Kleinsteinhausen / Schmitshausen / Zweibrücken
Wer im Winter Vögel füttert, sollte auf ein paar Dinge achten
Die Vogelkenner des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) im Zweibrücker Land wissen, dass die Zahl der Singvögel abnimmt. Um das zu ändern, bedarf es noch zahlreicher wichtiger Schutzmaßnahmen. Auf Dauer hilft nur, naturgerechte Lebensräume zu schaffen und zu erhalten. Nur dies helfe auch unseren Sommergästen unter den Vögeln, erklärt Hans Göppel vom Nabu. Nutznießer sind auch gefährdete Arten wie der Schwarzstorch, Fledermäuse, Schwalben, Weißstorch, Bekassine, Schwarzkehlchen, Waldschnepfe, Wasseramsel, Kuckuck, Rohrsänger, Grasmücken, Eisvogel, zahlreiche Schmetterlinge und Libellen.
Trotzdem könne die richtig angepackte Winterfütterung hilfreich für den Vogelbestand sein. Vor allem bringe es aber dem Menschen die Natur etwas näher, erst recht Älteren, die in ihrem Bewegungskreis eingeschränkt sind und nicht mehr so viel und so weit spazieren gehen können, findet der Vogelkenner Norbert Fakundiny aus Kleinsteinhausen. Er füttert schon seit vielen Jahren die heimische Vogelwelt. Es sei die beste Möglichkeit, die Tiere zusammen mit den Enkelkindern zu beobachten. So könne man die heimische Vogelwelt schnell kennenlernen. Für ihn bringt das Füttern zudem wichtige Erkenntnisse, welche Veränderungen er am Vogelhäuschen bemerkt. Viele Arten kommen weniger oft, manche gar nicht mehr.
Dies ist ihm zumeist schon im Frühjahr aufgefallen, weil ihr Gesang rund ums Haus oder in der Feldflur nicht mehr zu hören war. Fakundiny ist ein guter Vogelstimmenkenner, sodass er die Veränderungen der Artenvielfalt seit seiner Schulzeit sehr gut einschätzen kann. Er hatte mit Horst Kettering einen Schullehrer, der ihn damals schon mit der Natur und besonders mit der Vogelwelt vertraut gemacht hat.
Der ideale Futterplatz
Wer einen guten Besuch an seinem Vogelhaus haben möchte, der sollte auf einen möglichst idealen Standort seines Futterhäuschens achten, rät Peter Spieler vom Nabu im Zweibrücker Land. Ideal sei eine Umgebung mit Sträuchern, Büschen und Bäumen, wo die Vögel einen geschützten Ansitz haben, um zum Futterhaus zu fliegen. Die Vögel lieben es zudem, wenn das Futterhaus in der kalten Jahreszeit Sonne abbekommt. Vergeblich warte man auf einen guten Besuch, wenn es ständig Störungen durch Hauskatzen gibt. Auch die Qualität des Futters sei entscheidend, denn die Vögel hätten einen feinen Geschmack, wo es das beste Futter in der Umgebung gibt.
Richtige Futtermischung
Außerdem muss man beachten, dass einige Vögel ihr Futter fast nur am Boden aufnehmen und andere es lieber am Futterhaus tun, rät Spieler. Deshalb müsse auch die Mischung von Weich- und Körnerfutter für die unterschiedlichen Arten stimmen. Meisen, Grünlinge, Kernbeißer, Spechte, Bergfink, Erlenzeisig, Kleiber, Diestelfink und Dompfaff mögen bevorzugt Sonnenblumenkerne und Sämereien. Dies trifft auch auf die Sperlinge, Finken und die Goldammer zu. Diese Vögel haben dicke und kräftige Schnäbel, um die Schalen knacken zu können.
Einige sind sogenannte Allesfresser, die auch Meisenknödel, Meisenringe und die Nussstangen im Fettmantel mögen. Diese Fett-Körner-Mischungen haben den Vorteil, dass die Körner im Fettgemisch vor der häufigen Nässe geschützt sind.
Zu den reinen Weichfutterfressern zählen Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Amsel, Star, Baumläufer und Zaunkönig. Grobes Körnerfutter ist für sie nicht sinnvoll. Sie mögen Haferflocken, Rosinen, Mohn und in heißem Öl getränkte Haferflocken. Sie haben zierliche spitze Schnäbel ähnlich einer Pinzette.
Wer diese wenigen Regeln beachtet, der hat zahlreiche Gäste am Vogelhaus oder auf dem Boden, denn gerade die Weichfutterfresser suchen ihre Nahrung immer bevorzugt am Boden. Mit Futter auf mehrere Steinplatten oder Holzunterlagen gestreut macht man diese Vogelarten glücklich.
Als Vogelfutter völlig ungeeignet sind gesalzene und gewürzte Essensreste und weitere zahlreiche Nahrungsmittel, vor allem keine Salzkartoffeln, Wurst, Schinkenspeck und Dosennahrung. Auch Brot ist nicht gut, da es im Magen der Vögel aufquillt, was sie nicht vertragen.
Mehr als 15 Millionen Euro geben die Vogelliebhaber in Deutschland für die Winterfütterung laut Nabu aus. Ein gewaltiger Markt mit leider viel minderwertigem Futter, erzählen die Vogelkenner.
Warum es weniger Vögel gibt
An den ersten Wintertagen waren die Futterplätze der Vogelfachleute des Nabu schlecht besucht. Lediglich Hans Göppel hatte zumindest eine kleine, aber interessante Mischung an Besuchern am Futterhaus. Er glaubt, dass man einige Tage Geduld haben muss, bis die Vögel sich mit dem angebotenen Futterplatz vertraut gemacht haben.
Für Fakundiny ist die niedrige Anzahl an Besuchern eindeutig ein Zeichen der Naturzerstörung und des damit einhergehenden Nahrungsmangels. Außerdem zeige sich der Klimawandel deutlich, denn viele Arten können nur noch eine Brut aufziehen, dazu noch mit weniger Nestlingen. Hinzu kämen die schlimmen Seuchen, wie im vergangenen Jahr bei den Blaumeisen. Davor schon bei den Grünfinken und Amseln. Für Albert Westrich aus Schmitshausen sind auch die viel zu vielen Elstern im Dorf schuld, denn sie würden fast jedes Nest der Freibrüter räubern. Der Nachwuchs von Buchfink, Diestelfink, Grünling, Bluthänfling, junge Mehlschwalben in den Nestern an der Hauswand und Amseln hätten fast keine Chance mehr, die Nestlingszeit zu überleben.
