Südwestpfalz
Protest: Deshalb hängen an vielen Ortsschilder Gummistiefel
„Das ist eine symbolische Sache, dass die Landwirte ihren Job, Hof und Beruf an den Nagel hängen“, erklärt Christian Glahn aus Mörsbach, stellvertretender Vorsitzender beim Bauern- und Winzerverband Pirmasens/Zweibrücken, die Stiefelaktion an den Ortsschildern. Der stille Protest ist laut Glahn mittlerweile eine bundesweite Aktion, man wolle ein Zeichen gegen geplante strenge Regeln und Auflagen vonseiten der Bundesregierung setzen. „Mittlerweile haben sich auch andere uns angeschlossen, etwa Handwerker, die dann die Maurerkelle oder die Wasserwaage dazuhängen“, ergänzt Glahn.
Dringender Appell an Ampelregierung
Grund für den Protest der Landwirte sind die Sparpläne der Bundesregierung. Steuervergünstigungen beim Agrardiesel und der Kraftfahrzeugsteuer sollen abgeschafft werden, Glahn sagt, dass auch die stetig steigenden bürokratischen Auflagen an die Landwirtschaft ihm und seinen Kollegen ein Dorn im Auge sind. „Das sind massive Einschränkungen“, findet er.
Der Landwirt zieht seinen eigenen Betrieb als Beispiel heran, welche finanziellen Auswirkungen die Streichung von Agrar-Subventionen haben wird: 16.000 bis 18.000 Euro würden Glahn im Jahr dadurch verloren gehen − Geld, dass er, egal wie, nicht wieder reinholen kann. „Das schlägt direkt auf meinen Gewinn ein“, sagt Glahn. Der Landwirt warnt, dass nicht nur seine Branche von den finanziellen Belastungen betroffen sein werde. Haben die Bauern weniger Geld, dann können sie weniger in neue Maschinen, Technik und Mitarbeiter investieren. Auch Landmaschinen-Bauer und -Verkäufer, so Glahn, würden weniger verkaufen und entsprechend weniger Gewinn einfahren. Ein Rattenschwanz, stellt der Landwirt fest.
Ein weiteres Unding für Glahn ist, dass in anderen Ländern die Bauern finanziell gesehen weitaus besser von ihrer jeweiligen Regierung behandelt würden. Als Paradebeispiel nennt er seine Kollegen in Frankreich. „Die dürfen dort Heizöl tanken“, sagt Glahn. In Deutschland hingegen galt laut dem Landwirt schon jetzt eine Steuer von 40 Cent pro Liter Agrardiesel, werden die neuen Regeln der Ampelregierung durchgesetzt, steige der Steuersatz auf 60 Cent pro Liter.
Demonstrationen am 8. Januar geplant
Der stille „Stiefel-Protest“ an den Ortsschildern ist laut Glahn erst der Anfang. Für den 8. Januar sei eine General-Demonstration geplant, stattfinden soll sie jeweils in den Landeshauptstädten. „Dann wird es dort eine Demofahrt geben, an denen neben Landwirten auch Handwerker, Logistiker und so weiter teilnehmen“, kündigt Glahn an. Ob die Bauern aus der Südwestpfalz an der Demo in Mainz oder in Saarbrücken teilnehmen, sei noch nicht abschließend geklärt. Der Landwirt unterstreicht, dass der Protest zwar deutlich, aber dennoch friedlich über die Bühne gehen soll.
Im Zweibrücker Land hängen die Stiefel unter anderem an den Ortsschildern in Herschberg, Maßweiler, Bottenbach, Contwig, Reifenberg, Bechhofen, Martinshöhe und Dellfeld.