Münchweiler
Konversion nach Abriss des US-Hospitals: Nur der Kirchturm bleibt als Erinnerung
Als im Jahr 1992 bekannt wurde, dass das US-Hospital in Münchweiler aufgegeben wird, war das ein Schock für die Region. Immerhin war es viele Jahre ein großer Arbeitgeber im Dorf. Das neue Thema: Konversion. Die Frage lautete: Was passiert mit der freiwerdenden, noch bebauten Fläche?
Das Geisterdorf könnte verwildern, lautete die Befürchtung 1994. Nicht nur Schlagzeilen, sondern auch Ideen für die Nachnutzung gab es zuhauf – zunächst. Vorschläge gab es reichlich: eine Psychiatrie, ein Weiterbildungszentrum, ein „Hobit“ (Holz-Bund-Biomassen-Technologiepark), ein Altersheim mit Schönheitsfarm, Erlebnisgastronomie, Ferienwohnungen. Eile war angesagt, denn der erstmals im Jahr 1998 ins Gespräch gekommene neue Name „Gräfensteiner Park“ lag den Bürgern millionenschwer auf der Tasche. Wie im August 1998 informiert wurde, kostete der Unterhalt der ehemaligen US-Liegenschaft seit Truppenabzug 5,4 Millionen D-Mark.
Der Abriss beginnt
Laut der im Februar 1999 erstellten Broschüre „Gräfensteiner Park“ waren für die Konversionsfläche drei Kernabschnitte geplant: Wohnen, Kleingewerbe und Freizeitnutzung. Freizeit und Erholung sind jedoch auf der Strecke geblieben. Die Bereiche Wohnen und Kleingewerbe wurden jedoch eine Erfolgsgeschichte für das Investor-Unternehmen Bunker Hill Entwicklungsgesellschaft (BHE) der Gebrüder Peter und Michael Schweitzer aus Pirmasens. Die Firma erwarb im Juli 2004 mittels eines städtebaulichen Vertrages zwischen Land, Landkreis, Verbands- und Ortsgemeinde sowie der BHE die Berechtigung der Umnutzung. Die Erschließungskosten wurden auf 2,6 Millionen Euro prognostiziert.
Am 9. Dezember 2004 begann der Abriss: das Ende des Lazaretts. Die BHE ließ (fast) alle Gebäude dem Erdboden gleichmachen. „Eine Stadt verschwindet“ titelte DIE RHEINPFALZ damals. Stehen bleiben durften die kleine Kapelle – vorerst – und die Kommandeursvilla auf dem Husarenhügel. Wie DIE RHEINPFALZ auflistete, wurden 65.000 Tonnen Entsorgungsmaterial und mehr als 16.000 Tonnen recyclingfähiger Beton entsorgt.
Landesrechnungshof rügt Konversionsprojekt
Nochmals Aufregung gab es im Januar 2006, als ein faunistisches Gutachten feststellte, dass auf dem Gelände schützenswerter Borstgras- und Sandrasen wachsen. Es wurde beschlossen, diese auf den Braunsberg umzusiedeln. Die Erschließung lief. Schneller als angenommen, setzte die Bebauung ein. Die herrliche Baulage war heiß begehrt.
Nochmals gab es Schlagzeilen, als der Landesrechnungshof im März 2015 das Konversionsprojekt rügte. Die Planungen seien ohne Wirtschaftlichkeitsberechnung angelegt worden. Es wurden diverse Fehler und Versäumnisse aufgelistet.
Nur der Kirchturm bleibt übrig
Bereits im Mai 2009 empörte sich der damalige Bürgermeister Georg Denz: „Mich hat fast der Schlag getroffen.“ Warum? Die noch erhaltene, mittlerweile im Innern total verwüstete kleine Kirche sollte ebenfalls der Abrissbirne zum Opfer fallen. Hektisch wurden Lösungen zur Nutzung gesucht. Eine Auswahl der Ideen: Pfalz-Akademie für Chöre, Museum zur Erinnerung an US-Zeiten, Kirchendisco ähnlich des damaligen Spirits in Pirmasens, Parkcafé.
Nichts davon wurde wahr. Am 27. April 2011 flogen die Keulen der Abrissbirne. Gerettet wurde lediglich der hölzerne Kirchturm. Erst im Oktober 2020 fand dieses einzige Relikt aus der Lazarettgeschichte seinen endgültigen Platz am Vereinsheim „De Club“ des Musikvereins. Das Gebäude war ehemals der Offiziersclub der Soldaten, den der Musikverein umgebaut und saniert hat.
Absage an Erschließung der Restfläche
Übrig ist nun eine Fläche von 50.000 Quadratmetern. Sie war ursprünglich für Erholung und Freizeit vorgesehen. Wegen Unwirtschaftlichkeit wird sie nicht erschlossen. Auf RHEINPFALZ-Nachfrage erklärte Bunker-Hill-Geschäftsführer Peter Schweitzer: „Die Situation am Bau ist schwierig. Die Erschließung der Fläche derzeit zu teuer. Insgesamt ist keine Wirtschaftlichkeit zur Umsetzung zu erkennen.“ Eine klare Absage an die Erschließung.
Rezession, Inflation, hohe Preise im Bausektor sowie erhöhte Zinsen bei Krediten würden vom Bauen fernhalten, sagt Ortsbürgermeister Timo Bäuerle. Ein Zweckverband (Kreisverwaltung, Verbandsgemeinde und Gemeinde) arbeite mit der Entwicklungsgesellschaft als Vertragspartner zusammen. Allerdings liege die Erschließung aufseiten der BHE, da habe die Gemeinde keinen Einfluss.
Spekulationen wegen Rodungsarbeiten
Bäuerle erinnert daran, dass noch vor vier Jahren, als die Zinsen niedrig waren, eine sehr hohe Nachfrage nach Baugrundstücken bestanden hatte. „Das hat sich radikal geändert“, sagt er. Seit fast drei Jahren gebe es praktisch keine Anfragen mehr. Ungefähr zwei bis drei Nachfragen nach Baugrundstücken seien bekannt, „benötigt werden aber 40 zuverlässige Bauinteressenten,“ macht der Ortsbürgermeister deutlich.
Die Restfläche von 50.000 Quadratmetern Größe im Neubaugebiet wächst nun wieder zu – sie war Ende des Jahres 2021 gerodet worden. Die Baumfällarbeiten hatten wilde Spekulationen im Dorf nach sich gezogen. Der Ortsgemeinderat befasste sich bereits mit „Vergaberegelungen für Bauplätze“. Peter Schweitzer habe jedoch informiert, dass die Rodungen nur landespflegerische Maßnahmen gewesen seien, stellte Bäuerle klar.
Info
Über die Geschichte des US-Hospitals von den 1950er bis in die 1990er Jahre: Erinnerungen an pfälzisches US-Hospital: PX, Kaugummi und eine Klinik auf Schienen