Lokalsport Südpfalz Voltigieren: Teurer Griff in den Sand

Wieder ein Treppchenplatz: Chiara Congia und Justin van Gerven wurden in der spannenden Pas-de-Deux-Konkurrenz in Ermelo Zweite.
Wieder ein Treppchenplatz: Chiara Congia und Justin van Gerven wurden in der spannenden Pas-de-Deux-Konkurrenz in Ermelo Zweite.

Wohin führt der Weg der beiden südpfälzischen Voltigiererinnen Chiara Congia und Hannah Steverding? Beide haben einen starken Saisonauftakt hingelegt. Congia, mit dem Team Köln-Dünnwald 2018 Doppelweltmeisterin, träumt vom Start bei der Europameisterschaft. Steverding startet vor dem Biebricher Schloss und hofft auf Aachen.

Als sich Hannah Steverding am Sonntagmittag in die Warteschlange der Hungrigen in der Gastronomie des nationalen Pferdezentrums der Niederlande einreiht, hat sie keinen richtigen Appetit auf Pommes mit Mayo. Sie hadert mit ihrer Leistung beim internationalen Voltigierturnier in Ermelo. Die Pflichtübungen am Freitag waren nicht so, wie zwei Wochen zuvor im französischen Saumur. Im Technikprogramm am Samstag, in dem sie das letztjährige Audrey-Hepburn-Thema aufgreift, fasste sie beim Abgang in den Sand. Das war ein bitterer Punktabzug am 90. Geburtstag der 1993 verstorbenen Hollywood-Diva.

Steverding nimmt Brötchen statt Pommes

Am Sonntag lief es in der Kür nicht rund. Statt zu Pommes greift die 20-Jährige zum Brötchen und erklärt: „Ich bin bei den Sprüngen abgerutscht, es gab kleine Fehler, die nicht passieren dürfen. Im Training klappt das immer. Es ist ärgerlich, wenn es im Wettkampf passiert“, sagt Steverding. 0,2 Punkte Rückstand hat sie als Sechste auf die Schweizerin Marina Mohar aus der Schweiz, die Zweitplatzierte des Weltcupfinales. Das sind keine Welten, die junge Herxheimerin ist mit Longenführerin und Trainerin Sophie Kuhn und ihrem Pferd Royal Flash ganz dicht dran an der Spitze. Vor zwei Wochen hatte sie beim CVI-Turnier in Saumur hinter der Neusserin Pauline Riedl Rang zwei belegte. Auch in Ermelo lag Riedl vorne, 0,36 Punkte Vorsprung hatte sie auf die Südpfälzerin.

„Ich fühle mich ganz gut, die ersten zwei CVIs sind gut gelaufen“, bemerkt Steverding. „Ich hätte nicht gedacht, dass es in der Technik so gut läuft“, sagt sie. Vor dem nächsten Start Ende Mai beim CVI im belgischen Lier will sie an der Pflicht arbeiten. In der Kür zum Thema Sophie Scholl gebe es noch ein paar Reserven: „Ich bin auf Sicherheit gegangen und habe den Flickflack nicht gezeigt.“ Steverding wird an Pfingsten in Wiesbaden vor dem Biebricher Schloss starten, sie hofft darauf, auch beim CHIO in Aachen einlaufen zu können.

Chiara Congia ist derzeit dreifach gefordert

Es wäre keine Überraschung, wenn Chiara Congia in diesem Jahr wieder in Aachen zu sehen ist – und Ende Juli bei der Senioren-Europameisterschaft in Ermelo. Die 21-Jährige hat einen furiosen Saisoneinstand im Pas de Deux mit ihrem 23-jährigen Partner Justin van Gerven gefeiert. Das Doppel gewann in Saumur, in Ermelo musste es sich knapp Janika Derks und Johannes Kay (Neuss) geschlagen geben.

„Ich bin mit unserer Leistung zufrieden“, erzählt die in Köln lebende Psychologie-Studentin aus Offenbach. 2018 hatte das Doppel Congia/van Gerven den ersten und zunächst einzigen Versuch in Belgien gestartet. In dieser Saison wollen sie durchstarten. „Ich hoffe, dass wir im Doppel gute Chancen haben, uns für die Europameisterschaft zu qualifizieren“, bemerkt sie. Derzeit ist Congia dreifach gefordert: im Einzel, in dem sie auf einen Start in Ermelo verzichtet hat, im Doppel und im neu besetzten Team Norka. „Wir haben zwei neue Leute, das Pferd ist relativ unerfahren, da ist es normal, dass es nicht von Anfang an rund läuft“, sagt Congia mit Blick auf Rang drei in der Teamwertung.

Bundestrainerin Ulla Ramge hat mit Freude zur Kenntnis genommen, dass es mit Congia/van Gerven ein aufstrebendes Doppel gibt. „Das ist sehr erfreulich, wie sie in die Saison gestartet sind, und dass sie das auf zwei unterschiedlichen Pferden gezeigt haben“, bemerkt die Warendorferin. Nach dem Rücktritt zweier Championatskader-Doppel können sich die beiden Hoffnung auf eine Beförderung machen. „Es wird vor Aachen eine Kaderaktualisierung geben“, sagt Ramge. Andreas Danner

Hannah Steverding, Sechste in einer starken Konkurrenz, ärgerte sich über kleine Fehler, die eine bessere Platzierung kosteten.
Hannah Steverding, Sechste in einer starken Konkurrenz, ärgerte sich über kleine Fehler, die eine bessere Platzierung kosteten.
x