Biebermühle
Schornstein bietet vor der Sprengung einige Überraschungen
Die Vorbereitungen für die Sprengung des seit 100 Jahren die Landschaft im Bereich Biebermühle prägenden Schornsteins liefen bereits seit Monaten. Die Fläche, auf die das Bauwerk fallen soll, wurde lange vorher freigeräumt. Ulrich Blaser, technischer Leiter von Peter Gross in Pirmasens, war am Montag aber dennoch nervös. Der Schornstein offenbarte schließlich einige Unwägbarkeiten.
Sprengmeister Helmut Hörig kümmerte sich im Vorfeld um alle Genehmigungen, organisierte die Absperrungen am Sprengtag, erkundete den 94 Meter hohen Schornstein und bohrte die Löcher für den Sprengstoff an die richtigen Stellen in dem massiven Baukörper des Turms, der einst das Abgas des Pirmasenser Elektrizitätswerks in die Höhe leitete. Nur 46 Bohrlöcher sollen ausreichen, um das Bauwerk zum Umstürzen zu bringen. „Das soll wie eine Baumfällung funktionieren“, erklärt Ulrich Blaser. Eine erste Sprengung soll in Fallrichtung einen Keil hineinsprengen, bevor die zweite nur unwesentlich spätere Sprengung dem Schornstein den Rest gibt.
Der Rodalber Hörig, der offiziell die Bezeichnung „Sprengbevollmächtigter“ trägt, hat das Bauwerk mit sogenannten Fallschlitzen an den Seiten vorbereitet. Mit einem Kernbohrer wurden zwei Dreiecke aus dem gemauerten Turm in Dreiecksform gebohrt. „Das ist mein 19. Schornstein“, erzählt der Sprengbevollmächtigte, der in der Region für die Höhenfeuerwerke seiner Rodalber Firma Pyro 2000 bekannt ist. 19 Kilogramm Sprengstoff werden am Dienstagmorgen in die Löcher gebracht.
Im Idealfall soll der Schornstein an einem Stück in Richtung Freibad Biebermühle fallen, erzählt Blaser. Das sei aber der Idealfall. Der Schornstein habe bereits mehrere sogenannte Sprengringe in luftiger Höhe verloren, die das Bauwerk zusammenhalten sollen. Einer davon baumelt weit oben in einer der Stufen, mit denen einst Handwerker in die Höhe klettern konnten. Heute wagt das keiner mehr. Ob die Stufen überhaupt noch halten, kann keiner sagen. Genauso wie niemand genau sagen, ob die Daten im Bauplan tatsächlich stimmen. Laut den Plänen hätte der Schornstein am Boden eine Mauerdicke von einem Meter haben müssen, schildert Blaser. Hörig musste jedoch feststellen, dass die Mauern 1,40 Meter dick sind. Ob dann auch die 94 Meter Höhe stimmen, wollte Hörig am Montag nicht beschwören. „Laut Bauplan müsste alles klappen“, meinte der Sprengmeister. Blaser schätzt, dass der Turm wegen der fehlenden Ringe in der Höhe auch einknicken könne. Der Fall sei auch berücksichtigt worden.
Ein Blick ins Innere des exakt 100-jährigen Bauwerks zeigt eine überraschende Sauberkeit. Kein Ruß an den Innenwänden ist zu sehen, obwohl hier Unmengen an Rauchgas aus der Kohleverbrennung durchgeleitet wurden. Hörig vermutet, dass im Laufe der Jahrzehnte das von oben kommende Wasser das Mauerwerk wieder reinigte. Auf jeden Fall habe der Kamin einen kräftigen Zug. Das habe er gemerkt, als er die Sprenglöcher bohrte. Der Staub sei außen am Schornstein entstanden und sofort in das Innere gezogen worden, wie wenn dort eine Absauganlage gestanden hätte.
Riesige Bauschutthalden wurden recycelt, auch um Platz zu schaffen für den Fall des Schornsteins. „Das sah ziemlich wild hier aus“, erzählt er. Was Peter Gross genau mit dem Gelände anfangen will, sei noch offen. Der Schornstein müsse jetzt erstmal weg, da er wegen herabfallender Steine oder Sprengringe eine Gefahrenquelle darstellte. Langfristig werden die Hallen wohl alle abgerissen. „Es hätte einen Reiz, das zu erhalten“, meint Blaser. Das Mauerwerk sei jedoch wegen Nässe voller Risse und könne nicht erhalten werden.
Blaser könnte sich vorstellen, den Unternehmenssitz an die Biebermühle zu verlagern. Genug Platz wäre dort und das Gelände liegt sehr verkehrsgünstig. Wann und wie das passieren könnte, sei aber derzeit offen. In der Baubranche könne aktuell nicht langfristig geplant werden. Die Hallen werden auf jeden Fall noch einige Jahre als Werkstatt genutzt. Das Wohnhaus an der B270 gehöre im übrigen nicht mehr zum Gelände. Das habe Küntzler vor Jahren schon an eine Privatperson verkauft, erzählt Blaser weiter.
Wenn es irgendwann an den Abriss gehe, werde es noch einige Überraschungen geben. „Das ist alles unterkellert“, erzählt er. Wobei genau wisse niemand, was im Untergrund noch alles liegt, zumal das Gelände mehrmals anders geformt wurde. „Wir stehen hier auf einer Aufschüttung. Das war alles mal niedriger“, nennt er ein Beispiel.