Hermersberg
Hinweise auf Wolf werden überprüft
Ein Hermersberger Nutztierhalter habe der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz (FAWF) in Trippstadt von den Pfotenspuren in Schnee und Matsch berichtet. Daraufhin, erzählt Back, sei der zuständige regionale Großkarnivoren-Beauftragte, Bastian Allmoslöchner, informiert worden, der sich die Spuren auf Hermersberger Gemarkung anschaute.
Die Meldung der Anwesenheit eines Wolfes sorgte am Donnerstag im Internet für Aufregung. Bei Facebook hieß es, der Großkarnivoren-Beauftragte habe bestätigt, dass es sich um einen Wolf handelt. Mehr noch: Er habe sagen können, dass es sich um einen Rüden handelt, ein besonders großes Exemplar. Das sei nicht wahr, und die Aussagen von Allmoslöchner seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, sagt Michael Back auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Einzelne Spuren seien zu wenig, um einen Wolf nachweisen zu können. Allmoslöchner, der ehrenamtlich arbeitet, besitze großes Fachwissen und würde die Anwesenheit eines Wolfes in einer solchen Situation mit so wenig Hinweisen auf keinen Fall bestätigen, sagt sein Auftraggeber.
Nur Wolf und Fuchs laufen schnurgerade
Nach allem, was man weiß, könnten die Abdrücke auch von einem großen Hund stammen. Zwar waren keine menschlichen Fußabdrücke in der Nähe, doch es gibt laut Back so einige Hunde, die allein unterwegs sind.
„Wir arbeiten wissenschaftlich“, unterstreicht Back. Um die Anwesenheit eines Wolfs zu bestätigen, bräuchte es zum Beispiel einen genetischen Nachweis, ein Foto oder ein Video. An einer Fährte könne man einen Wolf zwar auch erkennen, aber nur, wenn sie sehr lang ist – mindestens 500 Meter, sagt Back. Denn anders als Hunde laufe ein Wolf auch über längere Strecken schnurgerade – geschnürter Trab wird das genannt, erklärt der Experte. Würde man einen Faden über die Strecke spannen, dann säße jeder Pfotenabdruck genau darauf. Diese Fortbewegungsweise zeigten sonst nur Füchse auf, deren Abdrücke aber viel kleiner seien.
Räuber ist am Riss gut zu erkennen
An einem Riss können die Experten laut Back ebenfalls erkennen, welche Tierart dafür verantwortlich ist. So würden nur Luchse und Wölfe Pansen und Darmtrakt entfernen und einige Meter entfernt ablegen. Hunde und Füchse hingegen seien nicht solche Kostverächter: Diese Räuber verraten sich dadurch, dass der Pansen aufgerissen ist oder gefressen wurde. Auch seien Hunde ungestüm beim Jagen, erzählt Back. Mit ihren Krallen verursachen sie Blutungen unter der Haut, und sie beißen in den ganzen Körper des Beutetiers.
Wölfe und Luchse hingegen jagen laut Back sauber und töten durch einen Biss in die Kehle. Der Luchs hält dabei seine Beute mit den Krallen fest. Die Löcher, die dabei entstehen, unterscheiden sich vom Wolfsriss. Zudem fange der Wolf bei der fleischreichen Keule an zu fressen, während Luchse erst das Fell öffnen und praktisch wie eine Decke Richtung Kopf aufrollen, erklärt Michael Back. Sobald es einen Riss gibt, könne man den Räuber also gut erkennen.
