Fischbach bei Dahn
Werteichen im Pfälzerwald: Wie Forstämter um ihre Rettung kämpfen
Im Pfälzerwald steht eine Kostbarkeit, die es in vergleichbarer Qualität sonst nur noch im Spessart gibt: Die Rede ist von Werteichen. Das sind jahrhundertealte Bäume, deren Beschaffenheit weltweit einzigartig ist. „Die Eichen des Pfälzerwaldes sind ein wertvoller und seltener Rohstoff“, sagt Ulrike Abel, Leiterin des Forstamts Wasgau.
Die Eiche sei schon immer anders verkauft worden als alle anderen Baumarten, erklärt Abel. Normalerweise werde mit Kunden ein Vertrag über eine bestimmte Menge Holz abgeschlossen und ein Preis pro Festmeter vereinbart. Danach würden die entsprechenden Bäume ausgewählt und geerntet, je nachdem, was der Kunde für Ansprüche habe. Das wertvollste Holz werde meist von Furnierholzherstellern gekauft, die zweite Kategorie von Fassholzherstellern.
Weniger als 30 Prozent Laub
Bei den Werteichen verläuft das anders. Bei ihnen entscheidet der Forst unabhängig von einzelnen Kundenwünschen, welche Bäume gefällt werden und nur diese Stämme werden dann zum Kauf angeboten. „Wir haben uns dazu entschieden, nur die Bäume zu entnehmen, deren Kronen weniger als 30 Prozent Laub tragen und die früher oder später ohnehin absterben würden“, erklärt Abel, nach welchen Kriterien die Eichenernte im Forstamt Wasgau abläuft.
Für den Verkauf dieses Jahr seien 227 Festmeter aus dem Staatswald geerntet worden, insgesamt 149 Stämme. Im Durchschnitt messen sie mindestens 45 Zentimeter, viele sind jedoch deutlich dicker – und damit wertvoller. Die Bäume seien zwischen 230 und 300 Jahren alt, erklärt Abel. Der durchschnittliche Erlös habe 980 Euro pro Festmeter betragen. Der teuerste Stamm sei in diesem Jahr für 3290 Euro den Festmeter verkauft worden – der gesamte Stamm habe einen Erlös von 9640 Euro gebracht.
Wie die Erntemenge festgelegt wird
Wie viele Eichenstämme das Forstamt Wasgau in einem Jahr zum Verkauf anbietet, hängt auch damit zusammen, wie sehr sich der Zweipunktige Eichenprachtkäfer vermehrt. Das Insekt liebe Wärme und breite sich in heißen Sommern besonders stark aus, sagt Abel. Das sei im Jahr 2023 der Fall gewesen, mit der Folge, dass 400 Festmeter Eichen geerntet worden seien.
Bei einem näheren Blick auf die Eichenstämme, die derzeit in Fischbach bei Dahn gelagert sind, lassen sich die Spuren des Prachtkäfers schnell finden. Als erstes fallen die Fraßgänge ins Auge. Das Insekt legt seine Eier in den Bast, also das lebende Gewebe unter der Borke. Dort entwickeln sich die Insektenlarven und fressen sich durch das Rindengewebe, wodurch der Nährstofftransport von der Wurzel zur Krone unterbrochen wird – der Baum stirbt im schlimmsten Fall ab. Ein Befall mit Prachtkäfern lasse sich nicht immer einfach erkennen, sagt Forstwirtin Sabine Steiner. Einen Hinweis liefern die Ausbohrlöcher, durch die der Käfer sich seinen Weg nach außen bohrt sowie Stellen, die massiv vom Specht auf der Suche nach Futter bearbeitet wurden.
Einige Bestände noch frei von Prachtkäfern
Welche Eichen entnommen werden sollten, sei waldbaulich manchmal schwer zu entscheiden, berichtet Abel. Habe die Eiche noch über 50 Prozent ihrer Blätter, könne sie sich durchaus von einem Befall mit Prachtkäfern erholen. Für geschwächte Bäume, die beispielsweise unter Hitze und Trockenheit leiden, stelle der Käfer hingegen eine ernste Gefahr dar. Das Forstamt führt eine Karte darüber, wo der Prachtkäfer bereits aufgetreten ist. Einige Bestände seien bisher noch frei von einem Befall.
Damit sich der Zweipunktige Prachtkäfer nicht weiter ausbreitet, müssen die Kronen und Äste der gefällten Bäume bis spätestens April aus dem Wald geholt werden, erklärt Steiner. Auch die Stämme auf dem Lagerplatz müssen aus diesem Grund von den Käufern bis dahin abgeholt werden.
Während der Prachtkäfer seine Schäden nur an der Außenseite des Baumes hinterlässt, können Eichenkernkäfer tief in das Holz eindringen, erzählt Abel. Von ihnen gebe es vier unterschiedliche Arten. Ein Befall der Bäume mit diesen Käfern stelle für Holzkäufer ein gewisses Risiko dar, denn es lasse sich nur schwer erkennen, wie ein Stamm im Inneren aussehe.
Verglichen mit früher sei die Holzqualität der Werteichen deutlich schwächer – ein Hinweis darauf, dass es dem Wald insgesamt schlechter gehe, schildern Abel und Steiner. Die Erntepraxis des Forstamts Wasgau stoße bei Holzkäufern nicht immer auf Zustimmung – diesen wäre völlig gesundes Holz meist lieber. Doch gerade das sollte besser im Wald stehen bleiben, ist Abel überzeugt. Die Eiche sei schon immer vom Menschen gefördert worden und das sei auch heute der Fall. Ein Beispiel ist die Eichenverjüngung, bei der Eichen gezielt im Forstamt Wasgau angepflanzt werden. Weiter verkauft das Forstamt deutschlandweite Eicheln als anerkannte Saatgutbestände an andere Forstbetriebe.

