwartz (unser Bild) um elf Frauen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen. Nein, „Damen“, sagen Hahn und Kipper zu ihren Schützlingen, woraus liebevoller Respekt spricht. Sie unterstützen ihre Damen in allen Belangen des Allltags.

Eigentlich ist das Leben in der Wohngruppe eingespielt. Manche Bewohnerinnen sind so fit, dass sie selbstständig im Bethesda unterwegs sind, Freundinnen treffen, in die Cafeteria gehen oder die Tagesförderstätte im Haus besuchen und viele Kontakte haben. Eigentlich. Denn die Pandemie hat alles durcheinandergewirbelt. Insbesondere, als es kürzlich einen Corona-Ausbruch gab, obwohl nahezu alle Bewohner und Mitarbeitende vollständig geimpft sind.

Arbeit unter Vollschutz

Die Behörden hatten einen Besuchsstopp erlassen, Cafeteria und Förderstätte waren geschlossen, die Wohngruppe auf sich zurückgeworfen. Kontakte nach außen gab es nicht mehr, sogar die gemeinsamen Mahlzeiten mussten ausfallen. Und die Betreuerinnen mussten nicht nur Maske tragen, sondern drei Wochen lang auch ein komplettes Set Schutzkleidung, bestehend aus Plastikkitteln, Hauben, Visieren, Handschuhen und Überziehern über den Schuhen. „Wir waren komplett vermummt.“

„Wie seht Ihr denn aus?“, war denn auch eine oft gehörte Äußerung der Damen, die auch deshalb schmerzte, weil es im persönlichen Umgang sehr stark auf Mimik und Gestik ankomme. „Das funktioniert nicht mit Maske“, sagt Hahn. Warum plötzlich alles ganz anders war als zuvor, warum man niemanden mehr anfassen, warum man Maske tragen und Abstand halten musste und möglichst auch im eigenen Zimmer bleiben sollte, war vielen nicht zu vermitteln.

Bewohnerinnen nur leicht erkrankt

„Die Situation war für Bewohnerinnen und Mitarbeitende sehr belastend“, sagen die Frauen. Die Wohngruppe war auch nicht von Erkrankungen verschont geblieben. Zum Glück habe es aber keine schweren Symptome gegeben, erzählen Kipper und Hahn. Sie haben mit noch mehr Betreuung gegengehalten, mit Musikvideos, Basteln und Puzzeln, je nach Vorlieben der Bewohnerinnen.

Natürlich war auch die Arbeit unter Vollschutz anstrengender, beispielsweise wenn man den Bewohnerinnen beim Duschen geholfen hat, erzählt Kipper – wobei durchaus auch der anerkennende Satz von Bewohnerinnen gefallen ist: „Ihr tut mir leid.“ Die schlimmste Phase ist vorbei, aber enorme Vorsicht muss auch weiter walten.

Die Krise schweißt zusammen

Corona hat die ohnehin schon schwierige Suche nach Personal weiter erschwert. „Wir suchen händeringend Pflegekräfte“, sagt Hahn. Sie berichtet aber auch, dass die Krise das gesamte Team – Damen und Betreuerinnen – noch mehr zusammengeschweißt hat. „Das macht was mit einem.“ Mit ihr macht der Beruf Folgendes: Sie freut sich über die Dankbarkeit der Bewohnerinnen, über deren Freude, sie und ihre Kolleginnen zu sehen. „Es gibt viele, viele schöne Seiten an dem Beruf“, sagt sie. Kipper erwähnt einen weiteren Aspekt: „Wir haben so ein tolles Team, wir halten gut zusammen.“ Notfalls springt dann auch mal jemand ein, der eigentlich frei hat oder die eigenen Kinder betreuen müsste. „Das klappt bei uns ganz toll.“

Adventskalender

Knapp zwei Jahre an der Corona-Front: Alle hofften, nach dem Sommer wäre die Pandemie überwunden. Doch nun überlagert sie abermals die Adventszeit. Wie gehen die Menschen damit um, die sich in verschiedensten Bereichen mit dem Virus herumschlagen müssen? Welche Wünsche und Erwartungen haben Sie? Kommt bei ihnen überhaupt noch Weihnachtsstimmung auf? Wir stellen jeden Tag eine/n von Ihnen vor.

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