Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Archäologen graben auf dem Aldi-Areal

Das erste Stück der Schleuse ist erstaunlich gut erhalten.
Das erste Stück der Schleuse ist erstaunlich gut erhalten.

Er war die Nabelschnur von Landau: 1687/88 haben die Franzosen einen Kanal von Albersweiler bis Landau bauen lassen, um auf flachen Kähnen Baumaterial für die neue Festung heranzuschaffen. Gerade tritt ein wesentliches Kanalstück wieder zutage: eine Schleuse.

Archäologen müssen leidensfähig sein. Auf den Frühling warten ist keine Option, wenn auf einer Baustelle wie der des Aldi-Neubaus mit Studierendenwohnheim an der Annweiler Straße schon die Bagger rollen. In diesen Tagen, bei Nässe und Kälte, Funde freizulegen, ist dann zwar nicht immer die reine Freude, aber was bei Aldi gerade im Sonderangebot ist, bekommt man auch nicht alle Tage zu sehen. Ein bisschen kann dann der Entdeckerstolz zumindest das Herz wärmen, wenn schon nicht Hände und Füße.

Das unter Betonpflaster des Aldi-Parkplatzes der Albersweilerer Kanal verläuft, war bekannt. Schon 2020 war die Landesarchäologie in Speyer, eine Abteilung der Generaldirektion Kulturelles Erbe, auf Reste der Kanalmauern gestoßen. Jetzt ist der Markt weg, und Grabungstechniker Uli Mayer hat zusammen mit zwei jungen Leuten, die ein Freiwilliges soziales Jahr absolvieren, noch weit mehr gefunden als Kanalmauern. Wirklich überraschend sei auch das nicht, sagt Mayer und deutet auf sein Klemmbrett, auf dem eine historische Festungskarte über einen modernen Plan gelegt ist. Die jetzt getätigten Funde liegen nur knapp unter der modernen Erdoberfläche ziemlich genau dort, wo sie nach den alten Karten der französischen Festungsbauer um Vauban zu erwarten waren, auch wenn die Ausführung im Detail ein wenig abweicht.

Eigentlich fehlt nur das Tor

Die Ausgräber haben eine U-förmige Mauerkonstruktion am südlichen Kanalufer freigelegt. Sie engt die Wasserstraße ein, die nach Angaben des städtischen Denkmalpflegers Jörg Seitz an der Wasseroberfläche 14 und an der Sohle zwölf Meter breit war. Klar: Es ist Teil einer Schleusenkammer, beziehungsweise des Schleuseneinlasses. Es handelt sich um sorgfältig behauene große Sandsteinquader, die untereinander mit Eisenklammern verbunden waren. In der Ufermauer gibt es eine große Aussparung, in die sich das geöffnete Schleusentor gelegt hat. Selbst der große Steinblock mit der runden Aussparung fürs das Scharnier des Schleusentores ist noch vorhanden.

Es muss auf der Nordseite des Kanals eine ebensolche Entsprechung geben, in 5,50 Meter Entfernung. Das war die Breite des Schleusentores. Jetzt türmt sich dort noch ein großer Haufen Erdaushub. Der muss weg, bevor Mayer weiter graben kann. Und ein gutes Stück stadteinwärts, aber ebenfalls noch auf dem Aldi-Areal, muss es auf beiden Kanalseiten ein weiteres Schleusentor gegeben haben. Die Chancen, dass es auch davon noch nennenswerte Reste gibt, sind groß, denn der alte Supermarkt stand nur auf einer Bodenplatte, nicht auf einem tiefreichenden Keller.

Tonpackung hält Wasser drin

David Hissnauer, Gebietsreferent der Generaldirektion Kulturelles Erbe, ist begeistert von den Funden – und den Mitarbeitenden vor Ort. Denn Mayer sind merkwürdige gelbe und schwarze Linien auf der planierten Fläche aufgefallen. Das Gelbe ist Ton, den die Kanalbauer zum Abdichten der Außenseiten der Kanalmauern verwendet hatten. Das Schwarze ist eigentlich keine Linie, sondern eine schräge Fläche: die um etwa 45 Grad geneigte Oberfläche eines Erdwalls, der die Kanalmauer von außen verstärkte und laut Mayer mit Grassoden abgedeckt beziehungsweise bewachsen war. Das zu erkennen, sei eine bemerkenswerte Leistung, sagt Hissnauer.

Dass die Landauer Festung – der Kanal gehört als Transportweg für Baumaterial dazu – nur oberflächlich geschleift worden ist, aber noch sehr viel im Untergrund steckt, hat sich schon bei vielen Baumaßnahmen im Stadtgebiet gezeigt. Die Generaldirektion hat auf den öffentlichen Aufschrei reagiert, den es nach Abriss der gut erhaltenen, spektakulären Lunette 38 auf dem Landesgartenschaugelände gab, und sämtliche Festungsteile unter Denkmalschutz gestellt. Der Kanal stand schon vorher als Denkmalzone unter Schutz. Was aus der Schleuse wird, ist noch offen. Wie Hissnauer schildert, muss der Umfang des Erhaltenen erst noch genauer ermittelt und exakt eingemessen werden. Danach wird man sich mit dem Bauherrn abstimmen, ob und wie sich dessen Pläne damit in Einklang bringen lassen. Bisher, so Hissnauer, handelt es sich auch nur um eine archäologische Sondage, bei der man nachschaut, wo was liegt. Eine Ausgrabung mit exakter Dokumentation wäre erst der zweite Schritt.

In diesem Stein hat sich das Schleusentor gedreht.
In diesem Stein hat sich das Schleusentor gedreht.
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