Kreis Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Jüdischer Friedhof soll als Gedenkstätte erhalten bleiben

An den Friedhof erinnert ein Gedenkstein, der 1992 aufgestellt wurde.
An den Friedhof erinnert ein Gedenkstein, der 1992 aufgestellt wurde.

Der jüdische Friedhof Bubenhausen war in Vergessenheit geraten. Nun soll er als Gedenkstätte gewürdigt werden. Um das Projekt vorzustellen, wird für Dienstag, 22. Oktober, auf den Tag genau 84 Jahre nach der Deportation der letzten Juden aus der Pfalz, zu einer Veranstaltung in die Karlskirche eingeladen.

Beth Olam, Haus der Ewigkeit, lautet die hebräische Bezeichnung für einen Friedhof, wie Eberhard Dittus, Initiator der Veranstaltung, erklärt. Nach jüdischem Kultus zähle ein Friedhof, ebenso wie eine Synagoge, zu den heiligen Orten dieser Religion. Dittus sagt: „Jüdische Friedhöfe sind als denkmalgeschützte Ruhe- und Gedenkstätten auf ewig angelegt.“ Dittus ist Beauftragter der Evangelischen Kirche der Pfalz für Gedenkstättenarbeit und Beauftragter der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz zur Erhaltung jüdischer Friedhöfe in der Pfalz.

Friedhof ist weitgehend von Gestrüpp bewachsen

Mehr als 80 jüdische Friedhöfe gebe es in der Pfalz, sagt Dittus. An vielen Orten seien diese Friedhöfe „nach der Shoah die einzig sichtbare Erinnerung an die ehemals jüdische Geschichte, so auch in Zweibrücken“. Bei seinem Vortrag über die Friedhofs- und Bestattungskultur im Judentum wolle er auch den längst vergessenen Friedhof in Zweibrücken-Bubenhausen mit einbeziehen. Dabei solle es „auch darum gehen, wie dieser bedeutsame Ort als Gedenkstätte für die Zukunft erhalten bleiben kann“. Sebastian Klimo von der Unteren Denkmalschutzbehörde werde die dafür vorgesehenen Pläne präsentieren, kündigt Dittus an.

Erste Ideen wurden bei einem Ortstermin im Mai gesammelt. Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier sowie des städtischen Friedhofamtes und der Unteren Denkmalschutzbehörde machten sich selbst ein Bild von dem rund 1000 Quadratmeter großen Areal nahe des Neubaugebiets Beckerswäldchen am Ölkorb. Das Gelände des Friedhofs ist heute weitgehend von Gestrüpp bewachsen. Grabsteine, an die sich ältere Menschen erinnern, sind nicht mehr zu sehen. Warum das so ist, weiß derzeit niemand. Belegt war der Friedhof rund 50 Jahre, von 1821 bis 1870.

Anerkennungsverfahren kostet viel Zeit

Erhalten ist ein Gedenkstein, den Otto Mörz, Presbyter der protestantischen Gemeinde Zweibrücken-Ernstweiler, 1992 aufstellen ließ. Dieser könnte, so die Überlegung der Verantwortlichen, versetzt werden, damit er besser zur Geltung komme. Außerdem könnte er mit einem Zaun umgeben und einer Hinweistafel mit QR-Code versehen werden. Da der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, Eigentümerin des Friedhofs, die Mittel für das Projekt fehlten, wolle man einen Spendenaufruf starten, teilt Dittus mit. Laut RHEINPFALZ-Informationen sollen die Kosten im mittleren vierstelligen Bereich liegen.

Erst durch den Hinweis eines Zweibrückers war die Kultusgemeinde auf den alten jüdischen Friedhof Bubenhausen aufmerksam geworden. Er steht nicht auf der Liste der jüdischen Friedhöfe, die Dittus und ein Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde zweimal im Jahr bereisen. Um ihn in die Liste aufnehmen zu lassen, könne man ein Anerkennungsverfahren anstrengen, doch das koste viel Zeit, gibt Dittus zu bedenken.

Auch auf die jüngere Vergangenheit möchte Dittus bei der Veranstaltung eingehen, sagt er. Die Namen der Opfer, die am 22. Oktober 1940 von Zweibrücken nach Gurs deportiert wurden und die Begleitumstände, die dazu führten, sollen ebenfalls zur Sprache kommen. Im Anschluss an die rund eineinhalbstündige Veranstaltung können Fragen gestellt werden.

Info

Dienstag, 22. Oktober, 18 Uhr, in der Zweibrücker Karlskirche Veranstaltung für den Erhalt des jüdischen Friedhofs Bubenhausen mit Vortrag über Friedhofs- und Bestattungskultur im Judentum sowie Erinnerung an den 22. Oktober 1940. Referent ist Eberhard Dittus, Beauftragter der Evangelischen Kirche der Pfalz für Gedenkstättenarbeit und Beauftragter der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz zur Erhaltung jüdischer Friedhöfe in der Pfalz.

Spendenkonto

Zur Erhaltung des alten jüdischen Friedhofs in Zweibrücken-Bubenhausen: DE91 3506 0190 1200 1540 50, Bank für Kirche und Diakonie eG, Empfänger ist das Dekanat Zweibrücken. Kennwort: Spende jüdischer Friedhof.

Das Gelände des Friedhofs ist heute weitgehend von Gestrüpp bewachsen.
Das Gelände des Friedhofs ist heute weitgehend von Gestrüpp bewachsen.
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