Donsieders
Zu wenig Personal: Metzgerei König schließt
Am Donnerstag, 24. August, können die Kunden letztmals in der Metzgerei König einkaufen. Fehlendes Personal habe ihn zu diesem Schritt gezwungen. „Wir arbeiten gefühlt rund um die Uhr, entweder in der Wurstküche oder hinterm Tresen. Auf Dauer ist das nicht zu leisten“, sagt Christian König, der gemeinsam mit Ehefrau Theresa den Betrieb führt. „Es tut uns vor allem für unsere ältere Kundschaft, die nicht mobil ist, und uns die Treue gehalten hat, sehr leid“, stellt König fest. Der Verkaufsraum bleibt zunächst erhalten.
Rückblick: Die Metzgerei „The Butcher“ brennt in der Nacht zum Freitag, 28. Oktober 2022, ab. Das Inventar fällt den Flammen zum Opfer, die Statik des Gebäudes muss geprüft werden und die Versicherungsangelegenheiten dauern gefühlte Ewigkeiten. „Ich konnte lange Zeit das Gebäude gar nicht betreten, das Vertrauen war geschwunden, zusammen mit meiner Frau Theresa haben wir aber letztlich entschieden, an gleicher Stelle wieder zu eröffnen“, berichtete König seinerzeit. Gerüchte über Brandstiftung in sozialen Netzwerken kursieren, Ermittler gehen auch von Brandstiftung aus. König beschließt einen Neuanfang. An gleicher Stelle entsteht eine neue Produktionsstätte, hochmodern ausgestattet. Auch der Verkaufsraum wird völlig neu gestaltet. Das Verkaufspersonal erhält nach dem Brand bis zur Neueröffnung volles Gehalt. „Wir haben alles versucht, unser Personal zu behalten“, sagt König. Am Freitag, 27. Oktober 2023, steht die Eröffnung an. Das Geschäft brummt.
König kritisiert Arbeitsmoral
Wurst und Fleisch vom Wild, Schwein, Rind, Geflügel, also alles, was der Gaumen von Liebhabern deftiger Genüsse begehrt, gehört zum Sortiment. „Unsere Spezialitäten, wie die Wildleberwurst mit Kastanien, ist gefragt“, stellt Ehefrau Theresa, die überall dort mitanpackt, wo es fehlt, während der Eröffnung fest. Trotz boomenden Geschäfts kündigt Personal. „Der Anreiz, arbeiten zu wollen, ist leider nicht bei jedem erkennbar“, erklärt König.
Die Pläne zum Bau eines eigenen Schlachthofes, der auf dem Steitzhof bei Zweibrücken entstehen sollte, sind ebenfalls eingestellt. Entsprechende Vorgespräche fanden im Herbst 2023 mit der Kreisverwaltung Südwestpfalz, dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz und dem Saar-Pfalz-Kreis statt. „Der Bauern- und Winzerverband war sehr interessiert“, stellt König fest. Fördermittel wurden seinerzeit in Aussicht gestellt. In dem Konzept dazu heißt es: „Der geplante Schlachthof wird eine absolute Monopolstellung erlangen, da im Umkreis von 120 Kilometern kein Schlachthof verfügbar ist“. Die große Distanz sei ein Problem für Landwirte und Einzeltierhalter. Insbesondere sei auch das Tierwohl durch extrem lange Transportwege gefährdet. „Viele Metzger schlachten nicht mehr selbst und sind gezwungen, das Fleisch über den Großhandel zu beziehen“, merkt König an. Mit dem geplanten Neubau sollten genau diese negativen Faktoren bereinigt werden. Und eine wirtschaftliche Alternative zu Billigfleisch ermöglicht werden.
70.000 Euro Planungskosten sind weg
Das ernüchternde Fazit jetzt: „Wir haben bis dato keinerlei Förderung vom Land, Bund oder der Europäischen Union in Aussicht gestellt bekommen“. Planungen haben indes schon konkrete Formen angenommen, somit sind auch Kosten von rund 70.000 Euro angefallen. „Die Planungskosten sind futsch“, merkt er sichtlich enttäuscht an. Die Gesamtinvestitionshöhe beziffert König mit rund 6,5 Millionen Euro. „Es sollte das Modernste an Schlachthoftechnik entstehen, dafür bin ich in ganz Deutschland herumgereist“, erzählt König. Warum für andere Projekte, wie derzeit dem geplanten Fahrradrasthof in Sambach im Landkreis Kaiserslautern, EU-Mittel fließen und der Bau eines Schlachthofes leer ausgeht, das verstehe er nicht. „Ein Fahrradhof ist durchaus zu begrüßen, aber er macht uns auch nicht satt.“ König prophezeit, dass die Viehhaltung der Landwirtschaft in der Südwestpfalz sterben wird. Die langen Transportwege seien völlig unrentabel. „Der Fahrradrasthof wird gefördert mit 75 Prozent. Ein Schlachthof sollte wenigstens die gleiche Förderung erhalten“, stellt er fest.
Seinen Partyservice will König weiter fortführen. Und auf dem Wochenmarkt in Pirmasens beliefert er ab September ein Unternehmen aus Blieskastel, das die „Heiße Kiste“, den Bratwurststand, weiter betreibt.