Godramstein
Bauamtsleiter schließt Frieden mit Biowinzern
Kupfer in Weinbergsböden ist kein neues Phänomen: Das rheinland-pfälzische Umweltministerium hat es nach Angaben seines Sprechers Joachim Knapp schon 2013 auf seiner Homepage thematisiert, ohne die Schuld beim Bio-Weinbau zu suchen. Das Thema ist auch schon viele Jahre zuvor diskutiert worden, als Bio-Weinbau noch keine große Rolle gespielt hat. Kupferhaltige Spritzmittel werden insbesondere zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus eingesetzt.
Laut Ministeriumshomepage tritt das Problem immer wieder mal bei Baulandausweisungen auf. Bis zu einem Kupfergehalt von 200 Milligramm pro Kilogramm Boden sehen des Umwelt- und das Finanzministerium, bei dem das Bauen angesiedelt ist, keine Probleme. Bis 400 Milligramm sollte dagegen „möglichst eine umweltverträgliche Verwertung (...) im Planungsgebiet realisiert werden“. Das heißt, dass der belastete Boden an anderer Stelle im Baugebiet verwendet werden sollte, zum Beispiel in Lärmschutzwällen. Erst bei Kupfergehalten über 400 Milligramm sollte der Boden grundsätzlich entsorgt werden. Nach Kamplades Angaben sind im Kalkgrubenweg bisher Werte bis etwa 300 Milligramm festgestellt worden.
Das Problem ist älter als der Bio-Weinbau
Die landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt (Lufa) in Speyer hatte 2012 in mehr als der Hälfte von 221 Proben aus dem Oberboden (0 bis 30 Zentimeter) rheinland-pfälzischer Weinberge Kupfergehalte über 60 Milligramm gefunden. Der höchste Wert lag damals bei 187 Milligramm. Sie hatte zudem einen wissenschaftlichen Beitrag von 1999 zitiert, wonach in Oberböden von alten Weinbergen Maximalgehalte von bis zu 2880 Milligramm Kupfer analysiert wurden, bei im Schnitt 475 Milligramm im Oberboden (0 bis 20 Zentimeter) und 261 Milligramm in der Schicht von 20 bis 40 Zentimetern. Eine jüngere Untersuchung von 2011 erbrachte laut Lufa bei 887 Proben einen Maximalwert von 825 Milligramm und einen Mittelwert von 101,3 Milligramm. Fazit: Es gibt etliche Untersuchungen und die Werte schwanken stark. Deutlich wird aber auch, dass das Problem nicht auf den Bioweinbau beschränkt sein kann.
Empört über die Kamplade-Aussage sind Wolfgang Marzolph und Gabi Hege-Schweikart, beide Bio-Winzer aus Godramstein. Beide weisen darauf hin, dass Kupfer im Bio- und im regulären Weinbau bis heute eingesetzt werden. Jedoch dürften Bio-Winzer maximal drei Kilogramm pro Hektar und Jahr ausbringen, herkömmlich arbeitende Betriebe bis zu zehn Kilo pro Hektar. Diese Werte bestätigt Christine Tisch vom Institut für Phytomedizin (Pflanzengesundheit) am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Mußbach. Sie ergänzt, dass Ausnahmejahre, die höhere Gaben erfordern, durch Jahre mit geringerem Einsatz ausgeglichen werden müssen und dass die Winzer zur Dokumentation verpflichtet sind.
Bioland-Winzer sprechen von Verleumdung
Die Bioland-Winzergruppe Pfalz weist in einem Offenen Brief darauf hin, dass Biowinzer „in der Mehrzahl der Vegetationsperioden“ sogar mit 1 bis 1,5 Kilogramm Kupfer pro Hektar auskommen. Kamplades Aussage sei schon dadurch zu widerlegen, dass Biowinzer zu Bodenproben verpflichtet seien und dass in Weinbaubetrieben, die schon mehrere Jahrzehnte nach biologischen Richtlinien arbeiten, keine Erhöhung der Kupferwerte festzustellen sei. Das betroffene Areal in Godramstein sei aber erst seit fünf Jahren in biologischer Bewirtschaftung. Kamplade verleumde eine Berufsgruppe, die sich um „enkeltaugliche Landwirtschaft“ bemühe und lege eine „fatale Unkenntnis“ an den Tag.
Mit den für Bio-Winzer zulässigen Mengen seien Werte wie die in Godramstein gemessenen „nicht zu erreichen“, betont auch Marzolph. Kamplade diskreditiere „anscheinend bewußt den ökologischen Weinbau, der Wege aufzeigen will für eine Natur und Menschen verträgliche Anbauweise“. Der Winzer fordert daher einen umgehenden „Komplettaustausch des Bauamtsleiters“.
Schwermetall baut sich nicht ab
Hege-Schweikart vermutet, dass die hohen Belastungen „aus historischen Anwendungen“ kommen. Vor allem in den Jahren von 1890 bis etwa 1940 seien im Weinbau noch Kupfermengen bis zu 50 Kilogramm pro Hektar und Jahr – und laut Marzolph auch noch deutlich darüber – üblich gewesen. Das bestätigt auch Tisch: Die Anwendung von Kupferpräparaten weise eine inzwischen 150-jährige Geschichte auf. „In Spitzenzeiten (etwa 1919 bis 1940) wurden Mengen von durchschnittlich 45 Kilogramm Reinkupfer pro Hektar und Jahr eingesetzt.“ Da sich Kupfer als Schwermetall nicht abbaue, verbleibe es je nach Bodenzusammensetzung im Boden. Die Bioland-Winzer nennen als weitere Eintragsmöglichkeit auch das Ausbringen von Klärschlamm.
Der gescholtene Bauamtsleiter ist im Bauausschuss von seiner Aussage, die er im Gespräch mit zwei RHEINPFALZ-Redakteuren getätigt hatte, abgerückt. Jahrzehntelange Nutzung habe zu der Anreicherung geführt, nicht der Bio-Weinbau.