Contwig
Warum Schulleiter Thomas Höchst seine Schüler nicht den ganzen Tag digital unterrichten möchte
Frühestens in drei Wochen dürfen die fünften und sechsten Klassen in abwechselnden Gruppen wieder in der Schule unterrichtet werden. Bis dahin steht Fernunterricht für alle auf dem Lehrplan. Die Contwiger Gesamtschule (IGS) habe sich schon früh darauf vorbereitet, sagt Schulleiter Thomas Höchst. „Ich hatte schon irgendwie das Gefühl, dass das wieder kommen wird“, kommentiert Höchst im Pressegespräch. Jeder der 70 Lehrer wurde auf die beiden Online-Lernplattformen des Landes – Moodle und Big Blue Button – geschult, ausschließlich über diese Plattformen läuft der Fernunterricht. Moodle dient dabei dem Austausch von Dateien und Arbeitsaufträgen, Big Blue Button ist für Videokonferenzen da.
In Videokonferenzen zuerst die Anwesenheitskontrolle
An der IGS wird im sogenannten Wochenplan-Modell mit fest eingeplanten Videokonferenzen unterrichtet. In den Hauptfächern gibt es laut Höchst zwei Videokonferenzen in der Woche, in den Nebenfächern nur eine – immer zur gleichen Zeit. „Nur digital zu unterrichten, da hätte ich Bauchweh“, kommentiert der Schulleiter. Dafür hat er gleich mehrere Begründungen: Zum einem fürchtet er Systemausfälle der Lernplattformen; der Internetausbau sei gerade auf dem Land noch nicht ausreichend fortgeschritten; und es sei schlichtweg schwierig, einen gesamten Schultag lang konzentriert auf dem Computer-Bildschirm einer Videokonferenz zu folgen – sowohl für Schüler als auch für Lehrer.
Die Videokonferenzen laufen laut Höchst nach einem festen Muster ab: Als Erstes wird die Anwesenheit kontrolliert. „Falls ein Schüler zweimal nicht da ist, rufen wir auch daheim an“, erklärt Höchst. Anschließend geht der Lehrer den Wochenplan mit den Schülern durch, es folgt eine Arbeitsphase, und am Ende werden die Aufgaben kontrolliert. Neben dem normalen Unterricht gibt es einmal in der Woche auch den sogenannten Klassenrat. Dabei dürfen die Schüler alles erzählen, was ihnen auf dem Herzen liegt, können schildern, wie sie die aktuelle Situation empfinden, und so ihre sozialen Kontakte innerhalb der Klasse pflegen. In Musik und Sport würden theoretische Inhalte vermittelt, in Kunst bekommen die Schüler laut Höchst ein Monatsprojekt.
Keine Klassenarbeiten, bald Zeugniskonferenz
Wichtig, so der IGS-Leiter, sei, den Schülern trotz Fernunterricht einen geordneten Wochenplan vorzulegen. Den Schülern soll indes kein Nachteil durch den Fernunterricht bereitet werden. Klassenarbeiten ständen derzeit nicht an, kommende Woche ist laut Höchst Zeugniskonferenz. Der IGS-Leiter hofft nun, bis zu den ersten Überprüfungen im neuen Halbjahr wieder halbwegs zur Normalität zurückzukehren.
Der Infotag, der eigentlich bereits im November stattfinden sollte, wird am 16. Januar ebenfalls übers Internet abgehalten. Dabei war laut Höchst bereits alles vorbereitet, den Tag im November vor Ort anzubieten. Geplant sind für 16. Januar drei Videokonferenzen: Ein Rundgang durch die Schule (9 Uhr), eine Veranstaltung zum Profil der Gesamtschule (9.30 Uhr) und die Vorstellung der Oberstufe (10 Uhr) – alles im Internet auf igscontwig.de, wo man schon jetzt viele Infos findet. Danach steht bis 12.30 Uhr eine individuelle Telefonbetreuung zur Verfügung, die Eltern dürfen dabei Höchst und der restlichen Schulleitung Fragen stellen.
In die Notbetreuung der IGS kommen derzeit durchschnittlich zwölf Kinder. Höchst rechnet jedoch, dass mit zunehmender Zeit des Fernunterrichtes mehr Kinder morgens in die Schule geschickt werden. Die Notbetreuung steht dabei nur den Schülern der fünften bis siebten Jahrgangsstufe zur Verfügung.
