Zweibrücken / Contwig Warum sich die Amazon-Gegnerin keine Sorge um das Bioland-Zertifikat macht

Marlene Herzog vom Wahlbacherhof bei Contwig ist gegen die Ansiedlung von Amazon. Angst um den Biohof hat sie aber nicht.
Marlene Herzog vom Wahlbacherhof bei Contwig ist gegen die Ansiedlung von Amazon. Angst um den Biohof hat sie aber nicht.

Vom Amazon-Projekt am Steitzhof ist sie alles andere als begeistert. Daraus macht Marlene Herzog vom Wahlbacherhof bei Contwig keinen Hehl. Eine Sache bereitet ihr aber keine Sorgen. Und sie stellt etwas klar, was Kritiker empört hatte.

200 Meter vom Steitzhof entfernt hat sich vor knapp sechs Jahren die solidarische Landwirtschaft gegründet. Damit, so Herzog, habe man auf dem Biolandbetrieb Wahlbacherhof „eine zukunftsfähige Form der Landwirtschaft ins Leben gerufen“. Vertreten würden hier Werte wie Solidarität, Nachhaltigkeit, Naturschutz und faire Arbeitsbedingungen auf gesundem Boden. „Es funktioniert“, spricht die Betriebsleiterin von mittlerweile „fast sechs erfolgreichen Wirtschaftsjahren“.

Zusammen mit Mitstreitern aus der Region wird am Wahlbacherhof seit Mai 2015 das Konzept der solidarischen Landwirtschaft verfolgt. Mehrere Privathaushalte beteiligen sich an den Kosten, arbeiten auf dem Acker sowie bei der Apfel- und Gemüseernte mit – sofern sie das möchten – und erhalten dafür Anteile an der Ernte.

Schulklassen zu Gast

Marlene Herzog, die auch in der Bürgerinitiative gegen die Pläne mitarbeitet, hält das Investitionsvorhaben mit Amazon weder für zeitgemäß noch für „enkeltauglich“. Angst ums Bioland-Zertifikat des Wahlbacherhofs hat sie aber nicht, wie sie auf Nachfrage erläutert. „Darauf hätte die Amazon-Ansiedlung keine Auswirkungen. Bioland-Höfe gibt es ja auch an Autobahnen. Dort darf halt nicht gespritzt oder Gentechnik eingesetzt werden.“ Zumindest diese Sorge scheint Marlene Herzog im konkreten Fall nicht umzutreiben.

Besser würde die Situation für ihren Hof aber auch nicht, sollte sich auf dem Steitzhof der ungeliebte neue Nachbar ansiedeln: „Die Straße, auf der in Zukunft die Laster fahren sollen, liegt direkt an unseren Wiesen und Äckern. Auf denen haben wir oft Schulklassen zu Gast, mit denen wir zum Beispiel gemeinsam Kartoffeln ausmachen. Und die Belastung mit Lärm, CO 2 und Reifenabrieb käme dann auch noch hinzu.“

„Kein Rundumschlag gegen Gebildete“

Übrigens fühlt sich Marlene Herzog mit einer Äußerung missverstanden, mit der sie neulich in der RHEINPFALZ zitiert wurde und für die sie heftige Kritik vom Contwiger Gemeinderatsmitglied Peter Stauch erntete. Ihr Ausspruch, ein „gebildeter Mensch“ könne eine Amazon-Ansiedlung nicht gutheißen, sei keineswegs als verbaler Rundumschlag auf gebildete Menschen gemeint gewesen. „Ich wollte niemanden verletzen, und natürlich gibt es Leute, die eine andere Meinung haben als ich. Das ist doch auch völlig in Ordnung. Was ich aber sagen wollte: In Zeiten des Klimawandels kann ich es nicht verstehen, wenn ein gebildeter Mensch, der sich informiert hat, solch ein Logistikzentrum wie das von Amazon gutheißen kann.“ Sie hält es für „ein falsches Signal auf ein Unternehmen wie Amazon zu setzen. Wenn wir für unsere Kinder und Enkelkinder eine lebenswerte Zukunft wollen, dann brauchen wir nachhaltige, faire, sozial gerechte und regionale Strukturen. Und ein anders Wirtschaftssystem.“

Sie sei „völlig unerfahren im Umgang mit Presse und im Austausch mit Politikern“, und sei bei der Übergabe der Unterschriften ziemlich aufgeregt gewesen. „Es tut mir leid, wenn sich jemand durch meine Aussagen gekränkt fühlt“, stellte sie bereits Anfang Dezember in einer Stellungnahme klar. Es gehe ihr auch nicht darum, jemanden persönlich zu diffamieren.

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