Trippstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Als Großkarnivorenbeauftragter ist Michael Back für Wolf, Luchs & Co. zuständig

Michael Back – hier mit seinem Azubi Casper – ist Großkarnivorenbeauftragter des Landes und Ausbilder der Kadaversuchhunde.
Michael Back – hier mit seinem Azubi Casper – ist Großkarnivorenbeauftragter des Landes und Ausbilder der Kadaversuchhunde.

Michael Back hat keinen Job wie alle anderen. Der 56-jährige Trippstadter ist der Großkarnivorenbeauftragte von Rheinland-Pfalz. Bei ihm läuft alles zusammen, was auch nur annähernd mit großen Fleischfressern wie Wolf, Luchs oder Bär zu tun hat.

In der Pfalz ist der Wolf zwar noch nicht sesshaft, schaut aber gelegentlich vorbei. Im Norden des Landes lebt er dagegen bereits. „Ich gehe jeder Meldung nach“, beschreibt Back seine Aufgabe und betont, dass er jede angebliche Sichtung eines Wolfes ernst nimmt. Auch Bären finden sein Interesse. Bären in Rheinland-Pfalz? Klar, Waschbären! Die sind mitunter sogar rund um Backs Dienstsitz an der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz im Trippstadter Schloss unterwegs. Als Kleinbären fallen sie allerdings nicht in die Zuständigkeit eines Großkarnivorenbeauftragten. Braunbären schon, aber die beschäftigen Back eher nicht. Zumindest noch nicht. Sollte jedoch einer der großen Petze über Bayern nach Rheinland-Pfalz kommen, dann wäre Back für ihn zuständig.

Schon zehn Luchse in freier Wildbahn geboren

Zu den Großkarnivoren – also zu den großen Fleischfressern – zählen auch die Luchse, die es seit 2016 wieder bei uns gibt. In einem Wiederansiedlungsprojekt wurden 20 Luchse aus der Schweiz und der Slowakei in den Pfälzerwald umgesiedelt. Mindestens zehn Jungtiere wurden bereits in der neuen Heimat geboren. Back war in der Hochphase der Umsiedlung beim Luchsprojekt der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz dabei, hat die meisten der Tiere auf dem Transport ins neue Zuhause begleitet und hat jedem Einzelnen vor der Rückkehr in die Wildnis beim medizinischen Check ein paar Haare entnommen.

Luchse werden schwanzwedelnd begrüßt

Die braucht er für seine Hunde. Michael Back ist nämlich nicht nur Großkarnivorenbeauftragter, sondern auch einer der anerkannten Schweißhundeführer im Land. Und seine Hunde Bodo, ein Hannoverscher Schweißhund, und Emil, ein drahthaariger Foxterrier, machen sich längst nicht nur auf die Suche nach verletzten Schweinen oder Hirschen, die beiden sind auch ausgebildete Luchshunde. Die Arbeit dafür lief nur über die Haare. „Hunde sind ein Phänomen und können lernen, alles zu suchen“, ist Back von den Qualitäten dieser Nasenarbeiter überzeugt. Ihn überrascht es deshalb auch nicht, dass derzeit die ersten Hunde als Corona-Suchhunde ausgebildet werden. „Das kann funktionieren“, ist er sicher. Bodo und Emil hatten ihre erste Luchsbegegnung im Wildpark Kaiserslautern, kamen dort erstmals mit dem Geruch der großen Katzen in Kontakt. Vor allem aber mussten die Jagdhunde lernen, dass der Luchs ein Freund ist, der nicht gepackt werden darf. „Wenn ich heute mit den Hunden im Wildpark bin, wird der Luchs schwanzwedelnd begrüßt!“

Bodo hat anhand der Haare der ausgewilderten Luchse gelernt, zwölf Tiere zu unterscheiden und ihre Spuren zu verfolgen. Emil kennt vier unterschiedliche Luchse. Die beiden haben mehrfach den Nachweis erbracht, wo sich die Tiere aufhalten und sie haben dafür gesorgt, dass der Nachwuchs entdeckt werden konnte.

Back bildet Schweißhunde aus

Back arbeitet aber nicht nur mit seinen eigenen Hunden, sondern auch mit anderen und sorgt dafür, dass es in Rheinland-Pfalz Kadaver-Suchhunde gibt. Unter seiner Anleitung wurden Hundeführerinnen und -führer mit ihren Vierbeinern für diese Aufgabe ausgebildet. Sie sollen verendete Wildschweine aufspüren. Grund ist die drohende Gefahr der Afrikanischen Schweinepest.

Derzeit bildet der Trippstadter mit Casper, einem einjährigen Hannoverschen Schweißhund, auch noch einen eigenen Azubi aus. Casper gehört zur Backschen Familie und hat demnächst seine erste Schweißhunde-Prüfung. „Jeden Tag wird zusammen gearbeitet“, betont der Hundekenner, dass die Tiere erst mit viel Liebe, Freude und Spaß lernen müssen, das Wild auch für ihre Menschen zu suchen. Als Trainingsassistentin dient gelegentlich auch eine zahme Mölschbacher Wildsau, die beim „Gassi gehen“ mit Frauchen eine Fährte spurt, die Casper dann nachsucht.

Noch ist Casper Azubi, aber er wird an der Seite von Michael Back sicher bald als Schweißhund genauso zuverlässig verletzte, bei der Jagd angeschossene Wildtiere suchen und finden wie Bodo und Emil und seinen zweibeinigen Chef so gut schlafen lassen. „Wenn es wirklich mal vorkommt, dass wir das verletzte Tier nicht finden und es von der Qual erlösen können, raubt mir das den Schlaf“, bekennt er.

Nils fragt: Was ist ein Schweißhund?

Ein Schweißhund sucht kein verschwitztes Tier. In der Jägersprache heißt das Blut des Wildes Schweiß. Wird bei der Jagd ein Tier nur verletzt, was leider immer wieder vorkommt, dann ist es wichtig, das Tier schnell zu finden und von seinem Leid zu erlösen. Natürlich sucht der Jäger, der nicht richtig getroffen hat, mit seinem eigenen Hund auch sofort. Findet er es nicht, ruft er einen anerkannten Schweißhundeführer an und dieser kommt, so schnell es geht. Sein Hund darf sich nun nicht von den vielen Spuren, die der Jäger samt seinem Hund schon hinterlassen hat, durcheinander bringen lassen, er muss gezielt die Spuren, die das Wild beim Weglaufen in den Boden getreten hat, aufnehmen und das Tier finden. Für gut ausgebildete Schweißhunde ist das meist kein Problem. Beharrlich und entschlossen setzen sie ihre Supernasen ein.

Zur Sache: Tipps vom Hundefachmann

Zieht ein Welpe ins Haus ein, dann gilt:

Er muss nicht gleich Platz und Sitz lernen, das kommt mit der Zeit.

Der Welpe will nicht isoliert sein, er braucht Anschluss an seine Familie.

Nicht widersprüchlich in den Ansagen sein.

Immer freundlich und konsequent bleiben.

Alle Familienmitglieder müssen die gleiche Konsequenz zeigen.

Viel Zeit mit dem Welpen verbringen und ihm möglichst viel von der menschlichen Umwelt zeigen.

Gewalt ist bei der Ausbildung der falsche Weg.

Macht er, was er nicht soll, einfach ignorieren. Das ist für den Welpen Strafe genug.

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