Contwig
Pläne für ein Pflegeheim am Schwarzbach: Verbandsgemeinde stimmt zu
Pflegeheim soll das Haus nicht heißen, sondern Seniorenresidenz. Was denn der Unterschied sei, wollte Fred Konrad (Grüne) am Donnerstag in der Sitzung des Verbandsgemeinderats wissen. „Ich finde Seniorenresidenz vom Namen her deutlich ansprechender als Pflegeheim“, antwortete Straub, der einräumte, dass man das Haus zunächst einmal nennen könne, wie man möchte. Aber es gehe nicht nur um einen klangvollen Namen: „Für die Bewohner ist der zentrale Unterschied, wie man mit ihnen umgeht.“
Römerhaus ist ein 1983 gegründetes, mittelständisches, familiengeführtes Unternehmen, das 19 Pflegeeinrichtungen – vor allem in der Rheinschiene – mit 1300 Mitarbeitern und 100 Auszubildenden betreibt, stellte Straub sein Unternehmen vor, und er versicherte: „Alle unsere Häuser laufen.“ Römerhaus plant und baut die Häuser, hat aber gleich einen Betreiber mit im Boot: Römergarten Residenzen.
„Wir wollen uns in die Gemeinde integrieren“, sagte Straub, der hofft, „dass sich die Kommune und die Gegend mit einbringen“. Als Beispiele aus anderen Häusern nannte er den Besuch der Sternsinger, Faschingsveranstaltungen, Nostalgie-Kino, Gottesdienste und den Besuch von Kindergärten. Das Heim werde eine eigene Küche bekommen, die auch für Schulen und Kindergärten kochen könne.
Die Menschen sollen nicht nur im Zimmer bleiben
Der Schwerpunkt auf der Gemeinschaft spiegelt sich auch im Platz wider: Die Zimmer sollen gut 20 Quadratmeter groß werden, aber es gibt Gemeinschaftsräume, wo für jeden Bewohner 35 Quadratmeter gerechnet werden, antwortete Straub auf die Frage von SPD-Sprecher Achim Scherer. Es gehe darum, die Menschen aus ihren Zimmern herauszuholen, verdeutlichte Straub. Üblicherweise zahle man für ein Zimmer 2300 bis 2500 Euro nach Abzug des Anteils der Pflegeversicherung. Ohne Pflegestufe sei es wenig sinnvoll, ein Zimmer in dem Haus zu mieten. Straub ist überzeugt, dass die Plätze gebraucht werden: „Sie haben einen Riesenbedarf hier“, sagte er.
Das Projekt hatte der Geschäftsführer bereits Anfang März dem Gemeinderat Contwig vorgestellt, der einstimmig dafür war, einen Bebauungsplan für die knapp 10 000 Quadratmeter zwischen Bahnhofstraße, Schwarzbach und Bahnlinie aufzustellen. Im Bebauungsplan legt eine Gemeinde näher fest, was und wie in einem bestimmten Gebiet gebaut werden darf, beispielsweise ob dort nur Wohnhäuser stehen dürfen oder ob auch Gewerbe möglich ist, wie viele Stockwerke erlaubt sind, ob die Dachziegel eine bestimmte Farbe haben müssen und ob die Häuser in eine bestimmte Richtung zeigen müssen.
Dem übergeordnet ist der Flächennutzungsplan, der für die gesamte Verbandsgemeinde gilt. Der geht nicht so ins Detail, sondern legt grob fest, was überhaupt möglich ist. Beispielsweise welche Dörfer ein Gewerbegebiet bekommen, wo Windräder gebaut werden können und wo Bau- und Freizeitgebiete entstehen. Die Wiese in der Contwiger Bahnhofstraße ist derzeit als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen. Der Verbandsgemeinderat will den Flächennutzungsplan ändern, so dass dort ein Seniorenheim entstehen kann. Die Grünen-Fraktion und Gerda Huber (SPD) enthielten sich bei der Abstimmung.
Die Grünen hätten gerne etwas anderes
Grünen-Sprecher Fred Konrad erinnerte an das Wohnprojekt, das die Diakonie am Ortsausgang Richtung Oberauerbach plant. Dort sollen Häuser für Menschen entstehen, die in der eigenen Wohnung älter werden möchten, aber je nach Bedarf auf Hilfe zurückgreifen können. Das hätte er sich für die Ortsmitte gewünscht, sagte Konrad und ergänzte: „Schade, dass da ein Pflegeheim gebaut wird.“ Das Heim sei so groß, dass dort auch Leute von weiter weg ohne Beziehung zu dem Ort einziehen würden, und viele Pflegebedürftige könnten den Ortskern nicht nutzen. „Das, was du gerne hättest, Fred, das muss an anderer Stelle gemacht werden“, erwiderte FDP-Sprecher Volker Schmitt.
Die Bedenken von Anna Metz (Grüne), dass die Pflegeheim-Bewohner in der Contwiger Ortsmitte mit ihren Angehörigen nicht so gut spazieren gehen könnten wie am Haus Sarepta oberhalb der katholischen Kirche, wiesen einige Contwiger Ratsmitglieder zurück. Heidi Ziehl (SPD) wies auf die Pläne fürs Wehr am Schwarzbach hin und sagte: „Da ist schon ’ne ganz tolle Ecke geplant.“ Zudem führt der Fuß- und Radweg durchs Schwarzbachtal dort vorbei.
Zu Fred Konrads Bedenken, dass das Pflegeheim im Überschwemmungsgebiet des Schwarzbachs liege, erinnerte Stefan Fercher (CDU) an das schlimme Zweibrücker Hochwasser 1993. Selbst damals habe das Wasser in Contwig noch einen halben Meter unter dem Ufer gestanden.