Dahn / Hinterweidenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Konditorei Zürn hofft auf Hilfe

„Bleiben Sie gesund“ - Vitamine in Form von Mandarinen verschenkt Gabor Nemeth (links) vom Café Zürn in Hinterweidenthal.
»Bleiben Sie gesund« - Vitamine in Form von Mandarinen verschenkt Gabor Nemeth (links) vom Café Zürn in Hinterweidenthal.

Mut machen statt Klagen – deshalb wurden in der Bäckerei Zürn am Samstag Mandarinen an die Kunden verteilt. Als Vitaminspritze und Aufmunterung im Corona-Herbst. Viel Mut müssen sich die Inhaber auch selbst zusprechen. Denn noch immer wissen sie nicht, ob sie im zweiten Lockdown Hilfe bekommen.

Es ist Mitte November und bald werden die Löhne ausbezahlt. Bald müssen die Chefs auch entscheiden, wie es im Betrieb weitergehen soll. Wie sie entscheiden sollen, wissen sie allerdings bei der Zürn GmbH, Bäckerei und Konditorei mit zwei angeschlossenen Cafés in Hinterweidenthal und Dahn, noch nicht. Denn ob sie profitieren werden von der so genannten Novemberhilfe für Unternehmen, die vom verordneten Teil-Lockdown betroffen sind, ist für sie noch unklar. Ende Oktober habe die Bundesregierung finanzielle Hilfen angekündigt, doch dabei Betriebe wie den ihren schlicht vergessen, sagt Gabor Nemeth, der sich gemeinsam mit den Geschäftsführerinnen Lena und Kathrin Zürn um den Betrieb kümmert und seit Ausbruch der Pandemie mit den Hilfsprogrammen beschäftigt ist.

Sonderregelung nur für Lokale?

Der Betrieb, unter dessen Dach Bäckerei und Cafés laufen, passt nämlich nicht in die Kategorie jener Gastronomen, denen im aktuellen Lockdown geholfen werden soll; dabei geht es um eine Soforthilfe, die 75 Prozent des Umsatzes aus dem Vorjahres-November betragen soll. Da der Standort Dahn mit Bäckerei und Café erst Anfang 2020 dazu kam und sich die Gesellschaft neu aufgestellt hat, wäre dies keine Option. Allerdings könnte der Familienbetrieb stattdessen 75 Prozent des Vormonatsumsatzes anführen. Also von Oktober 2020, der freilich auch unter Corona litt. Soweit die Theorie. Denn es gibt Haken, wie Gabor Nemeth erläutert.

Für Restaurants gilt laut Bundeswirtschaftsministerium eine Sonderregelung, wenn sie noch Speisen im Außer-Haus-Verkauf anbieten. Sie erhalten eine Erstattung von 75 Prozent der früheren Umsätze nur auf die im Restaurant verzehrten Speisen, nicht auf Speisen zum Mitnehmen oder auf ausgelieferte Speisen, wofür der reduzierte Mehrwertsteuersatz gilt. Im Gegenzug werden dann aber Umsätze des Außer-Haus-Verkaufs während der aktuellen Schließung nicht bei der Berechnung der Hilfe mitgezählt – um den Außer-Haus-Service der Lokale nicht auch noch auszubremsen.

Ob es Hilfe gibt, ist unklar

Die Zürn GmbH fällt nach aktuellem Stand nicht unter diese Sonderregelung. Denn ihr Bäckerei-Ladenverkauf gelte nicht als Außer-Haus-Verkauf, verdeutlicht Nemeth, werde voll angerechnet bei der Berechnung der Hilfe. Anders eben als bei Lokalen. Dabei seien doch Konditoreien mit Cafés genauso betroffen wie Lokale, meint er. Eine Einschätzung, die der Deutsche Konditorenbund teilt: Bei einer Konditorei handele es sich schließlich auch um einen Mischbetrieb wie beispielsweise eine Pizzeria, die einen Lieferdienst betreibt.

Ob es für Konditoreien also ebenfalls eine Hilfe wie für Restaurants geben wird, ist nicht klar. Fest steht bisher nur: Die laufenden Kosten bleiben. Miete muss bezahlt werden, auch der Lohn. 22 Mitarbeiter inklusive Aushilfen beschäftigt der Betrieb. Sie sollen möglichst gehalten werden, doch Aushilfen wurden inzwischen schon freigestellt.

Es ist die Ungewissheit, die allen im Betrieb schlaflose Nächte bereitet. Werden die Cafés im Dezember wieder öffnen können und wie wird die Weihnachtssaison, ihr Hauptgeschäft? Die Spontankäufe der Café-Besucher, die an der Bäckerei-Theke noch etwas mitnähmen, fehlten ihnen, stellen Lena und Kathrin Zürn fest. Dazu die Firmen, die Weihnachtspräsente bestellen, Hotels und Gastronomen, die sie beliefern.

Im Sommer wieder aufgeholt – bis November

Für die Geschäftsführerinnen ist die Situation umso frustrierender, nachdem sie sich im Sommer wieder etwas hochgekämpft hatten. Nach der ersten Zwangspause im Frühjahr hätten sie über 60 Prozent ihres Umsatzes verloren – und diesen Rückstand bis auf 13 Prozent wieder aufgeholt. Bis der zweite Lockdown kam. Das, stellt Lena Zürn fest, holten sie nun nicht mehr auf.

„Wir versuchen, positiv zu denken“, sagen sie und ihre Schwester. Deswegen hätten sie auch die Überraschungsaktion mit den Mandarinen angesetzt: um ihren treuen Kunden einmal zu danken. Nur, wenn alle zusammenhielten, kämen sie schließlich durch diese Krise.

Dass dies auch für ihre Kunden keine einfache Zeit ist, wissen sie. Manche träfen sich jede Woche im Café, weil es daheim für sie nicht möglich sei, sagt Kathrin Zürn – eine Möglichkeit, die ihnen nun ausgerechnet im tristen November genommen worden sei.

Regeln für alle?

Dass angesichts steigender Infektionszahlen etwas getan werden musste, können sie verstehen. Nicht aber, dass Regeln nicht für alle gelten. In Leipzig, kritisiert Lena Zürn, sei eine große Demo erlaubt worden. Aber sich in einem Café mit Hygienekonzept mit einer Freundin zu treffen, sei nicht möglich. Gerade jene, die sich an Regeln hielten, müssten nun leiden. Sie sagten nicht, dass die Politik versagt habe, aber die aktuelle Lage sei schlecht. „Wir fühlen uns allein gelassen.“

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