Hinterweidenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Von Generation zu Generation: Das Erfolgsrezept des Café Zürn

Stehen gemeinsam für den Familienbetrieb (von links): Kathrin Zürn, Gabor Nemeth und Lena Zürn.
Stehen gemeinsam für den Familienbetrieb (von links): Kathrin Zürn, Gabor Nemeth und Lena Zürn.

Seit über 100 Jahren im Familienbesitz: Das Café Zürn setzt auf Handarbeit, echte Butter und ein wertschätzendes Team.

Das Café Zürn in Hinterweidenthal ist ein echter Familienbetrieb: In vierter Generation betreiben die Schwestern Lena (48) und Kathrin Zürn (42) das Unternehmen. Gegründet haben es die Urgroßeltern im Jahr 1907 in Hinterweidenthal. „Wir sind in der Backstube groß geworden, haben immer mitgeholfen“, erinnert sich Lena Zürn an die Zeit, als ihre Eltern, Manfred und Doris Zürn, das Café betrieben haben.

Dass die beiden Schwestern den elterlichen Betrieb übernehmen, war kein Selbstläufer. Statt einer Ausbildung in der Backstube entschieden sie sich für einen anderen Weg, erzählt Lena Zürn. Sie selbst sei in der Touristikbranche tätig gewesen, ihre Schwester Kathrin im Bereich Medien. Irgendwann sei ihnen klar geworden, dass sie das Café gemeinsam weiterführen wollen. Denn den Familienbetrieb aufgeben, wollten sie auf keinen Fall.

Die Kernsanierung erfolgte 2011

2005 war es so weit. Nachdem die Schwestern den Betrieb übernommen hatten, ging es schrittweise an den Umbau und die Sanierung. „Wir haben das alte Gemäuer trocken gelegt und die Toiletten erneuert“, erzählt Lena Zürn. 2011 schließlich sei der Betrieb kernsaniert worden. „Da standen nur noch die Außenwände“, erinnert sie sich. In die Sanierungsmaßnahmen habe die Familie rund 500.000 Euro investiert, Fördermittel habe es keine gegeben, berichtet Gabor Nemeth (51). Der Partner von Lena Zürn ist gelernter Gastronom und unter anderem für den Einkauf und die Produktion zuständig.

Leider sei ihr Vater Manfred während der Bauphase verstorben, so dass er das Ergebnis des rundum neugestalteten Cafés nicht habe sehen können, erzählt Lena Zürn. „Er war der absolute Fachmann“, erzählt die Tochter. Ihr Vater habe beim Durchlaufen durch die Backstube auf den ersten Blick gesehen, wenn ein Teig drei Grad zu warm gewesen sei, erinnert sie sich mit einem Schmunzeln.

2020 öffnete die Filiale in Dahn

Neben dem Haupthaus in Hinterweidenthal gibt es seit 2020 eine Filiale in Dahn, die Kathrin Zürn leitet, unterstützt von ihrem Partner Karl-Heinz Naab (58). „Die Maschinen und die Struktur sind 1:1“, sagt Lena Zürn. Ihnen sei von Anfang an wichtig gewesen, dass Mitarbeiter bei Bedarf in beiden Geschäften eingesetzt werden könnten. Der einzige Unterschied: In Dahn gebe es keine eigene Produktion.

Mutter Doris Zürn (75) ist die gute Seele des Betriebs, sie arbeitet dort seit 60 Jahren. Sie ist da, wo Hilfe gebraucht wird, richtet die Frühstücke, bereitet das Mittagessen vor, springt im Service ein. Der Blumenschmuck und die Dekoration seien ganz klar ihr Zuständigkeitsbereich, erzählt die Familie lachend. „Wir sind ein tolles Team“, berichten sie – und meinen damit die gesamte Belegschaft. Bis vergangenes Jahr seien noch Personen beschäftigt gewesen, die bei ihren Großeltern gelernt hatten und dann ihr Leben lang im Café gearbeitet haben, erzählt Lena Zürn.

Geschäft hat sich in den Jahren gewandelt

Der wertschätzende Umgang miteinander und die familiäre Atmosphäre ist Familie Zürn wichtig. Neun Festangestellte, drei Auszubildende zur Konditorin und 13 Aushilfen sind an den beiden Standorten beschäftigt.

Das Geschäft habe sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Vor allem der Verkauf von Brötchen und Brot sei unter der Woche deutlich zurückgegangen. So stark, dass das Café seit Mai einen neuen Weg beschreite. Seither liefere die Bäckerei Busch&Naab, die der Schwager von Kathrin Zürn betreibt, unter der Woche Brot und Brötchen. Die eigenen Brotspezialitäten biete das Café Zürn nur noch samstags an. Es sei ratsam, die Ware vorzubestellen, das sei beispielsweise per App möglich, schildert Nemeth. Das Angebot werde vor allem von Kunden aus der Region genutzt, sie kämen aus Rodalben, Pirmasens, aber auch der Vorderpfalz.

Spezialität sind Feingebäck und Konditorei

Die Spezialität des Cafés seien nach wie vor das Feingebäck und die Konditorei. Handarbeit und qualitativ hochwertige Zutaten seien entscheidend. „Wir verwenden noch echte Butter“, betonen Zürn und Nemeth. Margarine zu nehmen, um die Produktionskosten zu senken, komme für sie nicht in Frage. „Dann wären wir nicht mehr wir“, sagen sie. Und: „Was wir selbst nicht wollen, geben wir auch nicht an die Kunden weiter.“ Die Beziehung zur Kundschaft ist der Familie wichtig: „Viele kennen uns, seit wir Kinder waren“, erzählt Lena Zürn, die vor allem im Service und in der Kundenkommunikation tätig ist.

Eine ganz besondere Zeit stelle immer Weihnachten dar. Das Lebkuchenrezept stamme noch von ihrem Ururgroßvater und werde seit Generationen in der Familie weitergegeben. Das Papier, auf dem es stehe, sei so brüchig, dass sie es mittlerweile laminiert hätten. Und abgeschrieben, denn die Schrift von damals könne heute kaum noch jemand lesen. Für die Konditoren und das übrige Team bedeute die Weihnachtszeit immer viel Arbeit. Über 30 Sorten Weihnachtsgebäck werden zubereitet, auch der Christstollen werde von Hand gemacht.

Gleiches gelte für die Schokofiguren an Ostern und Weihnachten, für die Pralinen, Kuchen und Torten – alles sei Handarbeit. Konditor sei ein kreativer Beruf, bedeute jedoch auch harte Arbeit, betont Lena Zürn.

Betrieb will sich breit aufstellen

Der Jahresumsatz liege bei über einer Million Euro, sagt Nemeth. Der Betrieb versuche, sich breit aufzustellen: Vom Frühstücksbuffet über Mittagessen bis Außer-Haus-Catering mit süßen und herzhaften Teilchen sowie Eis wolle man alles bieten, was Genuss verspreche. Dazu gehören auch Torten für besondere Anlässe, wie Hochzeiten, Taufen oder Geburtstage.

Und mit Anton (11), dem Sohn von Kathrin Zürn und Karl-Heinz Naab, steht auch schon die nächste Generation bereit, die das Café von klein auf kennt.

Der Stammsitz des Cafés in Hinterweidenthal.
Der Stammsitz des Cafés in Hinterweidenthal.
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