Pirmasens / Rodalben RHEINPFALZ Plus Artikel Krankenhaus: Rodalber Standort wird wohl aufgegeben

Das Rodalber Krankenhaus ist seit Jahren sanierungsbedürftig. Doch selbst wenn die Klinik brandneu wäre, ist sie zu klein zum Üb
Das Rodalber Krankenhaus ist seit Jahren sanierungsbedürftig. Doch selbst wenn die Klinik brandneu wäre, ist sie zu klein zum Überleben, sagen die Gutachter.

Ein gemeinsamer Standort in Pirmasens für das Städtische Krankenhaus und das St. Elisabeth Rodalben wird wahrscheinlicher. Ein externes Gutachten empfiehlt die Aufgabe des Gebäudes in Rodalben. Die beiden Kliniken sollen fusionieren, in Pirmasens würde angebaut.

Details sind noch nicht ausgearbeitet, doch diese grobe Richtung traf am Mittwoch auf breite Zustimmung bei politischen Vertretern und den Krankenhaus-Leitungen. Laut Gutachten sollen nicht alle 155 Betten des Rodalber Hauses übernommen werden. Zusammen mit den bisher rund 400 Betten in Pirmasens (davon 90 in der Psychiatrie) soll das neue vereinte Klinikum etwa 500 Betten bieten. Bis zur Umsetzung der Pläne – und damit bis zur Aufgabe des Gebäudes in Rodalben – dürften vier bis fünf Jahre vergehen.

Rodalbens Stadtbürgermeister Claus Schäfer zeigte sich am Mittwoch wenig erfreut über den geplanten Weggang der Klinik aus Rodalben: „Ich bin schon enttäuscht.“ In welcher Höhe der Stadt Einnahmen wegbrechen werden, wolle er in den nächsten Tagen mit der Verwaltung ausrechnen. Der Bürgermeister vermutet, dass die Rodalber die Aufgabe des Standorts hart treffen würde. „Die Bevölkerung wird das nicht akzeptieren.“

Allein keine Chance

Verbandsbürgermeister Wolfgang Denzer hingegen spricht von einer Entwicklungschance für die Region. Das St. Elisabeth-Krankenhaus verkörpere einen hohen Traditionswert in Rodalben, es sei für die Einwohner ein starker Faktor der Identifikation und für die Stadt ein Qualitätsmerkmal. Doch das Gutachten der Firma Curacon belege glaubhaft, dass die kleine Klinik allein nicht langfristig auf dem Markt bestehen kann – auch wenn das Krankenhaus und seine Mitarbeiter Bemerkenswertes geleistet hätten, um Angebot und Leistungen trotz schwieriger Umstände hochzuhalten. „Wir können uns nicht verschließen vor den Entwicklungen der vergangenen Jahre“, sagte der Verbandsbürgermeister. Zur geplanten Fusion mit dem Städtischen betonte Denzer: „Wir sehen es alle, wie wir hier sitzen, als Chance.“

Laut Christian Heitmann, Leiter der Unternehmensberatung bei Curacon, zeige die Erfahrung der vergangenen Jahre, dass Krankenhäuser, die weniger als 500 Betten bieten, langfristig schlechte Aussichten haben. Somit wäre auch das Städtische in Pirmasens am Ende zu klein. Rodalben indes kranke nicht nur am Sanierungsstau: Nach Ansicht der Gutachter könnte das Haus in ein paar Jahren auch dann nicht mehr bestehen, wenn es bereits vollständig renoviert wäre. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen, so betonte der Gutachter, habe sich das Krankenhaus in den vergangenen Jahren allerdings erstaunlich gut behauptet. Das liege nicht zuletzt an der Hingabe und Treue der Mitarbeiter zu ihrem Haus.

Ersatz für Rodalben gesucht

Landrätin Susanne Ganster betonte, dass der Landkreis, der verpflichtet ist, die medizinische Versorgung seiner Einwohner sicherzustellen, die Entwicklung begleitet und unterstützt. Die Verwaltung habe geprüft, ob sich der Kreis auch finanziell einbringen kann, etwa als Gesellschafter in einer GmbH. Doch dazu bestehe „rechtlich keine Verpflichtung“, es wäre also eine freiwillige Leistung. Angesichts klammer Kassen habe die Aufsichtsbehörde ADD bereits signalisiert, dass ein solcher Antrag abgelehnt würde.

Man sei über die empfohlene Aufgabe des Rodalber Standorts nicht erfreut, Ziele müssten jetzt aber die Sicherung der medizinischen Versorgung in der Region sowie Sicherheit für die Mitarbeiter im St. Elisabeth sein. Das Krankenhaus ist der größte Arbeitgeber in der Stadt, der Gebäudekomplex ist die größte Immobilie im Zentrum. Denzer mahnte, dass nun überlegt werden muss, wie es in Rodalben weitergeht. „Es kann nicht unser Ziel sein, eine Bauruine im Zentrum der Stadt zu haben.“

Dazu versprach die Landrätin, dass frühzeitig über einen Ersatz für die verlorene Einrichtung gesprochen werden soll – etwa in Form eines ambulanten medizinischen Zentrums. Konzepte für die Zeit nach der Schließung müssten schnell entwickelt werden. „Das gilt es nun, von Anfang an mitzudenken“, sagte Ganster.

Mitarbeiter übernehmen?

Günther Merschbächer, Geschäftsführer von St. Elisabeth, sagte im Namen der Marienhaus-Unternehmensgruppe: „Wir teilen die Aussagen des Gutachters uneingeschränkt.“ Die Option, mit dem Städtischen in Pirmasens zu fusionieren, hatte sich ergeben, nachdem die Marienhaus-Gruppe Ende Sommer vergangenen Jahres angekündigt hatte, sich als Betreibergesellschaft aus Rodalben zurückzuziehen.

Wie viele Mitarbeiter nach Pirmasens wechseln könnten, ist derzeit völlig unklar, sagte Staatssekretär Alexander Wilhelm auf Nachfrage. Doch er sehe gute Chancen, besonders in Anbetracht des Fachkräftemangels in der Medizin und Pflege. „Meine Wahrnehmung ist, dass alle weiter beieinander sind“, meinte der Staatssekretär, der schon in der Vergangenheit die Zusammenarbeit der Beteiligten gelobt hatte: Die Leiter der beiden Krankenhäuser, ebenso wie die politischen Vertreter aus den Städten, dem Landkreis sowie die Landtagsabgeordneten aus der Region hätten verstanden, was auf dem Spiel steht, und rechtzeitig das Gespräch miteinander gesucht. Wenn man deutlich mache, dass die Versorgung sichergestellt ist und Arbeitsplätze erhalten bleiben, „bin ich mir sicher, dass sich die Menschen in der Region von dieser Lösung überzeugen lassen.“

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