Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Jetzt auch noch Partner weg: Missgeschick macht Storch zum Opfer der Evolutionstheorie

Der Pechvogel (hinten) hat das Bein mit dem Plastikkörbchen fast ganz im Federkleid versteckt.
Der Pechvogel (hinten) hat das Bein mit dem Plastikkörbchen fast ganz im Federkleid versteckt.

Der vor zwei Wochen gesichtete Storch mit einem Fremdkörper am Bein ist zum echten Pechvogel geworden. Seine feste Verbandelung mit seinem Partner ist in die Brüche gegangen.

Seit der Veröffentlichung des Missgeschickes des Storches in der RHEINPFALZ stehen die Stelzenvögel bei den Bewohnern und Naturfreunden im Hornbachtal und Zweibrücker Land unter intensiver Beobachtung. Immer wieder gehen Mitteilungen beim Nabu in Zweibrücken ein, wo der Storch gesichtet wurde. Genau diese scheinbare Rastlosigkeit des Stelzenvogels mit dem Plastik-Blumentöpfchen am Bein ist ein Dilemma für den Storch mit der Nummer AL737. Er war in Althornbach bereits eine Verbindung zur Familiengründung eingegangen, sodass klar war, wo man ihn im Tagesverlauf antreffen kann. Nun sind es Glückstreffer, wenn man sich auf seine Suche macht.

Das Verhalten auf dem Nest entsprach einer festen Partnerschaft mit dem ebenfalls beringten Storch. Die Verbindung ist jetzt schnell in die Brüche gegangen. Das betrübt die Vogelfachleute des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) vor Ort. Der Storch mit der Ringnummer AV836 hat umgehend einen neuen Ehebund mit einem Storch ohne Beringung geschlossen. Dies ist auf mehreren Fotos der vergangenen Tage zu sehen.

Schicksalsschlag: Missgeschick folgt Trennung

Für die Vogelfachleute ist der Grund weitgehend eindeutig, weshalb der Partner auf dem Althornbacher Nest die Verbindung mit dem „Sonderling“ nicht mehr fortsetzen wollte. Für Norbert Fakundiny vom Nabu aus Kleinsteinhausen steht fest, dass der verstoßene Storch ein Opfer der natürlichen Auslese nach der Darwin’schen Evolutionstheorie geworden ist. Der Plastikabfall, der in den Gelben Sack gehört, hat dem Storch seinen vererbten Lebenstraum einer glücklichen Partnerschaft zumindest gegenwärtig ausgelöscht. Er wird mit seiner Beeinträchtigung vermutlich keinen neuen Partner mehr finden. Der Fremdkörper behindert ihn zudem noch spürbar bei der Futtersuche, beim Anflug und der sicheren Landung auf dem Nest.

Große Sorgen macht man sich nicht nur bei den Vogelfreunden im Pirminiusland und Raum Zweibrücken, sondern auch beim Storchenzentrum in Bornheim und der Vogelwarte Radolfzell. Die erfahrenen Vogelbeobachter gehen davon aus, dass der Zehenbereich des Storches durch das scharfkantige Plastik aufgeritzt werden wird, weil der Storch ständig damit herumlaufen muss. Dies dürfte letztlich zu einer Entzündung führen, die dem Storch Schmerzen bereitet. Der Entzündungsherd könnte sich auch noch so entwickeln, dass es für den Storch lebensbedrohlich wird.

Die Chancen, dass der Storch einmal so günstig mit dem Töpfchengeflecht hängenbleibt, dass er das Töpfchen vom Fußbereich abstreift, scheint gering. Schließlich sind Hecken und Dornengebüsch nicht der Lebensraum, wo der Storch nach Nahrung sucht.

Rettungsideen nicht umsetzbar

In ihrer Ausgabe vom Donnerstag, 12. März, hatte die RHEINPFALZ die Nachricht von Milla Schöndorf aus Zweibrücken unter der Rubrik Leserbriefe veröffentlicht. Die Grundschülerin schlägt vor, man solle von vier Seiten mit einem Netz auf den Storch zugehen, um das Netz schließlich über ihn werfen zu können. Danach könne man ihn von seiner Behinderung am Bein befreien. Das könnte jedoch schwierig werden, denn der Storch kann fliegen und er hat auch einen ausgeprägten Fluchtreflex, sodass er ab einer gewissen für ihn bedrohlichen Annäherung wegfliegt. Er vermag als Tier nicht einzuschätzen, dass eine solche Aktion zu seiner persönlichen Erlösung von dem Plastiktöpfchen am Bein geschieht. Auch an der Geschwister-Scholl-Schule in Blieskastel war man über das Problem des Storches betrübt. Dort machten die Schüler deutlich, dass Wohlstandsmüll auch aus solchem Grund nicht in die Landschaft gehört.

Die RHEINPFALZ hat mit dem Foto des Storches bei der Vogelwarte Radolfzell am Bodensee gefragt, ob die Fachleute dort einen Vorschlag hätten, wie man dem Storch helfen könne. „Leider kann man Störche nur einfangen, wenn sie flugunfähig sind“, lautete die Antwort. Es sei schon vorgekommen, dass Störche sich bei der Futtersuche etwas um den Schnabel gewickelt hatten, was ihnen die weitere Nahrungsaufnahme verhinderte. „In diesem Falle konnte dem Storch erst geholfen werden, als er so schwach war, das er nicht mehr flüchten konnte“, schreibt die Warte.

Mögliche Hilfeversuche, die die Vogelkenner vor Ort diskutieren, sind gegenwärtig nicht umzusetzen, da es vom Storch keinen beständigen Aufenthaltsort mehr gab. Er vagabundierte, wie die Nabu-Vogelschützer es bezeichnen, im Hornbachtal und Bickenalbtal herum, was man aus verschiedenen Mitteilungen von Spaziergängern, Radfahrern und Dorfbewohnern erfahren hat.

Würde der Storch eine neue Partnerschaft eingehen, könnte man ihn zumindest an einem festen Platz weiter beobachten. Durch seine Ringnummer AL737 kann man bei einer zukünftigen Sichtung auch wieder feststellen, ob der Storch den Plastiktopf doch verloren hat.

Neuer Aufenthaltsort gemeldet

Dem Nabu wurde mitgeteilt, dass sich der Storch im Bickenalbtal Richtung Mittelbach-Hengstbach aufhalten würde. Mit viel Ausdauer und Geduld konnte sich Christoph Domke aus Zweibrücken mit einem entsprechenden Fernglas überzeugen, dass es dem Storch noch gut geht. Er käme bei der Futtersuche in der Talaue erstaunlich gut voran, berichtet Domke. Beim Aufenthalt des Storches auf einem Baumnest hat er intensiv die Zehen des Storches betrachtet, eine Verletzung hat er bislang nicht festgestellt. Nur könne der Storch nicht mehr auf einem Ast landen oder stehen, was eine ungünstige Einschränkung ist, berichtet Vogelkenner Norbert Fakundiny aus Kleinsteinhausen.

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