Lemberg / Ludwigswinkel
Minuten vor dem tödlichen Unfall wurde ein Video aus dem fahrenden Auto gepostet
Der RHEINPFALZ liegt ein Video vor, das sich seit Montag über die sozialen Medien verbreitet. Es handelt sich dabei nicht um das Originalvideo. Jemand hat das Video auf einem Handy aufgerufen und die Wiedergabe gefilmt. Ein Ton ist dabei nicht zu hören. Die Kamera ist elf Sekunden lang auf das Armaturenbrett des Autos gerichtet. Durch das Seitenfenster auf der Fahrerseite sieht man, dass es mit zügiger Fahrt durch den Wald geht, Böschung und Bäume ziehen rasant vorbei. Man sieht eine Lenkbewegung des Fahrers nach rechts, dann ist das Video zu Ende. Auf dem Originalvideo wird die Uhrzeit 17.26 Uhr eingeblendet. Durch Spiegelungen auf dem Display des Wiedergabehandys lässt sich nicht erkennen, welche Geschwindigkeit das digitale Instrument im Cockpit anzeigt.
Es ist davon auszugehen, dass die 18-jährige Beifahrerin das Video aufgenommen und direkt im Anschluss gepostet hat. Auf welcher Plattform sie das tat, lässt sich nicht erkennen. Es ist davon auszugehen, dass es ein Post in Storyform war, der nur 24 Stunden lang abrufbar ist.
Unfall wenige Minuten später
Die Polizei gibt an, dass sich der Unfall um 17.30 Uhr auf dem Braunsberg ereignet hat, also nur wenige Minuten nachdem das Video aufgenommen wurde. Wie es zu dem Unfall kam, ist noch nicht geklärt. Ein Gutachter hat direkt nach dem Unfall die Ermittlungen aufgenommen. Die Strecke auf der L487 war von Sonntag- bis Montagnachmittag gesperrt, zunächst wegen der Unfallaufnahme und der Begutachtung, später wegen der Aufräum- und Reinigungsarbeiten. Wer die Strecke nach der Freigabe befährt, sieht an der Unfallstelle noch die Markierungen auf dem Straßenbelag und die aufgewühlte Stelle, an der ein Wagen in die Böschung geschleudert wurde.
Was geschah, das ist aus dem Polizeibericht bekannt. Auch die Staatsanwaltschaft hatte sich am Montag auf Nachfrage der RHEINPFALZ geäußert. Der 27-Jährige aus der Südwestpfalz geriet demnach mit seinem hoch motorisierten Auto auf dem Braunsberg in den Gegenverkehr. Er streifte zunächst zwei Autos, dann stieß er frontal auf ein drittes, entgegenkommendes Auto. Einer der beiden Wagen wurde nach dem Zusammenstoß in die Böschung geschleudert. Im Wagen, auf den der 27-Jährige stieß, saß ein Ehepaar aus Baden-Württemberg. Die beiden wurden so schwer verletzt, dass sie noch am Unfallort starben. Der 27-Jährige und seine 18-jährige Beifahrerin wurden schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht. Der Mann befand sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft zeitweise in Lebensgefahr. Wie es der Beifahrerin geht, ist nicht bekannt.
Heftige Reaktionen
In den Unfall verwickelt waren vier Fahrzeuge und acht Menschen. Die vier Insassen der beiden Wagen, die nur gestreift wurden, kamen mit leichten Verletzungen davon. Zwei Hunde blieben unverletzt.
Die Ermittlungen zur Unfallursache laufen, die Polizei selbst wollte keine über den Bericht von Montagmorgen hinausgehenden Angaben machen. Ob bei dem Unfall Alkohol oder Drogen im Spiel waren, wird untersucht, ist aber noch nicht bekannt, weil die Ergebnisse der Blutuntersuchung noch nicht vorliegen. Wie schnell der 27-Jährige beim Unfall gefahren ist, wird der Gutachter ermitteln. Bis Montag hatte sich bei der Polizei niemand gemeldet, der zuvor auf der Strecke von dem 27-Jährigen möglicherweise riskant überholt worden war.
Berichte über den Unfall lösen seit Montag etwa auf Facebook heftige Reaktionen aus. Dabei wurde in Kommentaren immer wieder auf einen früheren Beitrag des 27-Jährigen in einem sozialen Netzwerk verwiesen. Dort hatte er das Zitat „Speed has never killed anyone. Suddenly becoming stationary, that’s what gets you“ des britischen Automagazin-Moderators Jeremy Clarkson gepostet. Übersetzt heißt das: Geschwindigkeit hat noch nie jemanden getötet. Plötzlich stehenzubleiben, das ist es, was einen umbringt.