Wirtschaftsleben RHEINPFALZ Plus Artikel Bäckerei Busch&Naab: Mit Technik gegen Fachkräftemangel

Thomas Busch legt Wert auf modernste Technik in der Backstube, hier an der Teigknetmaschine.
Thomas Busch legt Wert auf modernste Technik in der Backstube, hier an der Teigknetmaschine.

Thomas Busch betreibt die Bäckerei Busch&Naab in Bundenthal in vierter Generation. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, setzt er auf modernste Technik.

Im Büro von Thomas Busch liegen an diesem Morgen frische Brötchen, die der 56-Jährige gerade testet. „Da ist Karamellmalz drin, das gibt eine ganz feine Note“, sagt der Geschäftsführer der Bäckerei Busch&Naab in Bundenthal. Von Stillstand hält Busch nichts. Stattdessen setze er mit seinen 70 Mitarbeitern alles daran, immer besser zu werden und neue Ideen zu entwickeln, erzählt er.

Eine dieser neuen Ideen soll in der Produktion für Erleichterung sorgen, und zwar mit Künstlicher Intelligenz. Ein Roboterarm soll künftig die Backbleche aus dem Ofen holen, die Ware in Körbe laden und die Bleche in die Blechputzmaschine geben. Anfang nächsten Jahres soll der Roboterarm Einzug in die Produktionsstätte in Bundenthal halten.

Roboterarm gegen Mitarbeitermangel

Das entlaste den Betrieb auf zweierlei Art, sagt Busch: Die Mitarbeiter müssten sich nicht mehr so häufig bücken und der Roboterarm könne den Fachkräftemangel abbremsen, weil er Jobs übernimmt, für die es bisher mehrere Personen braucht – die aber an anderer Stelle dringender benötigt werden.

Der demografische Wandel und der damit verbundene Fachkräftemangel sei das größte Problem für seine Bäckerei, schildert Busch. Damit sei er nicht alleine. Bei regelmäßigen Austauschen mit Kollegen aus ganz Deutschland sehe er, dass sich die Situation überall ähnle: Es fehlt an Mitarbeitern.

Teilautonomer Laden in Bad Bergzabern

Um diese Entwicklung aufzufangen, plant Busch noch eine weitere Neuerung: einen teilautonomen Laden in Bad Bergzabern. Zwei dieser Läden gebe es bereits, einen in Hamburg und einen auf Sylt, seine Bäckerei werde die erste in Süddeutschland sein, in der das Konzept des Anbieters Autonomo getestet werde. Nächstes Jahr im Sommer soll es soweit sein. Die Kunden könnten sich im Geschäft selbst bedienen, die Abrechnung erfolge KI-gestützt. Kameras sollen die Ware erfassen und aus diesen Informationen die Rechnung erstellen, die bargeldlos beglichen werden soll. Eine Verkäuferin soll zwar im Laden sein, der Fokus aber auf der Selbstbedienung liegen.

Sich modern aufzustellen ist für Busch ein zentrales Thema. Dazu gehört auch, ein Vorreiter in Sachen Technik zu sein. So sorgt in der Backstube mittlerweile ein Brezelschlingroboter dafür, dass die Brezeln ihre perfekte Form erhalten. Ein Job, der früher vier bis fünf Leute gebunden habe, werde heute von einer Person plus dem Roboter erledigt, erzählt Busch, der den Betrieb in vierter Generation leitet.

Auf Kernelemente konzentrieren

Sich absetzen von der Masse und sich auf bestimmte Produkte spezialisieren sind weitere Kernelemente des Geschäftsmodells von Busch. Ein Schritt dazu sei die Reduktion des Sortiments gewesen. Runde Torten und gekühlte Kuchen mit Creme gibt es nicht mehr. „Weil es niemand mehr machen kann“, erzählt Busch. Stattdessen bietet die Bäckerei Tartelettes an. Ebenfalls gestrichen seien Christstollen: Die Produktion binde enorm viel Arbeitskraft, die Zutaten würden immer teurer. „Das, was wir machen, wollen wir gut machen“, sagt der gelernte Bäcker und Konditor.

Eine Expansion kommt für ihn nicht in Frage, es soll bei den sieben Filialen in der Südwestpfalz bleiben: Bundenthal, Hauenstein, Busenberg, Bad Bergzabern, SBK Bad Bergzabern, SBK Dahn und Fischbach. Hinzu kommt ein Wiederverkäufer in Hinterweidenthal. Zu den Kunden gehören auch die Mensen der Hochschulen Zweibrücken und Kaiserslautern.

Das Konzept von Busch geht auf, der Umsatz liege zwischen vier und fünf Millionen Euro pro Jahr, sagt er. Da mache sich auch der Tourismus im Dahner Tal bemerkbar, im Sommer werde mehr gekauft als im Winter.

Regelmäßige Investitionen in den Betrieb

„Man muss bereit sein, viel Geld in die Hand zu nehmen“, betont der Geschäftsführer. Das Equipment sei teuer, allein ein Knetkessel liege um die 10.000 Euro. Der Brezelschlingautomat schlage mit 250.000 Euro zu Buche. Hinzu kommt der Fuhrpark aus vier Fahrzeugen, die die Standorte beliefern.

Viele der Mitarbeitenden kennt Busch seit Jahren, ein gutes Betriebsklima ist ihm wichtig. „Als Arbeitgeber interessant sein, gut zahlen und neuste Technik bieten“, lautet sein Rezept für die Mitarbeiterbindung. Der Stundenlohn im Verkauf liege bei 15 Euro, hinzu kommen Sonn- und Feiertagsgeld sowie eine Bonuszahlung, wenn jemand im Krankheitsfall von Kollegen einspringe.

Die Nachfolge ist gesichert

Bei den Neuerungen nehme er seine Mitarbeiter mit, das alles gehe nur mit einem tollen Team, betont der Geschäftsführer. „Es klappt auch nicht immer alles, dann macht man es eben wieder rückgängig.“ Doch lieber so, als Stillstand. Weitere Veränderungen liegen bereits in der Schublade: Das Logo wird neu designt und künftig soll in Bundenthal eine Marktbox mit Backwaren befüllt werden, die bargeldlos auch außerhalb der Öffnungszeiten genutzt werden könne.

Etwas, das ihm als Unternehmer zu schaffen macht, sei die Bürokratie. „Die nervt“, bringt er es auf den Punkt. Zumal viele Dinge nicht nachvollziehbar seien.

Doch zurück zu angenehmeren Dingen: Vielleicht könnten die Testbrötchen etwas Kürbisöl vertragen, überlegt Busch. Das wird er gemeinsam mit Produktionsleiter Roman Naab noch austüfteln. Angst um die Nachfolge hat der Unternehmer nicht: Sein Sohn wolle nach dem Abitur ins Geschäft einsteigen, erzählt der Vater stolz.

Andreas Krüger am Brezelschlingroboter.
Andreas Krüger am Brezelschlingroboter.
Cremetorten gibt es nicht mehr im Sortiment, stattdessen Tartelettes, kleine Törtchen.
Cremetorten gibt es nicht mehr im Sortiment, stattdessen Tartelettes, kleine Törtchen.
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