Kreis Südwestpfalz „Von einem Tsunami erfasst“
Celeste Lett, langjähriger Abgeordneter des Wahlkreises Saargemünd, wurde am Sonntag abgewählt. Er sieht sich „von einem Macron-Tsunami erfasst“. An Letts Stelle wird von nun an Nicole Gries-Trisse von der Partei La République en Marche (LREM) das Bitscher Land und Saargemünd in der Pariser Nationalversammlung vertreten. Gries-Trisse ist die erste Frau, die den Wahlkreis im Palais Bourbon vertritt.
Die Mehrheit ist knapp: 51,5 Prozent der Stimmen holte Nicole Gries-Trisse bei der Stichwahl um den Sitz in der Nationalversammlung. Das sind 14 529 an der Zahl, 853 mehr als Mitbewerber Celeste Lett von den Republikanern. „Es ist ein Sieg für die Partei Emmanuel Macrons und ein Sieg für die Frauen“, sagte Gries-Trisse dem Saargemünder Lokal-TV-Sender Mosaik nach der Wahl. Denn Gries-Trisse ist die erste Frau, die den Wahlkreis Saargemünd in der Nationalversammlung im Palais Bourbon in Paris vertritt. Die geringe Wahlbeteiligung müsse sie akzeptieren. Die Mehrheit der Wähler habe nun mal entschieden, nicht zur Wahl zu gehen. Von den 73 872 Wahlberechtigten des Wahlkreises Saargemünd haben bei der Stichwahl 30 512 eine Stimme abgegeben, was einer Wahlbeteiligung von 41,3 Prozent entspricht. Nach der Wahl werde sie erst feiern, sich bei ihren Unterstützern bedanken und dann „arbeiten, arbeiten, arbeiten“. Bei ihrer Arbeit wolle sie die Zusammenarbeit mit den Politikern des Bitscher Landes suchen, versprach Gries-Trisse vor dem zweiten Durchgang der Parlamentswahl und absolvierte noch am Freitag ihren Rundgang durch die Dörfer rund um die Festungsstadt. Die wesentliche Aufgabe sehe sie jedoch darin, die Regierung in den Reformen zu unterstützen, mit denen der neue Staatspräsident Emmanuel Macron geworben hatte, bevor er am 7. Mai die Stichwahl gegen Marine Le Pen, Kandidatin des rechtsextremen Front National, gewann. Der Sieg der Polit-Novizin Nicole Gries-Trisse über den republikanischen Platzhirsch Lett, sei sicher der Popularität des Präsidenten Macron zu verdanken, erklärte sie ihren Erfolg. Aber sie habe auch hart dafür gearbeitet und sich bei Wahlveranstaltungen den Fragen der Bürger gestellt. Inhaltlich beruft sich Gries-Trisse auf das Programm von LREM, das eine Vertiefung der europäischen Integration und Arbeitsmarktreformen vorsieht. Gries-Trisse bekam in der Woche zwischen den Wahldurchgängen die Unterstützung von David Suck. Der konservative Politiker aus Volmünster ist Vizepräsident des Metzer Generalrats und Beigeordneter seines Heimatdorfes. Er trat parteiunabhängig als Unterstützer des konservativen Parteibündnisses Union des démocrates et indépendants (UDI) bei den Parlamentswahlen an. Im ersten Durchgang punktete Suck in Bitsch und den Dörfern, in Volmünster holte er die Mehrheit. Im Wahlkreis Saargemünd schaffte er mit 5478 Stimmen (17,2 Prozent) den vierten Platz bei ebenfalls geringer Wahlbeteiligung. In die Stichwahl kamen nur die beiden stärksten, Lett und Gries-Trisse. Letts Vorsprung vor Gries-Trisse zählte 1348 Stimmen. Im zweiten Durchgang folgten wohl viele Wähler des Bitscher Landes der Empfehlung David Sucks, für die Kandidatin der Präsidenten-Partei zu stimmen. Denn Gries-Trisse erhielt in zahlreichen Orten des Bitscher Landes die Mehrheit, so wie in der Stadt Bitsch und den Grenzdörfern Volmünster, Schweyen, Rolbing, Waldhouse und Walschbronn. Im Wahlkreis entschieden sich 46 von 83 Gemeinden für Macron-Kandidatin Gries-Trisse. Sogar in Saargemünd, wo Celeste Lett seit 2001 als Bürgermeister amtiert, bekam Gries-Trisse nur 299 Stimmen weniger als Lett. Der konservative Politiker, der 2002 zum ersten Mal in die Nationalversammlung gewählt wurde, erklärte dem Lokal-TV seine Niederlage: „Mich hat ein Macron-Tsunami erfasst, der über das ganze Land läuft.“ Damit verortet er die Gründe seiner Niederlage in der allgemeinen Entwicklung, nicht in seiner politischen Leistung. Lett genoss vor der Stichwahl die Wahlempfehlung von Patrick Weiten, Präsident des Metzer Generalrats und Vorsitzender der Parteien-Vereinigung UDI im Département Moselle. Die Niederlage verhinderte Weiten aber nicht.