Althornbach / Dietrichingen
Storch in Not: Warum Hilfe schwierig ist
Die Naturfreunde rund um Althornbach sind in Sorge. Zuletzt wurde ein Storch mit einem Fremdkörper am Bein beobachtet. Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass ein Zehenfuß des Tieres fest in einem kleinen Plastikblumentopf steckt, was den Storch in seinem Bewegungsablauf behindert.
Die über den Unglücksstorch benachrichtigten Vogelkenner des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland im Zweibrücker Land waren bereits vor Ort. Wegen der tierischen Notlage wurde auch ein Hilferuf an das Storchenzentrum Rheinland-Pfalz in Bornheim geschickt. Die Vorsitzende des Nabu, Miriam Krumbach aus Zweibrücken, hat der RHEINPFALZ die erste Reaktion von Christian Reis aus Bornheim mitgeteilt. Er sei bestürzt über das Pech des Storches. Dem Tier sei allerdings kaum zu helfen. Denn einen solch großen, flugfähigen Wildvogel könne man nicht einfangen. Es sei zu hoffen, dass das Tier den Fremdkörper vielleicht bald von selbst verliert.
Weitere Hilfe holen
Die Vogelkenner vor Ort sind skeptisch, ob dies noch möglich ist. Zum Glück könne der Storch noch fliegen, da das Töpfchen nur wenig Gewicht hat. Beim Laufen sei dieser aber eine große Behinderung – dies dürfte auch beim Landeanflug auf das Nest so sein. Norbert Fakundiny vom Nabu aus Kleinsteinhausen empfiehlt, der Nabu solle sich Rat und vielleicht sogar Hilfe beim Zoo in Neunkirchen oder Landau einholen. Ein Gespräch mit deren Fachleuten könne vielleicht eine Lösung bringen. Denkbar sei auch ein guter Rat eines Tierarztes. Möglicherweise gebe es jemanden, der im Umgang mit einem Blasrohr Erfahrung hat, um das Tier mit entsprechendem Abstand betäuben zu können, ergänzt Fakundiny. So oder so will man beim Nabu nichts unversucht lassen, um dem Storch zu helfen. Schließlich ist das Tier ins Hornbachtal zurückgekehrt, um für Nachwuchs zu sorgen.
Müllentsorgung schützt Tierwelt und Landschaft
Für die Vogelfreunde mache dieser Fall deutlich, dass es sich lohnt, Müll richtig zu entsorgen. Dieses Kunststofftöpchen oder Pflanzkörbchen gehöre in den Gelben Sack, dann finde es den richtigen Weg zur Wiederverwertung. Alles, was in die Landschaft geworfen wird, könne zum Problemfall werden.
Plastik generell sei eine Gefahr. Denn der Storch schleppe solche Tüten oder Teile in sein Nest, wo es oft den guten Abfluss des Regens durch das Astwerk behindert. Ist das Nest ständig feucht, könne dies gefährlich für den Nachwuchs werden, da dieser empfindlich auf Kälte und Nässe reagiert. Manchmal würgten die Altstörche mit dem eingesammelten Futter auch kleine Tütenstückchen des Kunststoffes aus, die der Nachwuchs nicht verdauen und auch nicht auswürgen kann. Im schlimmsten Fall führe das zum Tod der kleinen Störche.
Ringstörche vom Kirschbacherhof
Der Storch mit dem Fremdkörper am Bein trägt, wie sein Partner, einen Ring am Bein. Beide Tiere sind auf dem Kirschbacherhof geschlüpft und wurden dort beringt. Der Storch mit dem Beinproblem wurde 2014 auf dem Kirschbacherhof geboren. Er war schon in den vergangenen beiden Jahren auf dem Nestmast in der Pferdekoppel in Althornbach beobachtet worden, was die Datenbank der beringten Störche bei der Vogelwarte Radolfzell am Bodensee belegt. Der andere Storch erblickte 2016 das Licht der Welt auf dem Kirschbacherhof. Schon 2021 hat er in Althornbach Nachwuchs großgezogen. Beide Störche werden aufgrund ihres Alters als erfahren eingestuft, was als Vorteil für die Nachwuchsversorgung und den Vogelzug beurteilt wird.