Kommentar
Anlieger gegen Umbenennung der Kohl-Larsen-Straße
Sie ist mit sieben Gebäuden (laut Google Maps) nicht gerade eine Magistrale Landaus, aber der Gedanke, sich von einem Kolonialisten, Rassisten und Nationalsozialisten als Namensgeber verabschieden zu müssen, scheint die Anlieger der Kohl-Larsen-Straße im Südwesten der Innenstadt arg zu schmerzen. Oder zumindest Teile der Anlieger, vielleicht auch nur einen einzigen, so genau weiß man das nicht. Denn ein Brief an Oberbürgermeister Dominik Geißler, Hauptausschuss und Stadtrat ist zwar mit „Eigentümergemeinschaft“ überschrieben, aber nicht namentlich gezeichnet. Das als Widerspruch bezeichnete Schreiben wendet sich gegen die geplante Umbenennung der Straße. In Landau gelten 19 Straßennamen als zumindest problematisch. Bei Kohl-Larsen, den die Stadt auf ihrer Homepage immerhin selbst noch als Ehrenbürger listet, und Hindenburg rät das Stadtarchiv zur Umbenennung.
Dass der Verfasser den Schutz der Anonymität gewählt hat, mag seinen Grund haben, denn aus den wenigen Zeilen spricht mehr Emotion als Argumentation. Das Schreiben ist ein feines Beispiel für einen rhetorischen Trick, den man heute als Whataboutism bezeichnet. Das ist der Versuch, von einem Problem mit einer Gegenfrage abzulenken und auf andere, vermeintlich viel größere Probleme hinzuweisen, die es erst zu lösen gelte. Steht auch – grammatikalisch nicht ganz glatt – so drin: „Im Übrigen finden wir, die Eigentümergemeinschaft, dass es in der Stadt Landau wichtigere Themen geben sollte, mit der sich der Haupt-Ausschuss und der Stadtrat beschäftigen sollte“. Mal abgesehen davon, dass solche Gremien intellektuell sehr wohl in der Lage sind, deutlich mehr als ein Thema zu bearbeiten, werden die angeblich vordringlicheren Aufgaben nicht genannt.
Der anonyme Schreiber droht mit Klage
Auch die Begründung des Widerspruchs ist eher dürftig. Eine Umbenennung stehe nicht im Interesse der Eigentümergemeinschaft, heißt es da. Wobei allein diese Selbstumschreibung schon irreführend ist, denn Eigentümer der Straße ist natürlich die Stadt. Und dass „die vorgebrachten Argumente gegen den Ethnologen Ludwig Kohl-Larsen“ nicht ausreichend seien, eine Umbenennung zu begründen. Besagter Ethnologe hielt bei den Trägern seiner Expeditionskisten einen Hieb mit der Nilpferdpeitsche ab und an für durchaus angebracht, wie die Tageszeitung „Taz“ einst berichtete, die ansonsten Kohl-Larsen aber trotzdem weniger ablehnend gegenüberstand, als man es vermuten könnte.
Die von der Stadt zu tragenden, nicht unerheblichen Kosten einer Umbenennung „sollten aufgrund der desolaten Stadtkasse, für andere Zwecke Verwendung finden“, meint der anonyme Schreiber. Gegebenenfalls, so droht er, werde man gegen einen Verwaltungsakt der Stadt „gerichtliche Maßnahmen vornehmen“. Bevor er sich dann vollends vor Aufregung zu verhaspeln scheint oder ihm möglicherweise von seinem Schreibprogramm übel mitgespielt wird: „Sehr geehrter Herr Bürgermeister Geißler, wir erwarten von Ihnen, dass, die widerrechtlichen Beschlüsse, den Verwaltungsakt nicht umsetzen“.
Wie der Anwohner mit dem Straßennamen umgehen würde, hat er leider nicht mitgeteilt. Ob er beispielsweise einem Zusatztäfelchen zustimmen könnte, auf dem die einst geschätzten, heute jedoch eher kritisch gesehen Taten und Gedanken des Namensgebers eingeordnet werden. Vielleicht könnte er sich zumindest für den klitzekleinen Text erwärmen: „Ludwig Kohl-Larsen (1884 bis 1969), Verfasser des liebevollen Werkes ,Kleiner großer schwarzer Mann. Lebenserinnerungen eines Buschnegers’“.