Donsieders / Biebermühle
Schornstein gesprengt: Binnen Sekunden zerschellt ein Wahrzeichen in Tausende Stücke
Was wäre das schlimmste Szenario gewesen, das sich Andreas Kohler, Einsatzleiter und Dienststellenleiter der Polizei Waldfischbach-Burgalben, hätte vorstellen können? „Dass der Schornstein nach der Sprengung einfach stehenbleibt“, beschrieb er das Szenario des schlimmsten Falles. Denn dann wäre nicht nur die Frage zu beantworten gewesen, wie man das 94 Meter hohe Bauwerk doch noch zum Einsturz bringt, sondern auch, wie lange das dauert. „Der Schornstein wäre dann ein anhaltender Gefahrenbereich gewesen und ich hätte den Verkehrsweg nicht freigeben können“, sagte er. Das passierte zum Glück nicht. „Es lief alles nach Plan“, sagte Kohler zufrieden, zwar habe es Rückstaus infolge der Sperrung gegeben, dort habe es aber keine besonderen Vorkommnisse gegeben.
Es war die Lage der Biebermühle, die Kohler als die besondere Herausforderung sah. Denn die Biebermühle ist ein viel befahrener Verkehrsknotenpunkt, die B270 führt durch den Ort, die Landesstraße nach Thaleischweiler ist ein Zubringer zur Autobahn 62. Und schließlich führt auch noch die Bahnstrecke direkt am ehemalige Küntzler-Gelände vorbei.
Kurz vor 14 Uhr sperrte die Polizei die Straßen rund um die Biebermühle für den Verkehr. In einem Sicherheitsbereich von 300 Meter vom Schornstein zur Bahnstrecke durfte sich niemand mehr aufhalten, gleiches galt für eine Entfernung von 100 Meter in Richtung B270. Die Bewohner des Hauses gegenüber des Küntzler-Geländes hatten ihr Haus bereits am Vormittag verlassen.
Dass der Termin der Sprengung am Montagabend durchgesickert war, sich am Dienstag schon kurz nach Mittag viele Schaulustige auf den Weg zum Steinenschloß machten, hatte Kohler kommen sehen. „Es war klar, dass eine Vielzahl von Zuschauern zu dem Ereignis kommen wird, damit haben wir gerechnet. Deshalb wollten wir Zuschauer lieber auf dem Steinenschloß zulassen, als sie überall rumlaufen zu haben“, sagte er.
Kurz vor der Sprengung sorgte nicht nur der verspätete Zug aus Zweibrücken für eine kleinere Verzögerung im Zeitplan, auch ein Fahrzeug, das noch im Sperrbereich herumfuhr, musste diesen verlassen. Die letzten Fußgänger wurden aufgefordert, auf das Burggelände zu kommen. Als die Polizeidrohne von der Burg aufstieg, das erste Sprengsignal ertönte, spürte man die Anspannung bei Beamten und Zuschauern. Um 14.20 Uhr tat es einen lauten Knall, eine kleine Rauchsäule stieg aus dem Kamin auf, erste Steine fielen herab. Dann neigte sich der 94 Meter hohe und 100 Jahre alte Schornstein in Richtung Freibad Biebermühle, in die gewünschte Fallrichtung. Auf halber Strecke in Richtung Boden brach er auseinander, ehe er mit einem lauten Rumms auf dem Boden aufschlug. Als sich die Staubwolke verzogen hatte, blickten die Zuschauer auf ein Trümmerfeld.
Helmut Hörig, der erfahrene Leiter der Sprengung aus Rodalben, war mit dem Verlauf nicht ganz zufrieden. „Der Kamin ist unten gebrochen und hat sich zusammengeschoben“, erzählte er, als er sich am Computer des Pirmasenser Filmemachers Andreas Kömmerling die Aufnahmen der Sprengung aus verschiedenen Blickwinkeln anschaute. Der Kamin hätte wie ein Baum fallen sollen. „Dass er dann oben bricht, ist aber normal“, so Hörig. Da er vor dem Fall ein wenig zusammensackte, erreichten die Trümmer nicht ganz den aufgeschütteten Wall, der die dahinterliegende Bahnstrecke schützen sollte.
Hörig und sein Team haben ganze Arbeit geleistet. Aufräumen müssen jetzt die Mitarbeiter von Peter Gross Bau. Die Aufräumarbeiten auf dem Gelände begannen, als sich die Staubwolke verzogen hatte. „Die Steine werden wiederverwendet“, sagte Ulrich Blaser, der technische Leiter von Peter Gross Pirmasens. Zuvor sollen sie aber noch auf etwaige Schadstoffe aus der Kraftwerkszeit untersucht werden.