Pirmasens
Städtisches Krankenhaus bekommt bei Fusion rund 100 Betten dazu
Gesundheitsstaatssekretär Alexander Wilhelm und Oberbürgermeister Markus Zwick gaben am Mittwoch das Ziel vor, Gutachter Christian Heitmann von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon erläuterte den Weg dorthin. In der Südwestpfalz müsse eine stationäre Versorgung auf hohem Niveau und gut erreichbar dauerhaft sichergestellt werden, sagten Wilhelm und Zwick fast wortgleich. Wegen der kurzen Distanz zwischen Pirmasens und Rodalben sei eine Zusammenarbeit der beiden Krankenhäuser naheliegend, meinte Wilhelm. Er versprach: Das Land werde eine Fusion der beiden Kliniken mit Anbau in Pirmasens finanziell „maximal“ unterstützen. „Wir gehen da bis an unsere Schmerzgrenze“, sagte Wilhelm.
Rodalben kann allein nicht überleben
Diskussionen über Krankenhäuser und die stationäre Versorgung seien „hochemotional“, sagte der Geschäftsführer des Städtischen Krankenhauses, Martin Forster. Deshalb oblag es Gutachter Heitmann, in aller Nüchternheit die Fakten zu präsentieren, die für eine Zusammenlegung der Krankenhäuser Rodalben und Pirmasens am Standort Pirmasens sprechen. Rodalben mit seinen 155 Planbetten und im Schnitt über 5800 Krankheitsfällen im Jahr könne auf Dauer alleine nicht überleben. Hinzu komme der hohe Sanierungsstau, der Investitionen in erheblichem Umfang erfordern würde.
Zusätzlicher OP-Bereich erforderlich
Krankenhäuser brauchten eher über 500 Betten, um wirtschaftlich betrieben werden zu können, sagte Heitmann. Das „Städtische“ hat knapp 400 Betten, bekommt aber von dem Gutachter ein gutes Zeugnis ausgestellt. Die Klinik sei breit aufgestellt in der Grund- und Regelversorgung, aber auch mit Fachabteilungen. Die Behandlungsfälle steigen (17.500 im Jahr 2019, plus 4,3 Prozent), das zeige, dass die Bevölkerung das Krankenhaus annimmt. Und Notfälle würden schon jetzt überwiegend in Pirmasens versorgt. Ein fusioniertes Krankenhaus käme auf 490 bis 510 Betten, das Versorgungsgebiet bliebe das gleiche – mit nach wie vor akzeptablen Anfahrtswegen von nicht mehr als 30 Minuten. Eine Voraussetzung für ein gemeinsames Krankenhaus seien allerdings beträchtliche Investitionen am Standort Pirmasens, betonte Heitmann mehrmals. Neben zusätzlichen Betten sei auch mindestens ein zusätzlicher OP-Bereich erforderlich. Für die Finanzierung der Baumaßnahmen ist das Land zuständig.
„Das ist ein dickes Ding, das wir da zu stemmen haben“
Drei bis fünf Jahre fürs Planen und Bauen würde ein Umzug nach Pirmasens in Anspruch nehmen. Solange soll der Krankenhausbetrieb in Rodalben aufrechterhalten werden. Die 300 Mitarbeiter in Rodalben müssten nicht um ihre Jobs bangen, hieß es am Mittwoch. „Das ist ein dickes Ding, das wir da zu stemmen haben“, sagte der Geschäftsführer des Städtischen Krankenhauses, Martin Forster. Entsprechend gebe es keine Hurrastimmung, „der Erfolg muss erst noch erarbeitet werden“, so Forster.
Der Geschäftsführer des Krankenhauses Rodalben, Günter Merschbächer, unterstützt die Fokussierung auf Pirmasens. Nun müssten die Pläne für den Standort Pirmasens konkretisiert sowie medizinische und wirtschaftliche Konzepte erarbeitet werden. Eine Perspektive sieht Merschbächer darin, den Krankenhaus-Standort Pirmasens als Zentrum der Notfallversorgung in der Südwestpfalz zu etablieren.
Erarbeitet werden muss auch die rechtliche Form des Zusammenschlusses. Klar ist nur: Der Landkreis wird sich nicht aktiv in eine künftige Krankenhausgesellschaft einbringen können. Das wäre eine freiwillige finanzielle Leistung und die habe die Aufsichtsbehörde ADD nicht genehmigt, sagte Susanne Ganster. Die Landrätin unterstützt die Pläne einer Krankenhaus-Zusammenlegung. Ihr gehe es um eine gute Versorgung aller Bürger im Landkreis. Deshalb wolle sie die Fusionsgespräche weiterhin begleiten, sagte sie.
Einwurf:
Der Plan, die Krankenhäuser Pirmasens und Rodalben zu fusionieren, ist aus der Not geboren: Das St. Elisabeth-Krankenhaus in Rodalben ist zu klein und hat allein keine Zukunft. Und der Krankenhaus-Standort Pirmasens erreicht mit der Fusion eine betriebswirtschaftlich vernünftige Größe. Deshalb hält sich der Widerstand in Grenzen.
Die heikelste Aufgabe steht aber noch bevor: aus zwei Häusern eins zu machen, ohne dass sich insbesondere die Ärzte, Pfleger oder Verwaltungsangestellten aus Rodalben wie Fremdkörper in Pirmasens fühlen. Diese Integration ohne persönliche Verletzungen zu bewältigen wird deutlich schwieriger sein als den Umbau und Umzug zu organisieren. Damals, vor bald 15 Jahren, bei der Übernahme der Krankenhaus-Mitarbeiter aus Dahn, war deren Integration ins „Städtische“ grandios gescheitert.