Dahn
Notfallplan für die Gaskrise: Wie sich ein kommunaler Versorger vorbereitet
Dass Wasser aus dem Hahn kommt, Licht angeht, die Toilette gespült wird: Es sind Selbstverständlichkeiten, die nun infolge des Ukraine-Krieges ins Blickfeld rücken. Denn dieser hat nicht nur Folgen für das Heizen im Winter. Noch wird nämlich ein Teil des Stroms – etwa 15 Prozent – mithilfe von Erdgas erzeugt. Das fehlt nicht nur zum Heizen, sondern treibt wegen des gestiegenen Gaspreises auch die Stromkosten mit nach oben. Und die Stromversorgung an sich ist ebenfalls ein heißes Eisen, vor allem mit Blick auf die geplante Abschaltung der Atomkraftwerke. Das Thema Energieversorgung treibt daher die Versorger um. Auch in der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland, deren Werke mit fünf Eigenbetrieben und etwa 50 Beschäftigten zu den großen kommunalen Einrichtungen der Region gehören.
Dort haben sie den „Worst Case“ - den schlechtesten Fall - durchgespielt, wie Verbandsbürgermeister Michael Zwick sagt: einen Komplett-Ausfall von Gas und Strom. Betroffen davon wären vor allem drei Bereiche: die Versorgung mit Fernwärme und mit Wasser sowie die Entsorgung.
Die Fernwärme
2012 hat die Verbandsgemeinde ein Fernwärmenetz aufgebaut, das inzwischen über 20 gewerbliche Abnehmer versorgt, darunter Hotels, das Seniorenhaus SenVital und das Conrad-von-Wendt-Haus in Dahn, Banken sowie einige Privathaushalte. Gewonnen wird die Fernwärme – neben Strom – mit Hilfe von Blockheizkraftwerken, die wiederum mit Gas betrieben werden. Würde nun bei einer deutlichen Verschlechterung der Gasversorgung die Bundesregierung die Notfallstufe ausrufen, so müsste der Bund letztlich über die Verteilung des knappen Gutes entscheiden. Besonders geschützte Kunden – etwa soziale Einrichtungen wie das Conrad-von-Wendt-Haus und das Seniorenheim – würden dann vorrangig versorgt.
Bei den Werken gibt es daher Überlegungen, wie Kunden auch ohne Gas weiterhin versorgt werden können. Dabei setzt Werkleiter Klaus Hüther und sein Team auf zwei Säulen. Einmal die Einbindung einer 850 KW-Holzhackschnitzelanlage, die vom Kreis betrieben wird und das OWG beheizt. Des Weiteren soll eine früher nur mit Öl betriebene Heizungsanlage, ausgestattet mit Gasbrenner, nun wieder mit Öl betrieben werden können. Dazu könnte ein außer Betrieb genommener Öltank mit 40.000 Litern Fassungsvermögen nun wieder aktiviert werden, um so rasch wie möglich Öl einzulagern. Entsprechende Aufträge seien per Eilentscheidung schon erteilt worden, sagt Zwick. Auch bei vielen Industrieanlagen stünden aktuell solche Entscheidungen an, stellt Hüther fest. Und: „Lieber heizen wir mit Öl, als die Leute im Kalten sitzen zu lassen.“ Mit diesen Maßnahmen könnten sie die priorisierten Kunden auf jeden Fall versorgen.
Die Wasserversorgung
Weil ein Ausfall der Gaszufuhr auch Folgen für die Stromzufuhr haben könnte, haben die Werke zudem die Funktion ihrer Wasserversorgung überprüft und erneuert. Denn ohne Strom funktioniert keine jener Pumpen, die Wasser aus Brunnen in Hochbehälter befördern, und letztlich auch keine Aufbereitungsanlage. Notfallpläne gab es zwar auch vorher, erläutert der Werkleiter, doch diese waren ausgelegt, um punktuelle Stromausfälle auszugleichen, etwa mit einzelnen Stromaggregaten.
Jetzt haben die Mitarbeiter im Wasserwerk allerdings einen Stromausfall von rund 100 Stunden im gesamten Verbandsgebiet angenommen und darauf die Stromversorgung ihres Anlagenverbundes angepasst. So wurde für die beiden Wasserleitungsnetze – im Wieslautertal und im Sauertal – genau erarbeitet, welche Anlagen unbedingt in Betrieb gehalten werden müssen, um die Trinkwasserversorgung aufrechtzuerhalten. Und für diese wurden zusätzliche Stromaggregate beschafft. Alle Anlagen des Wasserverbundes, stellt Hüther fest, seien von Anfang an so gebaut worden, dass sie mit Notstrom versorgt werden können. Wasser darf übrigens nicht abgestellt werden, betont der Werkleiter – aus Gründen des Seuchenschutzes, denn die Fäkalien-Entsorgung muss sichergestellt werden.
Die Entsorgung
Fünf Kläranlagen werden betrieben, und sie verfügen bereits über Aggregate. Aber es gibt noch 48 Pumpwerke, die Strom benötigen. Auch in diesem Bereich wurde die Ausstattung um ein mobiles Aggregat ergänzt.
Um die Beschaffung der Aggregate haben sich übrigens Wassermeister, Abwassermeister und Elektromeister gekümmert, denn für ihre Anlagen sind nicht alle Geräte geeignet. Und mittlerweile macht sich auch auf diesem Markt der Mangel breit: Für eine Neubestellung hätten sie mit 60 Wochen Wartezeit rechnen müssen, sagt Hüther. Aber sie hätten Glück gehabt und auf direkte Nachfrage bei einem Hersteller noch zwei Aggregate bekommen. Die mobilen Aggregate sind übrigens nicht nur bei den Werken einsetzbar, sondern auch bei der Feuerwehr, stellt Zwick fest.
Energie sparen
Auch die EU hat inzwischen zum Energiesparen aufgerufen. In der Verwaltung beteiligten sie sich daran, sagt Zwick. So wurden etwa Durchlauferhitzer in Toiletten abgeschaltet. Zugute komme ihnen nun auch, dass die komplette Beleuchtung in den Orten längst auf LED umgestellt worden sei. Dadurch sei der Verbrauch aller Gemeinden im Zehn-Jahres-Zeitraum im Schnitt um etwa 68 Prozent gesunken.
Für das Felsland Badeparadies ist übrigens keine Temperatursenkung geplant. Denn diese hätte Auswirkungen auf den Verbund von Wärme- und Stromerzeugung, in den das Bad eingebunden ist, und könnte dazu führen, dass Strom zum hohen Marktpreis zugekauft werden müsste. Der Spareffekt würde verpuffen.