Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Herberger, Lombardi und eine große Tradition

Michelle Dübon (links) in einem Spiel gegen den SC Klinge Seckach.
Michelle Dübon (links) in einem Spiel gegen den SC Klinge Seckach.

„Wir sind uns der Tradition sehr wohl bewusst“, sagt Michelle Dübon, als wäre sie schon immer beim Karlsruher FV im Vorstand. Beim wohl ältesten existierenden süddeutschen Fußballverein spielen immer mal wieder Südpfälzer. Dübon schrieb 2017 Vereinsgeschichte.

Ludwig Damminger, Dietmar Nuber, Heiko Reddmann, Fritz Kern. Die Liste der Fußballer, die beim Karlsruher Fußball-Verein (KFV) gespielt haben, ist lang. Im Vorstand des nach eigenen Angaben ältesten noch existierenden süddeutschen Fußballvereins ist eine junge Frau aus Scheibenhardt, Michelle Dübon.

Der KFV wurde 1891 gegründet und war 1910 nach einem 1:0 nach Verlängerung in Köln gegen Holstein Kiel deutscher Fußballmeister. 1905 und 1912 errang der achtmalige süddeutsche Meister die Vizemeisterschaft. In seiner wechselvollen Geschichte spielte er nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er-Jahren in der 2. Liga Süd, später im höherklassigen Amateurfußball. Der Tiefpunkt ereignete sich 2004: Der Verein war zahlungsunfähig. Er konnte die Verbandsabgaben nicht mehr leisten und wurde vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Die Stadt übernahm die Verwertung des Stadions.

Dort, an der alten Telegrafenkaserne in der Karlsruher Nordweststadt, kam es im April 1909 zum ersten Sieg in der Geschichte einer deutschen Nationalmannschaft (1:0 gegen die Schweiz).

Neue Spielstätte gesucht

2007 nahm der Verein den Spielbetrieb wieder auf. In der Saison 2017/18 stieg die Mannschaft in die B-Klasse auf, dort spielen die Rot-Schwarzen aktuell. Von 2009 bis 2011 spielte Pietro Lombardi für den KFV, er gewann 2011 bei „Deutschland sucht den Superstar“. Steffen Herberger, Urgroßneffe von Bundestrainer Sepp Herberger, ist als stellvertretender Vorsitzender für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er sagt: „Wir wollen vor allem für Kontinuität und Stabilität sorgen. Die größte Herausforderung ist die Suche einer neuen Spielstätte ab Sommer.“ Der Sportplatz in der Rüppurrer Battstraße wird nämlich komplett renaturiert.

Der berühmteste Spieler des Vereins war der jüdische Nationalspieler Julius Hirsch. Er erzielte von 1911 bis 1913 in sieben Länderspielen vier Tore. 1933 wurde er wegen seiner jüdischen Herkunft aus dem Verein ausgeschlossen, 1943 ermordeten die Nazis ihn im Konzentrationslager Auschwitz. Zu seinen Ehren verleiht der Deutsche Fußballbund seit 2005 jedes Jahr den Julius-Hirsch-Preis. Er zeichnet Personen und Organisationen aus, die sich in besonderer Weise für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit einsetzen. 2012 erhielt das Fanprojekt des 1. FC Kaiserslautern den Preis. Es hatte Veranstaltungen und eine Stadionchoreografie organisiert, nachdem der israelische FCK-Spieler Itay Schechter wegen seiner Herkunft angefeindet worden war.

Damminger der erste bekannte Pfälzer

Verbindungen in die Südpfalz gab es immer wieder. Der erste bekannte Pfälzer im KFV-Trikot war der Wörther Ludwig Damminger. Mit 17 Jahren debütierte er beim FC Bavaria Wörth und galt schnell als bester Mittelstürmer der Südpfalz, weil er alle Torjägerlisten anführte. Zur Saison 1934/35 verpflichtete der KFV ihn. Er spielte in der Gauliga Baden, damals höchste Spielklasse des Landes. Gleich in seinem ersten Länderspiel am 28. April 1935 in Brüssel erzielte er beim 6:1-Sieg zwei Treffer. Insgesamt traf er in drei Länderspielen fünfmal. Beim KFV spielte er, bis er im Zweiten Weltkrieg zum Wehrdienst eingezogen wurde. Nach russischer Gefangenschaft spielte er für die TSG Jockgrim in der Landesliga. Später war er unter anderem Spielertrainer beim FC Bavaria Wörth, SV Olympia Rheinzabern, FC Neupotz, FV Neuburg und SV Hagenbach.

In den 1980er-Jahren spielte Dietmar Nuber, auch Trainer beim VfR Kandel, für die Rot-Schwarzen. Er kickte gemeinsam mit Klaus Hyll, der zuvor mehrere Jahre in der A-Klasse Süd den SV Minfeld als Spielertrainer gecoacht hatte. Nuber, pensionierter Kriminalbeamter aus Steinweiler, sagt: „Ich kam von dörfliche in professionelle Strukturen. Es gab Einsatz- und Siegprämien, das kannte ich vorher nicht.“

Karlsruher in Kandel

Zu Beginn der 1990er-Jahre spielten die späteren Kandeler Trainer Heiko Reddmann und Fritz Kern mit dem aus Landau stammenden Mittelstürmer Thomas Zwick für den KFV in der Verbandsliga. Reddmann war sogar zweieinhalb Jahre Spielertrainer. Kern sagt: „Wir hatten damals ganz schnell eine tolle Kameradschaft entwickelt.“

Ein paar Jahre später kamen die KFV-Spieler Damir Zubak, Kai Fielitz, Matthias Pehl, Frank Schwarz, Thomas Gimmel und Uwe Rosengardt nach Kandel. Michael Pahle, Sportdirektor des Verbandsligisten, erinnert sich: „Es war eine geile Zeit mit den Jungs, die haben an den Wochenenden meistens bei einem von uns geschlafen.“

Dübon: „Zusammenarbeit ist einmalig“

Im aktuellen KFV-Kader steht der Wörther Dimitri Schwendich. Mitglied des Vorstands ist Michelle Dübon. Sie unterstützt Herberger bei der Pressearbeit. Dübon ist 24 Jahre alt und wohnt in Scheibenhardt. Sie spielte früher beim 1. FFV Fortuna Göcklingen. Sie machte ihr Abitur in Kandel und erhielt einen Sonderpreis wegen vorbildlichen Einsatzes für die Schulgemeinschaft. Über ihr Studium der Sportwissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie, sie ist im siebten Semester, kam sie zum KFV. Im September 2017 schrieb sie Vereinsgeschichte. Beim Spiel gegen die SG Büchig/Neibsheim markierte sie das 1:1, das erste Tor in der Geschichte der KFV-Frauen. Sie stieg mit dem KFV gleich im ersten Jahr in die Verbandsliga Jahr auf und erzielte dabei zehn Saisontore. Ihr Trainer ist der ehemalige KSC-Profi Wilfried Trenkel. Dübon: „Ich war schon in mehreren Vereinen. Der Zusammenhalt hier ist einmalig. Wir sind uns der Tradition sehr wohl bewusst. Man ist stolz, wenn man am Wochenende mit dem Stern auf der Brust aufläuft.“

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