Landau / Neupotz
Apotheker schlägt Einbrecher in die Flucht
In der Nacht zum Dienstag sind Unbekannte in zwei Apotheken in der Südpfalz eingebrochen, in drei weiteren Fällen haben sie es versucht. Nach Angaben der Polizeidirektion Landau wurde um 0.45 Uhr in die Apotheke im Med Zen (Medizinischen Zentrum) in der Max-Planck-Straße in Landau im Gewerbegebiet am neuen Messegelände eingebrochen. Dabei haben sie einen stillen Alarm bei Apotheker Ludwig Trauth ausgelöst. Er selbst sei schon im Tiefschlaf gewesen, berichtet Trauth, aber seine Frau habe den Signalton auf dem Handy gehört. Obwohl er auch schon Fehlalarme hatte – offenbar durch ein Faxgerät, das nachts in der Apotheke angegangen war – ist Trauth in seine Kleidung gesprungen und zusammen mit Frau und Kind zur Apotheke gefahren. Das ging ganz schnell, da er in der Nähe wohnt. Vor der Tür der Apotheke habe ein dunkler Wagen gestanden, etwa Golf-Größe, dessen Fahrer sofort die Flucht ergriffen habe, schildert Trauth.
Laster stoppt Verfolgungsfahrt
Er nahm die Verfolgung auf die A65 in Fahrtrichtung Karlsruhe auf, aber der Fahrer habe Gas gegeben und sei extrem risikobereit gefahren, schildert Trauth, der gehofft hatte, dass er noch das Kennzeichen ablesen oder seine Frau ein Foto machen könnte. Er sei zwar zunächst noch gut hinterhergekommen, doch blöderweise habe ihn dann ein Lastwagen ausgebremst, der einen anderen überholte.
Im Nachhinein glaubt der Apotheker, dass er wohl nur den Fahrer und Schmieresteher in die Flucht geschlagen hat. Denn wie er später feststellte, hatten die Täter in der Apotheke mehrere Türen aufgebrochen und versucht, einen 300 Kilogramm schweren Tresor zu bewegen. Den hätten sie sicher nicht in den Fluchtwagen bekommen. Möglicherweise sei also noch ein zweites Fahrzeug im Spiel gewesen.
Nach Trauths Einschätzung hatten es die Einbrecher nur auf Bargeld, nicht auf Medikamente abgesehen. „Das waren keine Drogis“, sagt er, „sondern echte Profis.“ Bei dem Fluchtfahrzeug habe es sich um einen dunklen, vielleicht blauen, Wagen mit Steilheck gehandelt, der vermutlich einen Metalliclack getragen habe: „Der hat so geschimmert.“
Mit brachialer Gewalt vorgegangen
Der nächste Einbruch wurde der Polizei gegen 3 Uhr in Neupotz in der Hauptstraße gemeldet. Apothekerin Carmen Kimmel spricht von einer schlimmen Nacht. Sie sei noch jetzt – am Dienstag um die Mittagszeit – am Aufräumen, weil die Täter mit brachialer Gewalt vorgegangen seien und große Schäden angerichtet hätten. Sie hätten den Tresor rausgerissen.
Vermutlich haben die Einbrecher den Tresor auf der Treppe fallenlassen, denn die wurde erheblich beschädigt. Mieter Heinz-Joachim Molder, der mit seiner Frau in der Wohnung über der Apotheke lebt, wurde jedenfalls von einem lauten Knall aufgeschreckt. „Das war ein Wahnsinnslärm.“ Danach hat er noch Türenknallen wahrgenommen. Ihm war gleich klar, was da los war und bat seine Frau, die Polizei zu alarmieren. Die sei auch innerhalb weniger Minuten vor Ort gewesen.
Eine Spur führt nach Frankreich
Molder schildert, dass er seine Nachttischlampe angeknipst hat und ans Fenster getreten ist. „Ich habe null erkennen können“, sagt Molder – nur einen dunklen Kleinwagen, der ohne Licht davongerast sei. Trotzdem kann er einen wichtigen Hinweis geben: „Allez, allez“, habe einer der Täter gerufen – französisch für sinngemäß „haut ab, haut ab“. Trotz der übereilten Flucht muss es den Tätern noch gelungen sein, den Tresor der Apotheke mitzunehmen, denn nach Mitteilung der Polizei, die dazu keine näheren Angaben macht, fielen ihnen mehrere Tausend Euro Bargeld in die Hände.
Die Polizeidirektion Landau hat nach Angaben von Sprecher Sebastian Burkhard ihre Kräfte zusammengezogen und ist in der Nacht intensiv Streife gefahren bei allen Apotheken in der Region. Dabei wurden an drei weiteren Apotheken Aufbruchsspuren festgestellt: an der Apotheke am Südring in Landau, der Zügel-Apotheke in der Ottstraße in Wörth und einer weiteren (es gibt dort drei) in der Hauptstraße in Kandel. In allen diesen Fällen waren die Einbrecher gescheitert. In welcher Reihenfolge die Einbrecher vorgegangen waren, steht noch nicht fest. Dass sie sich von mindestens einer weiteren Tat nicht abschrecken ließen, obwohl sie in Landau fast erwischt worden waren, deutet auf ein hohes Maß an Kaltblütigkeit hin.
Ähnliche Serie schon vor einem Jahr
Burkhard schließt nicht aus, dass im Nachhinein weitere Apotheker Aufbruchspuren feststellen. Nach seinen Angaben gab es im März 2021 bereits einen ähnlichen Fall mit vier betroffenen Apotheken im Kreis Germersheim entlang der B9. Die RHEINPFALZ berichtete über diese Fälle. Im April 2021 war auch der Apotheker, der Notdienst in einer Apotheke in Germersheim hatte, von Geräuschen wach geworden. Beim Nachschauen fand er Spuren eines versuchten Aufbruchs.
Bislang liegen der Polizei nur vage Täterhinweise vor, außerdem die Beobachtung eines dunklen Kleinwagens. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter es ausschließlich auf Bargeld abgesehen hatten. Medikamente wurden nicht gestohlen. Zeugenhinweise nimmt die Kriminalpolizei Landau unter der Telefonnummer 06341 2870 entgegen