Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Wie zwei Südpfälzer das Länderspiel in Berlin erlebt haben

Akin Özer macht ein Selfie.
Akin Özer macht ein Selfie.

Die Südpfälzer Akin Özer und Varol Kavuklu, die sich in Berlin das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Türkei anschauten, schwärmen von einem friedlichen Fußballfest und wundern sich über die negative Berichterstattung.

„Als der Vorverkauf startete, habe ich gleich Karten bestellt und glücklicherweise welche bekommen“, sagt Akin Özer aus Wörth. Einen Tag vor dem Spiel machte er sich mit seinem Sohn, der in der U14 des Karlsruher SC spielt, und zwei Freunden im Auto auf nach Berlin. „Ich wollte meinem Sohn eine Freude machen, da er unbedingt mal Berlin sehen wollte“, so der Trainer des TSV Landau, der in der A-Klasse auf Platz zwei steht. Sightseeing stand auf dem Programm: Brandenburger Tor, Siegessäule, Bundestag, Alexanderplatz. Und Kreuzberg: „Da war ich selbst noch nie, wollte schon immer mal hin.“

Zwei Stunden vor Spielbeginn ging es mit der Bahn Richtung Olympiastadion. Schon dort fiel Özer die positive Stimmung auf: In der Bahn sei ein Türke gesessen, die Deutschlandfahne umgehängt. „Du hast dich ja schnell integriert“, sagte ihm einer aus der Menge. „Das ganze Abteil hat gelacht“, schwärmt Özer von der Atmosphäre.

Überwältigt von Stadt und Stadion

Der Germersheimer Varol Kavuklu fuhr mit seiner Familie im ICE nach Berlin. „Das hat alles super geklappt. Großes Lob an die Deutsche Bahn. Muss ja auch mal gesagt werden“, schmunzelt der ehemalige Vorsitzende des FV Türkgücü Germersheim. Sightseeing, das Übliche eben. „Diese Vielfalt überall. Berlin ist bunt. So eine tolle Stadt“, erzählt Kavuklu. Über zwei Kilometer seien sie singend zum Stadion gelaufen. „Tolle Stimmung. Fans, Polizisten, alle gut gelaunt. Vom Stadion waren wir dann endgültig überwältigt.“

Einmal kurz fremdgeschämt

Özer und Kavuklu wundern sich über die negative Berichterstattung in den (sozialen) Medien. Im mit zwei Drittel Türken gefüllten Olympiastadion habe sich Özer nur einmal kurz fremdgeschämt: „Bei der deutschen Nationalhymne gab es vereinzelt wenige Pfiffe. Das ist nicht in Ordnung, Idioten gibt es aber leider überall. Das hat aber zum Glück nach wenigen Sekunden aufgehört.“ Die Kritik am Pfeifkonzert bei deutschem Ballbesitz versteht er nicht: „In der türkischen Liga ist das völlig normal, selbst außerhalb der Istanbuler Derbys. Das hat nichts damit zu tun, wer der Gegner ist.“ Özer beobachtet, dass in viele Dinge politische Motivationen hineininterpretiert würden, um einen Keil zwischen die Menschen zu treiben. Gerührt hat ihn die Geste seiner Mannschaft, als sie bei der Hymne den frierenden Einlaufkindern ihre Jacken geschenkt haben. „Schade, dass solche Dinge, auch wenn es Kleinigkeiten sind, nicht erwähnt werden.“

Nach 18 Jahren wieder gewonnen

Dass Ilkay Gündogan von den türkischen Fans ausgepfiffen wurde, relativiert Varol Kavuklu: „Das hat doch nichts damit zu tun, dass er für Deutschland spielt. So ein geiler Fußballer, wir hätten ihn eben auch gerne in unserer Mannschaft gehabt. Wir freuen uns schon drauf, wenn er mal in der türkischen Liga spielt. Dann wird er von allen geliebt.“ Auch Kavuklu fehlt die Erwähnung des schönen Umgangs untereinander: „Auf der Tribüne haben alle zusammen gefeiert, die Spieler sind anständige Sportler und haben nicht unfair gespielt.“ Nach 18 Jahren wieder gegen Deutschland zu gewinnen, da sei die Freude natürlich groß: „Sich alleine schon mit einem viermaligen Weltmeister messen zu dürfen und dann noch gegen ein so geiles Land wie Deutschland zu gewinnen. Ist doch toll!“

Für Özer ging es nach dem Spiel gleich nach Hause. Nach drei Stunden Schlaf stand er als Trainer an der Seitenlinie. Die Gruppe um Varol Kavuklu fuhr zum Alexanderplatz. Döner essen. „Danach erfuhren wir, dass die deutsche Mannschaft sich hier auch Döner holt. Schade, ich hätte die gerne gesehen.“

Ein Privileg

Kavuklu und Özer wünschen sich, dass bei der Europameisterschaft beide Mannschaften weit kommen. „Bestenfalls ins Endspiel, das wäre mein Traumfinale“, so Özer. Kavuklu empfindet es als Privileg, zwei „so tollen Mannschaften“ die Daumen drücken zu können. Beide sehen Deutschland nach wie vor als Spitzenmannschaft, die, so Özer, ein mentales Problem habe: „In den Vereinen sind einige Weltklasse, kommen sie zur Nationalmannschaft, läuft es nicht mehr.“

Kavuklu wünscht der deutschen Nationalmannschaft mehr Rückhalt: „Man sollte den jungen Spielern Mut machen und sie nicht mit Füßen treten. Wenn die jeden Tag so einen Käse in den Medien lesen, ist es klar, dass sie vorher schon negativ eingestellt sind.“

Varol Kavuklu im Stadion.
Varol Kavuklu im Stadion.
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