Rodalben RHEINPFALZ Plus Artikel Rave-Craft: Herstellung von Corona-Visieren hat Betrieb gerettet

Statt Gesichtsvisieren stellt der Rodalber Stefan Bauer wieder Lederwaren her.
Statt Gesichtsvisieren stellt der Rodalber Stefan Bauer wieder Lederwaren her.

Stefan Bauer hat die Anfertigung von Gesichtsvisieren in seinem Drei-Mann-Betrieb in der Eisenbahnstraße eingestellt – abgesehen von vereinzelten Nachbestellungen. Seine Firma Rave-Craft stellt wieder Lederwaren her. Doch die Anfertigung des Corona-Schutzes habe das Unternehmen zu Beginn der Pandemie gerettet.

Als sich das Coronavirus im Frühjahr des vergangenen Jahres auszubreiten begann, hatte der Rodalber Geschäftsmann die Produktion von Lederartikeln vorübergehend auf die Herstellung von Face Shields umgestellt, mit großem Erfolg für mindestens vier Monate. Zu Spitzenzeiten im April, Mai und Juni produzierte der Betrieb mehr als hundert Masken täglich und lieferte sie am Tag darauf aus an Arztpraxen, Krankenhäuser, Feuerwehren, Verwaltungen und das Rote Kreuz sowie an Privatleute, Firmen und Einrichtungen, wo „Menschen dicht beieinander arbeiten“, wie Bauer erzählt. Das Verkaufsgebiet umfasste vor allem die hiesige Region, die Vorderpfalz und das Saarland. Masken waren knapp zu dieser Zeit, die Produkte aus Rodalben stark nachgefragt, berichtet der Geschäftsmann.

Blau für Ärzte, Rot für die Feuerwehr

Bauer arbeitete eng mit dem medizinischen Versorgungszentrum Westpfalz in Landstuhl zusammen, wo seine Lebensgefährtin ihren Arbeitsplatz hat. Die Produktion lief auf Hochtouren. Es gelang, den Arbeitsprozess zu beschleunigen, und die Masken wurden in mehreren Farben hergestellt: blau und grün für Ärzte, rot für die Feuerwehr, zum Beispiel in Pirmasens und Landstuhl.

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„Doch ab Juli kam das Aus mit dem Verbot der Face Shields im öffentlichen Bereich, zuerst in Bayern und Baden-Württemberg, dann in ganz Deutschland“, berichtet Bauer auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Der Rodalber hatte die Produkte von Anfang an vermarktet als „Spuckschutz ohne medizinisches Zeichen“ gegen Tröpfchen-Infektion – nicht als Atemschutz vor Aerosolen, wie ihn die Politik im Sommer einforderte.

„Froh, dass wir dadurch überlebt haben“

Das Kernstück der selbst entwickelten Maske bildete ein Schutzvisier, 20 mal 34 Zentimeter groß, 0,7 Zentimeter dick, aus stabilem Polycarbonat. Hergestellt wurde sie mit Schablone und Stanzwerkzeugen, Nähmaschine und Verkleber. Schaumstoff an aufliegenden Stellen erleichterte das Tragen, mit Gummizügen wurde die Größe angepasst. „Unsere Kunden fühlten sich durch die Visiere geschützt und sicher“, meint Bauer. „Die Produktion könnte jederzeit wieder anlaufen.“ Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus.

Über Sommer bis in den Herbst zog das eigentliche Geschäft, die Produktion von Taschen und Gürteln, Accessoires und Werbeartikeln, wieder an „und lief gut bis zum Lockdown“, resümiert Bauer. Ließ er sich ehedem durch internationale Messebesuche inspirieren, orientiere er sich jetzt mehr an Kundenwünschen. Im Rückblick sei es die richtige Entscheidung gewesen, zeitweilig auf die Visier-Produktion umzustellen: „Wir sind einfach nur froh, dass wir dadurch überlebt haben“.

Hauptkunden mussten schließen

Mit dem Lockdown ab November kam abermals ein Rückschritt. Denn die Hauptkunden wie Schuhläden und Textilgeschäfte mussten schließen. Seitdem sei es ein Problem, die ältere Kundschaft zu erreichen. „Der Online-Verkauf läuft über die großen Plattformen“, erklärt Bauer. „Wir nutzen zurzeit hauptsächlich Social-Media-Plattformen wie Facebook und Whatsapp sowie einfach unseren Webshop.“ Bauer hofft, dass die Pandemie dieses Jahr besiegt wird – oder zumindest so weit zurückgedrängt, dass das Geschäft wieder laufen kann.

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